Dramatische Vorfälle in Dermbach: Katzen durch Luftgewehrschüsse & Gewalt verletzt

Gastbeitrag von Kathrin Kirchner
(Das Mietzhaus – die Pfötchenretter e.V.)

Nach den bereits bekannt gewordenen Fällen von Katzen, die in Dermbach offenbar gezielt mit einem Luftgewehr beschossen wurden (wir berichteten), hat sich die Situation aus Sicht des Tierschutzvereins „Das Mietzhaus – die Pfötchenretter e.V.“ dramatisch zugespitzt.

Erneut wurde bei einer Katze aus dem Umfeld einer betreuten Futterstelle des Vereins ein Projektil eines Luftgewehrs festgestellt. Doch dieses Mal blieb es nach Einschätzung der Tierschützer möglicherweise nicht bei einem Schuss: Bei der tierärztlichen Untersuchung stand zusätzlich eine stumpfe Gewalteinwirkung im Raum.

Die Katze wurde notfallmäßig behandelt und stationär aufgenommen. Inzwischen ist das Tier verstorben. Für den Tierschutzverein stellt sich deshalb eine beunruhigende Frage: Hat der Verantwortliche sein Vorgehen verändert und beschränkt sich nicht mehr darauf, auf Katzen zu schießen?

Bereits der Fall des Katers Samy im Mai 2026 hatte in Dermbach für Entsetzen gesorgt. Das Tier war mit einem Luftgewehr beschossen worden. Ein Diabolo hatte Samy im Bereich des Kopfes getroffen. Es blieb nach Angaben des Vereins nicht bei diesem einen Vorfall.

Immer wieder gab es im Umfeld der betreuten Katzen Anlass zu großer Sorge. Bislang hatten die betroffenen Tiere jedoch Glück im Unglück. Verletzungen beziehungsweise Verhaltensauffälligkeiten wurden rechtzeitig bemerkt, die Katzen konnten tierärztlich untersucht und behandelt werden.

Dieses Mal ist es anders. Eine weitere Katze aus dem Umfeld der Futterstelle kam nach Hause und zeigte deutliche gesundheitliche Auffälligkeiten. Ihre Bewegungen waren unkoordiniert, ihr Verhalten auffällig. Noch am späten Abend konnte der Vereinstierarzt erreicht werden.

Die Katze wurde umgehend notfallmäßig versorgt und anschließend stationär aufgenommen. Bei der Untersuchung stand nach Angaben des Vereins auch eine stumpfe Gewalteinwirkung als mögliche Ursache für das Verletzungsbild im Raum. Am folgenden Tag wurde die Katze geröntgt.

Dabei machten die Beteiligten eine weitere erschreckende Entdeckung: Auf dem Röntgenbild wurde erneut ein Spitzkopf-Diabolo eines Luftgewehrs im Körper der Katze festgestellt. Damit wurde erneut eine Katze aus diesem Umfeld angeschossen.

Der Tierarzt war sichtlich bestürzt und teilte mit, dass dieses Geschoss äußerst aggressiv ist. Die Spitze dieses sog. Spitzkopfdiabolos ist messerscharf und ist durch den Körper der Katze Mimi gewandert.

Auf der "Wanderschaft" hat die Spitze den Darm so massiv verletzt, dass die Katze früher oder später daran elendig zugrunde gegangen wäre. Wir hätten so oder so nichts mehr für die Katze tun können.

Diese Tatsache wird auch durch das jetzt vorliegende Blutbild stark untermauert.  Trotz der tierärztlichen Versorgung hat das Tier nicht überlebt. Die Katze ist in der Nacht verstorben.

Nach den bisherigen Erkenntnissen waren die bekannten Tiere durch Luftgewehrschüsse verletzt worden.

Nun steht bei einer erneut angeschossenen und inzwischen verstorbenen Katze zusätzlich eine mögliche stumpfe Gewalteinwirkung im Raum. Der Verein befürchtet deshalb eine Eskalation.

Die Tierschützer haben den konkreten Verdacht, dass derjenige, der für die Schüsse auf die Katzen verantwortlich ist, möglicherweise nicht mehr ausschließlich aus der Distanz auf die Tiere schießt, sondern inzwischen auch unmittelbar körperliche Gewalt gegen sie ausüben könnte.

Bewiesen ist das derzeit nicht. Der Verein macht jedoch keinen Hehl daraus, dass er aufgrund der Gesamtheit der Vorkommnisse einen konkreten Tatverdacht hat und einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Ereignissen für naheliegend hält.

Die Tierschützer befürchten unter anderem, dass zutrauliche Katzen angelockt werden könnten und ihnen anschließend Gewalt angetan wird. Auch hierfür gibt es bislang keinen unmittelbaren Beweis. Gerade deshalb seien Zeugenaussagen und konkrete Beobachtungen aus der Bevölkerung jetzt von entscheidender Bedeutung.

Besonders bedrückend ist für die Tierschützer ein weiterer Vorfall aus der Vergangenheit. Bereits zuvor hatte ein Vereinsmitglied eine tote Katze in einem Bach in unmittelbarer Nähe des betroffenen Bereichs gefunden.

Zum damaligen Zeitpunkt konnte kein Zusammenhang mit den anderen Vorfällen nachgewiesen werden. Nach den inzwischen bekannt gewordenen Schussverletzungen, dem erneuten Fund eines Luftgewehrprojektils, dem Verdacht auf zusätzliche Gewalteinwirkung und dem Tod der aktuell behandelten Katze betrachtet der Verein jedoch auch diesen früheren Fund mit anderen Augen.

