Gastbeitrag von Rüdiger Christ
Mit großem Interesse wurde am Freitag, dem 16. Oktober 2026, die Ausstellung „UNRUHE – Kennzeichen der Gegenwart“ im alfi-museum Fischbach eröffnet.
Im Mittelpunkt stehen Werke des Sonneberger Künstlers Karl Kassel (1918–2006), dessen beruflicher und künstlerischer Lebensweg eng mit der Porzellan- und Keramikgestaltung sowie der künstlerischen Ausbildung in Sonneberg verbunden war.
Bereits zur Ausstellungseröffnung nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, sich mit den Arbeiten des Künstlers vertraut zu machen. Die Mitarbeiter des Museums waren gefragt, Auskünfte zu den Exponaten und zum Leben und Schaffen Karl Kassels zu geben.
Ein Künstler mit engen Verbindungen zu Sonneberg
Karl Kassel wurde 1918 in Asch, dem heutigen Aš in Tschechien, geboren. Nach einer Ausbildung zum Porzellanmaler von 1933 bis 1937 arbeitete er zunächst bei der Firma Göbel in Oeslau, dem heutigen Rödental.
Von 1941 bis 1943 studierte er an der Staatlichen Fachschule für Porzellanindustrie in Selb und erwarb dort das Diplom der Meisterschule in der Abteilung Malerei.
Nach weiteren beruflichen Stationen wurde Kassel 1946 Lehrer an der Staatlichen Industrieschule in Sonneberg. Dort vermittelte er Kenntnisse in Malerei, Grafik sowie in der Gestaltung von Porzellan und Keramik. Damit war er über seine eigene künstlerische Arbeit hinaus auch an der Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses beteiligt.
1960 übernahm Kassel eine Dozententätigkeit für Dekorgestaltung an der Ingenieurschule Hermsdorf. 1965 erwarb er ein Diplom für Keramische Gestaltung an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee.
Von 1965 bis 1983 leitete er die Betriebsakademie der Vereinigten Porzellanwerke Sonneberg, später VEB EKS. Anschließend arbeitete er freiberuflich als Künstler. Karl Kassel starb 2006 in Sonneberg.
Sein Lebensweg verdeutlicht die Verbindung von handwerklicher Ausbildung, künstlerischer Weiterbildung, Lehre und eigenständigem Schaffen, die seine Arbeit über Jahrzehnte prägte.
Zwischen freier Kunst und Porzellangestaltung
Die Ausstellung in Fischbach macht die Vielseitigkeit des Künstlers anhand unterschiedlicher Arbeiten sichtbar. Neben Gemälden und grafischen Arbeiten ist auch handbemaltes Porzellan zu sehen.
Ein besonderer Blickfang ist das titelgebende Werk „UNRUHE“ aus dem Jahr 1991. Die geometrisch geprägte Komposition mit kräftigen Blau-, Gelb-, Rot- und Violetttönen sowie markanten schwarzen Linien vermittelt einen spannungsreichen Eindruck.
Der Titel lädt dazu ein, über Unruhe als Kennzeichen gesellschaftlicher und persönlicher Gegenwartserfahrungen nachzudenken.
Einen anderen Zugang zu Kassels Schaffen eröffnet eine von ihm handbemalte Porzellanplatte mit einem Blumenmotiv.
Sie zeigt die gestalterische Präzision und den Umgang mit Farbe und Material, die für seine Ausbildung und berufliche Tätigkeit in der Porzellangestaltung von Bedeutung waren.
Auch die Werke „Oberlind“ und „Sternwarte Sonneberg“ sind in der Ausstellung vertreten. Sie stellen einen unmittelbaren Bezug zur Heimatregion des Künstlers her und dürften insbesondere Besucher aus Sonneberg und Umgebung ansprechen.
Von Sonneberg nach Fischbach
Dass die Arbeiten Karl Kassels nun im alfi-museum gezeigt werden, geht auch auf die Initiative seiner Tochter Karin Weber zurück, die in Föritztal bei Sonneberg lebt. Sie hatte bereits vor mehr als einem Jahr Kontakt zum Museum aufgenommen. Aus diesem Austausch entwickelte sich die Idee, ausgewählte Werke ihres Vaters in Fischbach zu präsentieren.
So verbindet die Ausstellung zwei Regionen Thüringens und macht das Schaffen eines Künstlers zugänglich, dessen beruflicher Werdegang eng mit der Geschichte der Porzellan- und Keramikgestaltung in Sonneberg verknüpft ist.
Die Schau bietet Gelegenheit, Karl Kassel nicht nur als Porzellanmaler und Gestalter, sondern auch als Maler und eigenständigen Künstler kennenzulernen.
Zugleich regt sie dazu an, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Kunst gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift und über ihre Entstehungszeit hinaus zum Nachdenken anregen kann.
Ein Besuch der Ausstellung im alfi-museum Fischbach lohnt sich daher sowohl für Kunstinteressierte als auch für Menschen, die sich für die Kulturgeschichte Sonnebergs und der Thüringer Region interessieren.
Ausstellungsort: alfi-museum, Bergstraße 5, 36452 Kaltennordheim, Ortsteil Fischbach/Rhön. Informationen zu Öffnungszeiten und Eintritt sind über die Besucherinformation des Museums erhältlich.



