Zwischenstand der Sanierung des Kirchturms in Klings: Gemeinschaftsprojekt im Blick

Gastbeitrag von Annette Günther

Einen langen und mühsamer Weg musste die Kirchgemeinde Klings für die Sanierung des Kirchturmes Ihrer Dorfkirche in Klings zurücklegen. Vor drei Monaten konnte nun endlich die notwendige und lang ersehnte Baumaßnahme beginnen.

Rückblick

Seit 2017 steht die Kirchgemeinde Klings wegen der notwendigen Baumaßnahme mit dem Kreiskirchenamt Meiningen in Kontakt. Alle jährlich gestellten Anfragen sowie Anträge auf Fördermittel bei den kirchlichen Behörden erbrachten leider kein Erfolg auf Unterstützung.

Auch reichte die Stadt Kaltennordheim für das Projekt Anträge auf Städtebaufördermittel ein. Die Sanierung des Kirchturms Klings schaffte es leider nicht auf die vordersten Plätze der Prioritätenliste der Städtebaufördermittel und somit erhielt auch die Stadt Kaltennordheim Jahr für Jahr keine Zusage.

Dabei zeigte das Gutachten von 2018 eines Ingenieurbüros eindeutig, welche Schäden am Kirchturm vorhanden sind und das Gefahr in Verzug ist. Die Kirchgemeinde Klings machte immer wieder die Entscheidungsträger der Kirche darauf aufmerksam, sodass endlich 2024 eine Notsicherung am Dachstuhl des Kirchturms erfolgte.

Im August 2024 erhielt die Kirchgemeinde Klings Post aus dem Amtsgericht Erfurt. Der Inhalt war ein Testament der Familie Barthelmes, welche der Kirche Klings und dem Dorf selbst sehr verbunden waren. Wilfried Barthelmes wurde in Klings geboren und wuchs hier auf.

Der Wunsch der Familie war, dass der Nachlass an die Kirchgemeinde Klings vererbt wird. Auch erhielt das Testament Auflagen, unter anderem der Einbau einer Kirchturmuhr nach allen vier Seiten.

Die Kirchgemeinde Klings nahm das Erbe an und setzte sich das Ziel den Wunsch der Verstorbenen in aller Würde umzusetzen. Ein nicht zu unterschätzender Kraftakt war und ist noch notwendig.

Der Gemeindekirchenrat inklusive Ehepartner leisteten hier seit der Annahme des Erbes hunderte von ehrenamtlichen Stunden für die Beräumung und den Verkauf der Immobilie, welche nicht gleich um die Ecke, sondern in Erfurt stand, inklusive allem bürokratischen Aufwand, was ein Erbe so mit sich bringt. Für die Vororttermine in Erfurt wurde der eigene Urlaub in Kauf genommen.

Seit der Annahme des Erbes fanden auch die Anfragen der Kirchgemeinde Klings und die Anträge auf Fördermittel wieder Anklang bei den kirchlichen Behörden.

Und somit reichte der Gemeindekirchenrat Klings wieder bei verschiedenen Fördermittelgebern Anträge für die Sanierung des Kirchturmes ein.

Eine Bewilligung der Fördermittel erhielt die Kirchgemeinde Klings unter anderem

- aus dem Ausgleichsfonds 2025 der Landeskirchenamts Erfurt in Höhe von 50.000 Euro über den Kirchenkreis Bad-Salzungen Dermbach
- Deutsche Stiftung für Denkmalschutz in Höhe von 20.000 Euro
- Stiftung KIBA - Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland in Höhe von 15.000 Euro
- Baulastfond 2025 des Kirchenkreises Bad-Salzungen – Dermbach in Höhe von 16.000 Euro
- Stadt Kaltennordheim in Höhe von 10.000 Euro
- Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Höhe von 10.000 Euro
- Freistaat Thüringen – Thüringer Staatskanzlei in Höhe von 5.000 Euro (Lottomittel)

Die Mittel in Höhe von 126.000 Euro reichen natürlich nicht um die wichtige und notwendige Baumaßnahme mit einem Kostenaufwand von ca. 400.000 Euro zu begleichen.

Ohne das Erbe der Familie Barthelmes könnte die Kirchgemeinde Klings auch nach neun Jahren jährlicher Antragstellung auf Fördermittel die Baumaßnahme nicht umsetzen.

Die Dorfkirchen, in welche prozentual gerechnet mehr Besucher den Gottesdienst besuchen als in Städten, wo Gemeinschaft noch gelebt wird, wo mehr Spenden für soziale Zwecke oder zum Erhalt der Dorfkirchen gegeben werden, werden immer mehr von den Entscheidungsträgern außenvor gelassen.

