Mit spitzer Feder – Joachim Jochum zwischen Zwickau, Unternehmertum & Karikatur

Beitrag von Martin Veltum

Das Augenlicht fast verloren – und eine neue Liebe gewonnen - Schicksalsschläge können Dinge hervorbringen, die man selbst kaum für möglich gehalten hätte.

Für Joachim Jochum wurde eine schwere Erkrankung zu einem Wendepunkt. Der gebürtige Rhöner, der heute in Zwickau lebt und als Unternehmer tätig ist, hat in der Karikatur eine neue Ausdrucksform gefunden.

Mit spitzer Feder verarbeitet er persönliche Erlebnisse, politische Entwicklungen, gesellschaftliche Themen und alltägliche Beobachtungen. Seine Zeichnungen sind humorvoll, manchmal bissig und häufig mit einer überraschenden Pointe versehen.

Doch trotz seines heutigen Lebensmittelpunkts in Sachsen ist die Verbindung zur Rhön geblieben. Jochum ist unweit der Wasserkuppe aufgewachsen. Die Landschaft, die Menschen und die familiären Wurzeln in der Region prägen ihn bis heute.

Die Rhön bleibt ein Teil seiner Geschichte

Eine besondere Verbindung zur Heimat besteht über seine Familie. Seine 98-jährige Oma lebt in Borsch bei Geisa. Ihre Lebenssituation wurde für Jochum selbst zur Inspiration für mehrere Karikaturen zum Thema „Mobilität im Alter“.

Dank eines Elektromobils kann sie sich auch im hohen Alter ein Stück Selbstständigkeit bewahren. Für Jochum zeigt sich darin, wie wichtig Mobilität und Eigenständigkeit für die Lebensqualität älterer Menschen sind.

Aus einer persönlichen Beobachtung wurde so ein gesellschaftliches Thema – typisch für die Arbeitsweise des Karikaturisten.
Auch seine Leidenschaft für das Gleitschirmfliegen verbindet ihn mit der Rhön. Unweit der Wasserkuppe aufgewachsen, hat ihn das Segelfliegen schon immer fasziniert – letztlich wurde es eine Gleitschirmausbildung im Studienort Jena.

25 Jahre Gesundheitswesen liefern reichlich Stoff

Beruflich blickt Jochum auf rund 25 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen zurück. Besonders seine Tätigkeit im Bereich der Radiologie findet sich heute immer wieder in seinen Zeichnungen.

Dabei nimmt er den Arbeitsalltag mit Humor aufs Korn. So kann beim Röntgen eines Frosches neben der wartenden Prinzessin plötzlich ein Prinz mit Krone auf dem Bildschirm zum Vorschein kommen.

Auch die Arbeit von Radiologieassistentinnen wird auf humorvolle Weise dargestellt. In einer Karikatur perfektioniert beispielsweise ein Oktopus das Multitasking – eine augenzwinkernde Anspielung auf die vielfältigen Anforderungen im Berufsalltag.

Doch Jochum bleibt nicht an der Oberfläche. Seine langjährigen Beobachtungen im Gesundheitswesen verarbeitet er auch in einer Karikatursammlung zu gesellschaftlich schwierigen Themen.

Dazu gehören Machtmissbrauch und Diskriminierung in einem stark von Hierarchien geprägten deutschen Gesundheitssystem. Die Karikatur wird dabei zum Mittel, um Dinge sichtbar zu machen, über die ansonsten häufig nicht gesprochen wird.

Wenn Frösche Politik machen

In zahlreichen aktuellen Karikaturen sind Frösche die Protagonisten. Sie treten in den unterschiedlichsten Rollen auf und kommentieren politische wie gesellschaftliche Entwicklungen.

Wenn die Tagespolitik in Berlin aufs Korn genommen wird, können beispielsweise Geier über dem Kanzleramt kreisen. Andere Zeichnungen beschäftigen sich mit Berufsperspektiven für junge Menschen oder mit alltäglichen Situationen.

Der Frosch ermöglicht dabei eine humorvolle Distanz zum eigentlichen Thema. Hinter der scheinbar lustigen Szene steckt häufig eine gesellschaftliche Beobachtung.

Begegnungen werden zu Zeichnungen

Jochum lässt sich von seinem Alltag inspirieren. Er beobachtet, sammelt Eindrücke und verarbeitet diese später zeichnerisch.

So wurde auch ein kurzer persönlicher Austausch mit Staatssekretär Philipp Amthor während der Sächsischen Innovationskonferenz in Dresden zur Vorlage für eine Karikatur.

Während Jochum tagsüber in seiner Rolle als Unternehmer mit Amthor ins Gespräch kam, wurde die Begegnung am Abend bereits künstlerisch verarbeitet – in einer leicht bissig-überspitzten Zeichnung des Staatssekretärs.

Es zeigt, wie eng bei Jochum Alltag, Unternehmertum und Kunst inzwischen miteinander verbunden sind.

