Gastbeitrag von Lena Gothe
Jetzt wird es ernst: An der evangelischen St.-Michael-Kirche in Neidhartshausen beginnen die geplanten Sanierungsarbeiten. In den kommenden Monaten wird das historische Dachtragwerk des Gotteshauses umfassend instandgesetzt.
Die besondere Herausforderung dabei: Unter dem Kirchendach befindet sich eine der bedeutendsten Wochenstuben des Großen Mausohrs (Myotis myotis) in Thüringen.
Seit Jahrzehnten teilen sich in Neidhartshausen Mensch und Fledermaus dasselbe Gebäude. Die St.-Michael-Kirche (BJ 1722) beherbergt alljährlich rund 1.000 Große Mausohren, die hier ihre Jungen aufziehen. Damit gehört die Kirche zu den größten Fledermausquartieren Thüringens und hat Neidhartshausen den Beinamen „Fledermausdorf“ eingebracht.
Nun beginnt die notwendige Sanierung des historischen Dachstuhls. Die Bauarbeiten sind für den Zeitraum vom 15. Oktober 2026 bis zum 15. März 2027 vorgesehen.
Dieser Zeitraum ist bewusst gewählt: Während der Wintermonate ist die Kirche fledermausfrei und die Tiere befinden sich nicht in ihrem Sommerquartier. So können die notwendigen Arbeiten durchgeführt werden, ohne die geschützte Kolonie während der Jungenaufzucht zu stören.
Die Sanierung ist dringend erforderlich. Das Dachtragwerk der St.-Michael-Kirche weist inzwischen erhebliche statische und bauliche Schäden auf. Hinzu kommen die Spuren der jahrzehntelangen Nutzung durch die Fledermäuse.
Eine umfassende Instandsetzung ist deshalb notwendig, um die Standsicherheit und den langfristigen Erhalt des historischen Kirchengebäudes zu gewährleisten.
Gleichzeitig darf die Sanierung nicht dazu führen, dass die Fledermäuse ihren angestammten Lebensraum verlieren. Genau diese Verbindung macht das Vorhaben zu einem außergewöhnlichen Projekt.
Ziel der Baumaßnahme ist es daher, das historische Tragwerk fachgerecht zu sanieren und gleichzeitig die bestehenden Hangplätze der Fledermäuse dauerhaft zu erhalten. Die Tiere sind streng geschützt und reagieren empfindlich auf Störungen. Deshalb werden die Arbeiten fachlich und baubiologisch begleitet.
Möglich wird die umfassende Sanierung durch das Zusammenspiel verschiedener Partner. Initiiert wurde das Projekt von der Evangelischen Kirchgemeinde Neidhartshausen in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ e. V. / der Natura 2000-Station „Rhön“.
Finanziert wird das Vorhaben durch Mittel der Kirchgemeinde mit Unterstützung des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland sowie das Förderprogramm „Entwicklung von Natur und Landschaft“ (ENL) des Landes Thüringen kofinanziert von der EU.
Das Projekt zeigt damit beispielhaft, wie sich Denkmalschutz und Naturschutz miteinander verbinden lassen. Die historische Kirche soll erhalten bleiben – und mit ihr ein bedeutendes Quartier für eine streng geschützte Fledermausart.
Wenn die Arbeiten im Frühjahr 2027 abgeschlossen sind, soll die Kirche wieder beiden Bewohnergruppen offenstehen: den Menschen und den Fledermäusen.
Für die Große-Mausohr-Wochenstube bedeutet die Sanierung den Erhalt eines seit Jahrzehnten genutzten Quartiers. Für die Kirchengemeinde bedeutet sie die langfristige Sicherung ihres historischen Gotteshauses.
Die „Fledermauskirche“ von Neidhartshausen wird damit zu einem sichtbaren Beispiel dafür, dass Baukultur und Artenschutz keine Gegensätze sein müssen.
Vielmehr kann gerade die gemeinsame Verantwortung dafür sorgen, dass ein außergewöhnlicher Ort auch für kommende Generationen erhalten bleibt.