Die Tierschützer halten es inzwischen für möglich, dass auch der Tod der im Bach gefundenen Katze mit der Serie zusammenhängen könnte. Auch das ist ausdrücklich ein Verdacht und keine bewiesene Tatsache.

Für den Verein ergibt sich dennoch ein Gesamtbild, das nicht länger ignoriert werden könne: Mehrere verletzte beziehungsweise angeschossene Katzen, inzwischen ein verstorbenes Tier und ein weiterer ungeklärter Todesfall in unmittelbarer Nähe.

Parallel zu den Vorfällen mit den Tieren wurde in dem betreffenden Umfeld eine weitere Entdeckung gemacht. Nach der Veröffentlichung des Falls Samy wurde auf einer Mauer in großen schwarzen Buchstaben die Botschaft „HIER IST KEIN KATZEN KLO!“ angebracht.

Ebenso wurde Katzenkot vor die Tür unseres Vereinsmitgliedes gelegt und Plakate bekritzelt. Für die Mitglieder des Vereins ist die unmissverständlich gegen Katzen beziehungsweise deren Anwesenheit gerichtete Botschaft angesichts der übrigen Ereignisse äußerst beunruhigend.

Auch hier gilt: Wer die Schmiererei angebracht hat und ob der Urheber mit den Angriffen auf die Katzen in Verbindung steht, ist nicht bewiesen.

Der Verein dokumentiert jedoch die Vorkommnisse und stellt entsprechende Informationen, Fotos und tierärztliche Unterlagen für die Ermittlungen zur Verfügung.

Der Verein möchte dabei eines nicht verschweigen: Aufgrund der Gesamtheit der Ereignisse besteht bei den Tierschützern inzwischen ein konkreter Verdacht hinsichtlich einer Person aus dem örtlichen Umfeld.

Eine öffentliche Vorverurteilung soll es dennoch nicht geben. Denn ein noch so starker Verdacht ersetzt keinen Beweis. Genau an diesem Punkt benötigen Verein und Ermittlungsbehörden nun die Unterstützung der Bevölkerung.

Die Polizei ist nach Angaben des Vereins eingeschaltet, nimmt die Vorfälle sehr ernst und bemüht sich engagiert um deren Aufklärung. Was jetzt benötigt wird, sind belastbare Hinweise und Zeugen.

Der Tierschutzverein richtet deshalb einen eindringlichen Appell an die Menschen in Dermbach und Umgebung: Bitte schauen Sie nicht weg. Wer in dem betreffenden Bereich verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wird dringend gebeten, diese der Polizei mitzuteilen.

Das gilt insbesondere für Personen, die Schüsse oder entsprechende Geräusche gehört haben, jemanden mit einem Luftgewehr beobachtet haben, einen auffälligen Umgang mit Katzen wahrgenommen haben oder gesehen haben, wie Katzen angelockt, verfolgt, eingefangen oder auf Grundstücke gelockt wurden.

Auch Hinweise zur katzenfeindlichen Schmiererei können wichtig sein. Ebenso bittet der Verein Menschen, die möglicherweise schon länger etwas wissen oder beobachtet haben, sich nun zu melden. Es muss nicht der eine Zeuge sein, der die gesamte Tat beobachtet hat. Mehrere kleine Beobachtungen können gemeinsam das entscheidende Bild ergeben.

Wer Fotos, Videos oder sonstige Aufzeichnungen besitzt, sollte diese sichern. Hilfreich sind außerdem möglichst genaue Angaben zu Datum, Uhrzeit, Ort, Personen, Fahrzeugen und anderen Auffälligkeiten. Niemand soll jedoch selbst Ermittlungen durchführen oder eine verdächtigte Person konfrontieren. Hinweise gehören in die Hände der Polizei.

Für „Das Mietzhaus – die Pfötchenretter e.V.“ ist mit den jüngsten Ereignissen eine Grenze erreicht. Bislang mussten die Tierschützer erleben, dass Katzen angeschossen und verletzt wurden. Die Tiere konnten jedoch rechtzeitig behandelt werden.

Jetzt ist eine erneut angeschossene Katze tot. Gleichzeitig steht der Verdacht zusätzlicher stumpfer Gewalteinwirkung im Raum. Und bereits zuvor wurde in unmittelbarer Nähe eine weitere Katze tot in einem Bach gefunden.

Für den Verein ist deshalb klar, dass er nicht zur Tagesordnung übergehen wird. Die Vorfälle werden konsequent dokumentiert, tierärztliche Befunde gesichert und den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt.

Der Verein wird alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten nutzen, um die Aufklärung zu unterstützen und weitere Tiere zu schützen. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Selbstjustiz. Es geht darum, den Verantwortlichen zu identifizieren, Beweise zusammenzutragen und dafür zu sorgen, dass die Angriffe aufhören.

Der entscheidende Hinweis könnte dabei aus der Bevölkerung kommen. Wer etwas gesehen, gehört oder beobachtet hat – und sei es noch so unbedeutend –, sollte sich jetzt bei der Polizei melden.

Denn nach Auffassung der Tierschützer darf nicht erst noch eine weitere Katze schwer verletzt werden oder sterben, bevor der entscheidende Hinweis kommt.