Gastbeitrag von Julia Otto
Mit einem eindringlichen Aufruf gegen die Angst und für den Wert jedes Menschen hat Pfarrer Karl Weber den Festgottesdienst zum Reformationstag in Luther-Stammort Möhra geprägt.
Am Samstag, dem 31. Oktober, strömten erneut Tausende Besucher in den Lutherort. Der Reformationsmarkt von 10 bis 17 Uhr, rund 100 Stände in Straßen und Höfen sowie ein Benefizkonzert machten das Dorf zum Treffpunkt der Region.
„Wir selbst tragen auch ein Preisschild.“ Mit diesem Satz eröffnete Pfarrer Karl Weber seine Predigt auf dem vollen Lutherplatz. Auf einem Markt bekommen Waren ein Preisschild. Auch Menschen kennen das Gefühl, nach Erfolg im Beruf, dem Kontostand oder der Anerkennung durch andere bewertet zu werden. Doch die Botschaft Jesu laute: „Fürchte dich nicht.“
Um 13 Uhr begann der Festgottesdienst auf dem Lutherplatz. Die Liturgie übernahm Pfarrer Martin Weber, die Predigt hielt Pfarrer Karl Weber.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Schweina unter Leitung von Kreiskantor Damian Poloczek. Die Gemeinde sang unter anderem „In dir ist Freude“ und „Ein feste Burg ist unser Gott“ – für Karl Weber der „Schlager des Tages“. Auch Bürgermeister Klaus Bohl nahm am Gottesdienst teil.
In seiner Predigt erinnerte Karl Weber an Martin Luthers eigene Ängste und dessen Entdeckung, dass Gottes Gnade ein Geschenk ist und keine Leistung, die man sich verdienen muss.
Auch heute werde Angst geschürt, etwa in sozialen Medien und politischen Debatten. Umso wichtiger seien Orte der Begegnung, des Gesprächs und des Zuhörens. Seine Botschaft zum Schluss: „Du bist mehr wert als viele Spatzen. Du bist gezählt. Fürchte dich nicht.“
Rund 100 Stände in Straßen und Höfen
Von 10 bis 17 Uhr lud der Reformationsmarkt zum Bummeln und Entdecken ein. An rund 100 Ständen gab es kulinarische Angebote, handgefertigte Waren, Trödel sowie Einblicke in die Tierzucht.
Zahlreiche Einwohner beteiligten sich am Marktgeschehen, öffneten ihre Höfe und halfen tatkräftig mit. Auch die Feuerwehr war im Einsatz und sorgte für Ordnung und einen reibungslosen Ablauf.
Zum neunten Mal wurde der Markt von der Marktagentur Mörstedt organisiert. Auch Hannes Knott, Stellvertreter des Bürgermeisters unterstützte das Marktgeschehen an einem Stand in der Türkstraße 2.
Benefizkonzert berührt die Besucher
Zu einem weiteren Höhepunkt hatte die Kirchgemeinde um 14.30 Uhr in die Lutherkirche eingeladen: Der Chor „Herztöne“ aus Kieselbach sang zugunsten des stationären Hospizes St. Wendel.
Diana Engelhardt begrüßte die Gäste im Namen des Chores in der gut gefüllten Kirche und gab einen kurzen Einblick in das musikalische Programm: „Gerade die Musik vermag es, solche Momente einzufangen. Sie kann Erinnerungen wecken und Freude schenken, trösten und zum Träumen einladen. Sie verbindet Menschen miteinander, ganz gleich, wie alt sie sind.“
Für die Besucher hatten die Mitwirkenden einen bunten musikalischen Herbststrauß zusammengestellt.
Die Reise führte von vertrauten Volksliedern über Thüringer Heimat- und Wanderlieder bis hin zu deutschen und englischsprachigen Songs. Mal besinnlich, mal beschwingt, mal zum Erinnern und Mitsummen.
Unter der Leitung von Beate Bach erklangen die Lieder in unterschiedlichen musikalischen Besetzungen. Neben dem Chor sorgten ein Akkordeon-Duo, Orgelklänge sowie das Zusammenspiel von Violine und Klavier und von Akkordeon und Klavier für abwechslungsreiche musikalische Momente.
Die kleinen und großen Mitwirkenden verstanden es, die Herzen der Zuhörer zu berühren. Es gab Gänsehautmomente und lang anhaltenden Applaus. Bei vielen bekannten Melodien wurde leise mitgesungen oder mitgeklatscht.
Auch der Benefizgedanke fand großen Zuspruch: Rund 700 Euro an Spenden kamen im Rahmen des Konzerts zusammen. Die Kirchengemeinde stockt den Betrag auf 1.000 Euro auf, die dem stationären Hospiz St. Wendel in Bad Salzungen zugutekommen.









