Künstliche Intelligenz, kurz KI, ist längst nicht mehr nur etwas für große Technologieunternehmen. Auch junge Menschen aus unserer Region beschäftigen sich mit der Frage, wie Computer und moderne Technik den Arbeitsalltag erleichtern können. Dass dabei richtig gute Ideen entstehen, zeigte jetzt das 8. Thüringer KI-Forum in Erfurt.
Besonders erfreulich: Der 23-jährige Erik Kummetat aus Dermbach wurde für seine Forschungsarbeit ausgezeichnet. Auch Schülerinnen und Schüler des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums in Schmalkalden konnten sich über einen Sonderpreis freuen.
Mehr als 180 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung kamen am 6. Oktober 2026 in Erfurt zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Künstliche Intelligenz künftig sinnvoll eingesetzt werden kann.
Dabei ging es nicht nur um komplizierte Computerprogramme, sondern um ganz praktische Dinge, die unser Leben und Arbeiten einfacher machen sollen.
Erik Kummetat aus Dermbach lässt Computer Kanalschäden erkennen
Ein besonders interessantes Beispiel kommt direkt aus der Rhön.
Der 23-jährige Erik Kummetat aus Dermbach hat sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Fachhochschule Erfurt mit einer ungewöhnlichen Frage beschäftigt:
Kann ein Computer selbstständig erkennen, ob unter der Erde ein Abwasserrohr beschädigt ist? Was zunächst kompliziert klingt, hat einen ganz einfachen Hintergrund.
Unter unseren Straßen und Grundstücken verlaufen unzählige Kilometer Abwasserleitungen. Diese Rohre müssen regelmäßig kontrolliert werden. Schließlich können Risse, verschobene Verbindungen oder andere Schäden auf Dauer große Probleme verursachen.
Dafür werden spezielle Kameras durch die Rohre geschickt. Sie filmen das Innere der Kanalisation. Fachleute müssen sich anschließend die Aufnahmen ansehen und nach möglichen Schäden suchen.
Das kostet viel Zeit und erfordert große Aufmerksamkeit. Genau hier setzt die Idee von Erik Kummetat an.
Ein Computer, der mitdenkt und Zeit spart
Für seine Bachelorarbeit entwickelte der junge Dermbacher ein Computerprogramm mit dem Namen „KanalInspektPro“.
Das Besondere daran: Das Programm nutzt Künstliche Intelligenz, um verdächtige Stellen in den Kameraaufnahmen selbstständig zu erkennen.
Man kann sich das ungefähr so vorstellen:
Ein Mitarbeiter schaut sich normalerweise ein langes Video aus einem Abwasserrohr an und sucht nach Schäden. Eriks Programm übernimmt einen großen Teil dieser Suche und zeigt dem Mitarbeiter, an welchen Stellen er genauer hinschauen sollte.
Dafür musste die Künstliche Intelligenz zunächst lernen, wie ein beschädigtes Rohr überhaupt aussieht.
Erik nutzte dafür zahlreiche Bilder von Kanalinspektionen. Der Computer wurde damit trainiert, bestimmte Auffälligkeiten zu erkennen.
Im Mittelpunkt standen sogenannte Muffenversätze. Das sind Stellen, an denen zwei miteinander verbundene Rohre nicht mehr richtig auf einer Höhe sitzen.
Bis zu 65 Prozent weniger Zeit beim Test
Und die Ergebnisse können sich sehen lassen.
Bei einem praktischen Versuch mit einer 13 Meter langen Abwasserleitung konnte das entwickelte System rund 91 Prozent der untersuchten Schäden erkennen.
Besonders bemerkenswert: Die Auswertung benötigte rund 65 Prozent weniger Zeit als die herkömmliche Kontrolle von Hand.
Allerdings ist das Programm noch kein fertiger Ersatz für den Menschen. Bei dem Test gab es auch Fehlalarme und einen übersehenen Schaden.
Fachleute müssen die Ergebnisse deshalb weiterhin überprüfen. Bislang wurde die Technik außerdem nur in einem begrenzten Praxistest untersucht. Trotzdem zeigt die Arbeit, welches Potenzial in der neuen Technologie steckt.
