Ein alter Apfelbaum braucht mehr als Sonne, Regen und ein bisschen Glück. Er muss geschnitten, gepflegt und manchmal auch von Misteln befreit werden.
Vor allem aber braucht es Menschen, die wissen, was zu tun ist. Genau diese Menschen sollen in der Rhön weiterhin ausgebildet werden.
Die Rhöner Apfelinitiative e. V. und die Verwaltungen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön starten deshalb im Herbst in einer zweiten Runde eine zweijährige Ausbildung zum Baumwart beziehungsweise zur Baumwartin. 15 Interessierte können sich für diese Ausbildung bewerben.
Denn die Streuobstwiesen der Rhön stehen unter Druck. Viele Bäume sind alt und pflegebedürftig, manche Bestände von Misteln befallen. Gleichzeitig fehlt es zunehmend an Menschen, die ihr Wissen über den fachgerechten Umgang mit den Bäumen weitergeben können.
„Im Aufbau einer weiteren Generation von Baumwartinnen und Baumwarten sehen wir eine Chance, den als immaterielles Kulturgut anerkannten Streuobstanbau im UNESCO-Biosphärenreservat langfristig zu erhalten“, sagt Dr. Doris Pokorny, Leiterin der Bayerischen Verwaltungsstelle, die federführend und gemeinsam mit den Verwaltungsstellen in Hessen und Thüringen, die Ausbildung unterstützt.
Diese ist dabei deutlich mehr als ein Kurs im Obstbaumschnitt. Über zwei Vegetationsperioden lernen die Teilnehmer, wie alte Obstbäume fachgerecht geschnitten und junge Bäume erzogen werden.
Auch Baumgesundheit, Sommerschnitt, Veredelung, die Anlage und Instandsetzung von Streuobstwiesen sowie Pomologie – also die Lehre von den Obstsorten – gehören dazu.
Insgesamt umfasst die Ausbildung 150 Stunden an neun Wochenenden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind dafür in allen drei Bundesländern des Biosphärenreservats unterwegs: Bayern, Hessen und Thüringen. Der erste Termin findet am 31. Oktober 2026 statt, die Prüfung ist für April 2028 geplant.
Antje Gottbehüt, Geschäftsführerin der Rhöner Apfelinitiative, kennt die Herausforderungen aus ihrer täglichen Arbeit: „Viele der heutigen Bestände sind überaltert und pflegebedürftig. Noch dazu zieht sich die ältere Generation der Besitzer mehr und mehr zurück, und den Nachrückenden fehlt es oft an grundlegendem Wissen.“
Die neuen Baumwartinnen und Baumwart sollen deshalb nicht nur selbst Hand anlegen. Sie sollen langfristig Teil eines länderübergreifenden Netzwerks werden, sich gegenseitig unterstützen und ihr Wissen weitergeben.
So könnte aus einzelnen gut gepflegten Streuobstbeständen ein starkes Netzwerk für die gesamte Rhön entstehen.
Die Ausbildung wird von den Verwaltungen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön mitfinanziert. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bleibt ein Eigenanteil von 1.000 Euro.
Bewerben können sich nicht nur Besitzerinnen oder Bewirtschafter von Streuobstwiesen, sondern alle, die sich künftig im Streuobstbau oder in der Baumpflege (beruflich oder ehrenamtlich) engagieren möchten. Wichtig zu wissen: Die Arbeit am Baum ist körperlich anspruchsvoll.
Wer dabei sein möchte, kann sich noch bis zum 1. Oktober 2026 bewerben. Die Bewerbung sollte eine kurze persönliche Vorstellung und die Motivation für die Teilnahme enthalten.
Bewerbungen nimmt die Rhöner Apfelinitiative e. V., Eisenacher Straße 24, 36115 Ehrenberg-Seiferts, oder per E-Mail an apfelbuero@rhoenerlebnis.de entgegen.
Fragen beantwortet Antje Gottbehüt unter 0176 98580604 oder schwanke.antje@googlemail.com.