Aktueller Baustand

Am 4. Mai 2026 konnten die Arbeiten am Kirchturm Klings mit dem Aufbau des ca. 35 Meter hohen Gerüstes durch den Gothaer Gerüstbau, Geschäftsführer Silvio Schneider, nun endlich beginnen.

Die Baufreiheit für die weiteren benötigten Gewerke wie, Zimmerei, Dachdecker, Tischler, Elektriker, Restauratoren Turmkopf und Sandsteine, Uhrenbauer u.w. wurde am 26. Mai 2026 sichergestellt.

Die Zimmererarbeiten, welche durch die Zimmerei Jens Kümpel aus Fambach ausgeführt werden, wurden gleichlaufend mit dem Rückbau der alten Dacheindeckung durch die Firma Dachdecker- und Bauklempnerarbeiten Oeser aus Brotterode am 03.06.2026 begonnen.

Die Kartierung der Schäden war im Rahmen der Erstellung der Leistungsverzeichnisse und Einholung der Angebote durch das Büro Trabert Ingenieure aus Geisa erarbeitet worden.

Zu den bereits kartierten Schäden kamen nach Öffnung des Helmdaches und der Freilegung der Sternbalkenebenen weitere Schäden zum Vorschein. Diese zusätzlichen Schäden befanden sich besonders in den Auflagebereichen der tragenden Balken auf der Mauerkrone in der ersten Sternbalkenebene.

Die Reparaturen an der Helmkonstruktion in der 1. Sternbalkenebene (Ebene über dem Glockenboden) waren umfangreich und stellten hohe Anforderungen an die Zimmerleute.

Für die Ausführung der Arbeiten war es unumgänglich schwere Abstützungen zu errichten, um die Helmkonstruktion während des Ausbaus und Wiedereinbaus von statisch relevanten Bauteilen zu sichern.

Die Reparaturen und Erneuerungen der Holzkonstruktion wurden durch der Firma nach historischem Vorbild und statischen Anforderungen ausgeführt, Intakte Althölzer konnten wieder eingebaut werden.

Zusätzlich zu den erforderlichen Reparaturen am Dachstuhl des Helmes wurde je Turmseite eine Uhrengaube in die Turmhelmkonstruktion neu eingebaut. Die Zimmererarbeiten konnten am Montag, den 20. Juli 2026 mit Restarbeiten an der Dachkonstruktion der Uhrengauben abgeschlossen werden.

Die Abdeckarbeiten durch die Firma Oeser erfolgten in der Zeit bis 3. Juni 2026. In dieser Zeit konnte auch im oberen Turmhelmbereich die Schalung zur Turmstabilisierung und die Unterdeckbahn als Wetterschutz aufgebracht werden.

Nach erfolgter Reparatur der Turmhelmkonstruktion durch die Zimmerer konnten die Dachdecker ihre Arbeit ab dem 15.07.2026 wieder aufnehmen.

Derzeit wurde das Aufbringen der Schalung mit Unterdeckbahn an den Dachflächen des Helmes und den zwischenzeitlich durch die Fa. Kümpel errichteten Uhrengauben abgeschlossen. Die Bauklempnerarbeiten laufen derzeit und mit den Schieferdeckungsarbeiten ist seit 20. Juli 2026 begonnen worden. Die Schieferdeckungsarbeiten sollen bis Ende August abgeschlossen werden.

Die Natursteinarbeiten werden von der Firma Baugeschäft Mario Kraus GmbH aus Dermbach-Unteralba ausgeführt. Die Arbeiten umfassen nach der Reinigung der Fassade die Erneuerung geschädigter Mauerwerksfugen, Ausbesserungsarbeiten an geschädigten Sandsteinen und die Erneuerung zerstörter Teile der Architekturgliederung.

Die Tischlerarbeiten werden durch die Firma Reum aus Breitungen ausgeführt. Auf Grund der starken Verwitterung der Holz-Schallfenster werden dies nach historischem Vorbild erneuert.

Auch die Fenster im Turmschaft können auf Grund des vorgefundenen Schadenbildes nicht im Turmschaft verbleiben und müssen neu angefertigt werden. Der Ausbau der geschädigten Fenster erfolgte bereits, die Anfertigung der Teile hat in der Werkstatt begonnen.

Die Aufarbeitung der Turmzier, die Vergoldung des Turmknopfes und der Wetterfahne wurden von der Kirchgemeinde Klings an die Restauratorin Birgit Jünger aus Hümpfershausen vergeben.

