Gastbeitrag von Sven Ortmann
Am Tag der Deutschen Einheit kamen auch in diesem Jahr Bürgerinnen und Bürger aus Oberweid in Thüringen und Simmershausen in Hessen am Denkmal „Geschlossenes Band“ zusammen.
Bereits zum 36. Mal wurde damit eine besondere Tradition gepflegt, die unmittelbar an die Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung erinnert.
Mehr als vier Jahrzehnte verlief zwischen den beiden nur wenige Kilometer voneinander entfernten Rhöndörfern die innerdeutsche Grenze. Freunde, Bekannte und Verwandte waren voneinander getrennt. Erst am 4. Dezember 1989 konnten sich die Bewohnerinnen und Bewohner beider Orte an dieser Stelle erstmals wieder unmittelbar begegnen.
Daran erinnert bis heute das „Geschlossene Band“. Die dort angebrachte Inschrift bezeichnet es als „Symbol des Verbundenseins in der wiedergewonnenen Einheit unserer Rhön“.
Aus der historischen Begegnung ist eine Tradition entstanden: Jedes Jahr am 3. Oktober treffen sich Menschen aus beiden Orten hier, um gemeinsam an die überwundene Teilung und die Wiedervereinigung Deutschlands zu erinnern.
Bei schönem Feiertagswetter begrüßten in diesem Jahr der Oberweider Bürgermeister Tino Hencl und der Simmershäuser Ortsvorsteher Sven Ortmann die Anwesenden.
Beide betonten, dass man stolz darauf sein könne, was in Deutschland in den vergangenen knapp vier Jahrzehnten erreicht worden sei. Zugleich seien Einheit und Freiheit keine Selbstverständlichkeit. Sie müssten jeden Tag aufs Neue nach innen und außen gestärkt und verteidigt werden.
Gerade in einer Zeit vieler Veränderungen und Unsicherheiten seien Werte und Traditionen von besonderem Wert. Freiheit und Einheit seien an diesem Ort schließlich einmal alles andere als selbstverständlich gewesen.
Umso wichtiger sei es, die Erinnerungen an die deutsche Teilung und deren Überwindung auch an die jüngeren Generationen weiterzugeben und zugleich das Bewusstsein für den Wert der freiheitlichen Einheit wachzuhalten.
Nach dem offiziellen Teil wurde die Begegnung wie in jedem Jahr in geselliger Runde fortgesetzt. Gastgeber war diesmal Oberweid. Für die gemeinsame Fahrt vom „Geschlossenen Band“ in den Ort hatten sich Bürgermeister und Ortsvorsteher ein standesgemäßes Gefährt ausgesucht: Auf einer Simson Star fuhren sie der Gesellschaft voran.
In Oberweid klang der Tag anschließend gemütlich aus. Dabei wurden Erinnerungen und manche Anekdote aus der Zeit der Teilung, der Grenzöffnung und der Wiedervereinigung ausgetauscht – Geschichten, die heute zugleich ein Stück regionaler Zeitgeschichte sind.
So bleibt das jährliche Treffen zwischen Oberweid und Simmershausen mehr als nur eine liebgewonnene Tradition: Es hält die Erinnerung daran wach, was die deutsche Teilung für die Menschen unmittelbar an der ehemaligen Grenze bedeutete – und daran, welchen Wert Freiheit, Einheit und gute Nachbarschaft bis heute haben.