Denn wenn Computer künftig einen Teil der aufwendigen Videoauswertung übernehmen, könnten Fachkräfte entlastet und Schäden schneller entdeckt werden.
Eine bekannte Firma aus Dermbach und eine Idee für die Zukunft
Der Name Kummetat ist in der Region alles andere als unbekannt.
Die Firma Kummetat aus Dermbach ist vielen Menschen in der Rhön ein Begriff. Das Unternehmen ist ein wichtiger regionaler Arbeitgeber und beschäftigt zahlreiche Menschen.
Für seine Forschungsarbeit konnte Erik Kummetat auch auf Bildmaterial aus der Praxis zurückgreifen. Die Firma M. Kummetat GmbH & Co. KG stellte dafür umfangreiche Aufnahmen von Kanaluntersuchungen zur Verfügung.
Damit verbindet die Arbeit wissenschaftliche Forschung mit einer Aufgabe, die im Berufsalltag tatsächlich vorkommt.
Die Auszeichnung beim Thüringer KI-Forum zeigt, dass auch junge Menschen aus unserer Heimat bei modernen technischen Entwicklungen mitmischen können.
Schüler aus Schmalkalden entwickeln eine schlaue Mülltonne
Eine weitere Auszeichnung ging in die Nachbarschaft.
Schülerinnen und Schüler des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums in Schmalkalden erhielten im Rahmen von „Jugend forscht“ einen Sonderpreis des Thüringer Zentrums für Lernende Systeme und Robotik (TZLR) an der Technischen Universität Ilmenau.
Ihr Forschungsprojekt trägt den Namen „Autobin – Die Mülltonne, die für Dich denkt“.
Dabei beschäftigen sich die jungen Forscher mit einer Frage, die jeder aus dem Alltag kennt: Wohin gehört eigentlich welcher Müll?
Plastik, Papier, Verpackungen oder Restmüll – bei der richtigen Mülltrennung ist man sich nicht immer sicher.
Mit ihrem Projekt wollen die Schülerinnen und Schüler zeigen, wie moderne Robotertechnik dabei helfen kann, Abfälle besser zu sortieren und die Mülltrennung zu vereinfachen.
Eine Idee, die nicht nur technisch interessant ist, sondern auch der Umwelt zugutekommen könnte.
Roboter zum Anfassen beim KI-Forum in Erfurt
Beim 8. Thüringer KI-Forum konnten die Besucher außerdem erleben, was mit moderner Technik heute bereits möglich ist. In einer Ausstellung wurden 25 verschiedene Anwendungen der Künstlichen Intelligenz vorgestellt.
Zu sehen waren unter anderem menschenähnliche Roboter, technische Hilfen für Menschen mit Sehbehinderungen und Anwendungen aus der Medizin.
Erstmals gab es außerdem einen eigenen Bereich für junge Forscher, die sogenannte „AI Youth Zone“. Dort wurden ausgezeichnete Forschungsarbeiten aus Thüringen präsentiert.
Organisiert wurde die Veranstaltung von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen und dem Thüringer Zentrum für Lernende Systeme und Robotik.
Das gemeinsame Ziel: Neue Ideen sollen nicht nur an Hochschulen erforscht werden, sondern auch im Alltag und in Unternehmen zum Einsatz kommen.
Gute Ideen entstehen auch in unserer Heimat
Die Auszeichnungen für Erik Kummetat aus Dermbach und die Schülerinnen und Schüler aus Schmalkalden zeigen, dass spannende Forschung nicht nur in großen Städten stattfindet.
Ob ein Computer, der Schäden in Abwasserrohren erkennt, oder eine Mülltonne, die beim Sortieren helfen soll – hinter beiden Projekten stehen junge Menschen, die sich Gedanken über praktische Probleme machen und nach neuen Lösungen suchen.
Und vielleicht entstehen genau aus solchen Ideen eines Tages technische Helfer, die auch bei uns in der Rhön ganz selbstverständlich zum Alltag gehören.