Mittlerweile ist die Vergoldung abgeschlossen und die Turmzier liegt sicher in der Werkstatt und wartet auf den Wiedereinbau. Heiko Reinau, Gemeindekirchenrat Klings, kümmert sich wieder um die Gangbarmachung der Wetterfahne, denn man will schließlich wissen, aus welcher Richtung der Wind weht.

Die Kirchgemeinde Klings beauftragte im Zuge der Erfüllung des Erbes den Auftrag zum Einbau von einer Kirchturmuhr den Zimmereibetrieb Roberto Ruft aus Ebenheim.

Im Vorfeld wurden durch das Planungs- und Ingenieurbüro Heide Lochner aus Bad-Liebenstein, Ortsteil Schweina, welche seit 2017 als Projekt- und Bauleitung für die Kirchgemeinde Klings tätig ist, 3 Varianten zum möglichen Einbau erarbeitet und zur Entscheidung dem Gemeindekirchenrat vorgelegt.

Der Gemeindekirchenrat entschied sich für die Errichtung von Gauben in die Holzkonstruktion am Fuß des Turmhelmes vierseitig, das heißt eine Uhrengaube mit Zifferblatt je Turmseite.

Diese Variante wurde von dem Landesamt für Denkmalpflege in Erfurt und dem Denkmalamt in Meiningen genehmigt. Dipl. Ing. Heide Lochner begleitet das Projekt.

Die Zifferblattgestaltung wurde von Architektin Madeleine Steiner aus Klings entworfen und zur Ausführung gebracht. Das Zifferblatt wartet bereits in der Werkstatt des Meisters auf den Einbau in die Gauben.

Wenn die Schieferdeckungsarbeiten am Turmhelm beendet sein werden, etwa Ende August/Anfang September, wird der Einbau der Uhrentechnik erfolgen.

Die Gemeinde ist schon ganz gespannt auf den ersten Glockenschlag, der die Uhrzeit ankündigen wird. Die Reparaturen am Glockenstuhl sollen in dieser Zeit durch den Zimmereibetrieb Roberto Ruft auch ausgeführt werden.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt laufen die Arbeiten trotz der Ferienzeit planmäßig. Alle Handwerker der Firmen sind mit Herzblut dabei qualitätsgerecht zu Arbeiten und den Zeitplan einzuhalten.

Ihnen Allen gilt unser besonderer Dank, denn Sie sind unverzichtbar. Ohne das Handwerk würde unsere modernen Lebensgrundlagen und der gesellschaftliche Wohlstand stillstehen.

Die Kirchgemeinde Klings bedankt sich bei allen Klingser Bürgerinnen und Bürgern sowie bei allen Unterstützern, die sich für den Erhalt der Klingser Dorfkirche und darüber hinaus stetig einsetzen. Denn Kirchen, auch die im ländlichen Raum, sind Kulturgüter von unschätzbarem Wert für unsere Gesellschaft.

Aus dem Archiv und der Kirchenchronik

Die schwarzen und verkohlten Holzbalken und Brandspuren an dem Gebälk im Dachstuhl des Kirchturms Klings sind Zeitzeugen des dritten Kirchenbrandes am 18. Juni 1948. Im Oberdorf brannte der Holzschuppen der Familie Eisenbach/Fischer.

Unwissende Kinder hatten wieder mit Streichhölzern gespielt. Ihr harmloses Spiel „Hänsel und Gretel im Hexenhäuschen“ hatte böse Folgen. Das Großfeuer vernichtete sämtliche Fabrikgebäude der größten Holzschnitzerei Schäfer sowie zwei Nachbarscheunen.

Durch die Hitze des Feuers flogen die Lackfässer und Öl-und Benzinfässer bis zur Kirche. Der Turm der Kirche fing Feuer. Gemeinsam wurde das Übergreifen des Feuers durch die Bevölkerung unterbunden.

Es wurde eine lange Reihe mit Wassereimern gebildet, welche bis in den Turm reichte. Das ganze Dorf rückte eng zusammen. Der Holzschnitzereibetrieb Schäfer wurde moderner und schöner wiederaufgebaut, trotz der Engpässe in der Nachkriegszeit.

Dem Gemeinschaftssinn der Klingser Bevölkerung sowie dem Geist der Familie Schäfer und allen Beschäftigten der Firma ist es zu verdanken, dass niemand arbeitslos wurde. Und somit ist auch unsere Dorfkirche nochmal glimpflich davongekommen.