Dorfschreiberin von Kaltenlengsfeld liest zum Abschied 9.11.18

Am Freitag, 9. November um 19.30 Uhr laden die Autorin Vera Vorneweg und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen zu einer Leseveranstaltung der „Dorfschreiberin“ in die „Rhönstube“ des Dorfgemeinschaftshauses in Kaltenlengsfeld ein.

Die Lesung bildet den Abschluss des von der Stiftung, der Wartburg-Sparkasse, der Sparkassenversicherung und der Stadt Kaltennordheim geförderten Projektes „Künstler*innen im ländlichen Raum“ im Rahmen dessen die Düsseldorfer Autorin Vera Vorneweg zweieinhalb Monate in Kaltenlengsfeld gelebt und als „Dorfschreiberin“ die Geschichten der Kaltenlengsfelder, des Dorfes, aber auch der Region insgesamt für eine literarische Verwertung gesammelt hat.

Unter dem Titel „Im Feld“ wird sie am 9. November – ihrem letzten Tag in Kaltenlengsfeld – aus ihren Notizen lesen. In den Wochen ihres Aufenthaltes folgte Vera Vorneweg mit einer fast strengen Gewissenhaftigkeit allen Wegen, die ihr in den Erzählungen der Kaltenlengsfelder vorgeschlagen wurden:

„Ich ging zum Beispiel Holunderbeeren sammeln, wenn mir jemand dazu riet, schaute mir das Fußballspiel des SV Wackers an oder fand mich bei einer sonntäglichen Kaffee- und Kucheneinladung wieder. (…)

Wer hatte jemals festgelegt, dass sich Ortschaften anhand von Straßen, Gassen, Wegen oder Höhenlagen oder Himmelsrichtungen erschließen und nicht vielmehr anhand von Geschichten? (…)

Eine interessante Beobachtung war auch, dass ich gar nicht mehr Kaltenlengsfeld verlassen wollte. Wenn ich mir noch vor Kurzem gar nicht hatte vorstellen können, in einem Ort zu leben, wo es kein Café gab, hatte sich mein Gefühl in das komplette Gegenteil umgeschlagen: Jetzt wollte ich Kaltenlengsfeld nicht mehr verlassen und mir graute es vor dem Einkaufen, dem Konsum und den vielen (!) Menschen, die ich in Kaltennordheim antreffen würde. Und jetzt saß ich – teils aus Gewohnheit, teils widerwillig - in einem Café in Kaltennordheim und vermisste das Dorf, meinen Schreibtisch, mein Fenster zum Feld, meinen Dorfplatz und die Menschen, die ich mittlerweile beim Namen nennen konnte.“

Die Notizen der Autorin umfassen mehr als hundert computergeschriebene Seiten, sie sind aber nicht das Endprodukt, sondern zunächst Material für einen Roman, der aus den Notizen entstehen soll. Wer schon einmal einen kleinen Einblick in die gesammelten Geschichten und Wahrnehmungen der Autorin gewinnen möchte, ist zur Lesung herzlich eingeladen.