Aktuell arbeitet er an einer Kunst-Parodie-Serie, bei der menschliche Protagonisten in populären Gemälden durch Frösche ersetzt werden. Neben Karikaturen und Comics sollen auch diese in einer Galerie-Ausstellung gezeigt werden.

„Jetzt erst recht“

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund eines schweren gesundheitlichen Schicksalsschlags.
Nach einer großen Netzhautablösung war lange ungewiss, ob Jochum sein Augenlicht behalten würde.

Drei Operationen waren notwendig. In dieser Situation hätte es nahegelegen, das Zeichnen aufzugeben. Doch Jochum entschied sich für das Gegenteil.

„Jetzt erst recht“ lautet seine Haltung. Selbst während seines Krankenhausaufenthalts entstanden neue Zeichnungen – heimlich und verborgen vor den wachsamen Augen des Pflegepersonals, obwohl eigentlich vollständige Schonung angesagt war.

Die Karikatur wurde für ihn zu einer Form, Gedanken zu verarbeiten und gleichzeitig Hoffnung und Zuversicht zu bewahren.

Familie als Quelle der Inspiration

Eine besondere Rolle spielt dabei sein achtjähriger Sohn. Wenn beispielsweise zwei Piraten-Frösche ein Kreuzfahrtschiff entern, entsteht aus einer kleinen Idee eine Geschichte, die vor allem eines vermittelt: Lebensfreude.

Gerade während seiner schwierigen Krankheitsphase waren solche Momente für Jochum eine Art persönliche Medizin.

Denn wer weiß schon, wie lange das eigene Augenlicht ein solches Hobby zulässt? Umso wichtiger ist es für Jochum, die Freude am Zeichnen jetzt zu leben.

Unterstützung aus der Rhön und aus Zwickau

Auf seinem Weg zum eigenen Karikaturstil erhält Jochum Unterstützung von verschiedenen Menschen.

Eine wichtige Rolle spielt sein Mentor Tino Helbig, ein in Zwickau ansässiger und überregional etablierter Künstler. Helbig wurde für sein ehrenamtliches Engagement sowohl vom Bundespräsidenten als auch vom sächsischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet.

Gemeinsam verfolgen die beiden auch ehrenamtliche und künstlerische Projekte.

Während seiner Krankheitsphase war zudem seine Tante Claudia aus Bermbach eine wichtige Unterstützung. Die ehemalige Lehrerin des Gymnasiums Vacha engagiert sich ebenfalls für Projekte zur Demokratieförderung im Wartburgkreis.

Für die Weiterentwicklung seines persönlichen Zeichenstils ist darüber hinaus der regelmäßige Austausch mit professionellen Karikaturisten hilfreich. Dazu gehört beispielsweise Katharina Greve, die unter anderem für große überregionale Tageszeitungen zeichnet.

Die Rhön im Herzen

Heute lebt Joachim Jochum in Zwickau und verbindet dort seine Tätigkeit als Unternehmer mit seiner künstlerischen Arbeit. Seine Wurzeln liegen jedoch weiterhin in der Rhön.

Die Wasserkuppe, seine Familie in Borsch und die Verbindungen nach Wiesenfeld und Bermbach sind Teil seiner persönlichen Geschichte.

So ist die Entfernung zwischen Zwickau und der Rhön zwar geografisch groß, emotional scheint sie für Jochum deutlich kleiner zu sein.
Vielleicht erklärt genau diese Verbindung auch seinen besonderen Blick auf Menschen und Situationen: geprägt von der Heimat, offen für neue Perspektiven und immer auf der Suche nach einer Pointe.

Vom Gesundheitswesen zum Unternehmer und Karikaturisten

Joachim Jochum hat einen ungewöhnlichen Weg genommen. Rund 25 Jahre Gesundheitswesen, heute Unternehmer und gleichzeitig Karikaturist – dazwischen ein schwerer gesundheitlicher Schicksalsschlag, der seinen Blick auf das Leben verändert hat.

Seine Zeichnungen erzählen von Gesundheit und Krankheit, Politik und Gesellschaft, Familie und Alter, Arbeit und Alltag.
Und immer wieder tauchen Frösche auf.

Mal sind sie Patienten, mal Politiker, mal Piraten oder einfach Beobachter einer Welt, die manchmal selbst ziemlich absurd erscheint.
„Das Augenlicht fast verloren – und eine Liebe gewonnen“ könnte deshalb über seiner persönlichen Entwicklung stehen. Denn aus einer schweren Lebensphase ist eine neue Leidenschaft entstanden.

Eine Leidenschaft, die Joachim Jochum heute mit viel Humor, Kreativität und einer gehörigen Portion Rhöner Bodenständigkeit lebt.
Die Rhön im Herzen – und den Stift in der Hand.

Zu sehen sind seine Werke auf dem Instagram-Kanal artelion_ und auf dem WhatsApp-Kanal Artélion.