Vom Hörsaal auf die Rhöner Wiesen – Studierende erfassen seltene Arten im Biosphärenreservat

Gastbeitrag von Lea Hohmann

Mit Bestimmungsbüchern, Ferngläsern und Insektennetzen ausgestattet, sind derzeit 20 Studierende der Eberhard-Karls-Universität Tübingen im bayerischen Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön unterwegs.

Zwischen artenreichen Bergwiesen, lichten Wäldern und naturnahen Lebensräumen lernen sie nicht nur wissenschaftliche Methoden zur Artbestimmung kennen, sondern liefern gleichzeitig wertvolle Daten für den Naturschutz.

Einige ihrer Funde geben dabei sogar Hinweise darauf, wie sich der Klimawandel bereits heute auf die Tier- und Pflanzenwelt der Rhön auswirkt.

Was im Hörsaal theoretisch vermittelt wird, wird in der Rhön unmittelbar erlebbar: Pflanzen bestimmen, Vogelstimmen erkennen, Insekten und Spinnen kartieren und Lebensräume analysieren.

Die Exkursion führt die angehenden Biologinnen und Biologen auf verschiedenste Flächen im Biosphärenreservat, das als Hotspot der biologischen Vielfalt ideale Bedingungen für die wissenschaftliche Ausbildung bietet.

Zwischen blühenden Wiesen und strukturreichen Waldrändern sammeln die Studierenden Erfahrungen, die sich in Lehrbüchern nur schwer vermitteln lassen. Gleichzeitig dokumentieren sie zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und tragen so dazu bei, das Wissen über die Artenvielfalt der Region zu erweitern.

Junge Wissenschaftler liefern wertvolle Erkenntnisse

Die bei den Untersuchungen gesammelten Nachweise umfassen häufig auch seltene oder geschützte Arten. Darüber hinaus lassen sich an den Beobachtungen Entwicklungen erkennen, die eng mit dem Klimawandel zusammenhängen.

„Die studentischen Untersuchungen geben auch Aufschlüsse über Artverschiebungen aufgrund klimawandelbedingter Lebensraumveränderungen“, erklärt Dr. Tobias Birkwald von der bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön.

„So sind die zahlreichen Nachweise der Italienischen Schönschrecke, einer ursprünglich mediterranen Art, auf die wärmer werdenden Sommer zurückzuführen.“

Die Ergebnisse der Exkursion sind deshalb weit mehr als reine Bestimmungsübungen. Mehrere hundert ortsgenau dokumentierte Nachweise verschiedener Tier- und Pflanzenarten werden erfasst und anschließend der Naturschutzverwaltung zur Verfügung gestellt.

Damit leisten die Studierenden einen konkreten Beitrag zur Beobachtung und Dokumentation der biologischen Vielfalt in der Rhön.

Lernen, forschen und die Rhön erleben

Ausgangspunkt der Exkursion ist die Umweltbildungsstätte Oberelsbach. Sie bietet den Studierenden nicht nur Unterkunft und regionale Verpflegung, sondern auch Seminarräume für Vorträge, Auswertungen und die gemeinsame Bestimmungsarbeit.

Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen kommt auch das Naturerlebnis nicht zu kurz.

Ob auf den artenreichen Bergwiesen, in den Wäldern oder entlang naturnaher Gewässer – die Vielfalt der Rhön begeistert die Teilnehmenden ebenso wie die praktischen Einblicke in die Feldforschung. Die Exkursion hat dabei so viel Anklang gefunden, dass eine Fortsetzung im kommenden Jahr bereits geplant ist.

„Die Rhön ist ein hervorragender Lernort, um biologische Vielfalt direkt vor Ort zu erleben und wissenschaftliche Methoden unter realen Bedingungen anzuwenden“, so Birkwald. „Gleichzeitig profitieren auch Naturschutz und Forschung von den vielen erhobenen Daten.“

Mit jeder kartierten Art, jedem dokumentierten Fund und jeder neu gewonnenen Erkenntnis wird deutlich: Die Rhön ist nicht nur ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch ein lebendiges Freiluftlabor für die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.