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„Offene Ateliers“ in Thüringen: Florian Hoberg zeigt seine Kunst in Merkers

Kunst muss nicht immer in einer Galerie stattfinden. Manchmal findet man sie dort, wo früher Pferde standen, zwischen alten Möbeln, rustikalen Dekorationsstücken und viel Grün.

Gastbeitrag von Rüdiger Christ

Kunst muss nicht immer in einer Galerie stattfinden. Manchmal findet man sie dort, wo früher Pferde standen, zwischen alten Möbeln, rustikalen Dekorationsstücken und viel Grün.

Genau das konnten Besucher am vergangenen Wochenende in Merkers erleben. Zum thüringenweiten Aktionstag „Offene Ateliers“ öffnete der Holzbildhauer und Künstler Florian Hoberg die Türen seines Ateliers auf einem ehemaligen Bauernhof.

Am 19. und 20. September lud der Verband Bildender Künstler Thüringen (VBK) bereits zum traditionellen Wochenende der „Offenen Ateliers“ ein.

Florian Hoberg in seiner Werkstatt

Künstlerinnen und Künstler im ganzen Freistaat öffneten ihre Arbeitsräume und ermöglichten Besuchern einen unmittelbaren Blick auf ihre Werke und ihre Arbeitswelt.

Florian Hoberg ist dabei ein noch junges, aber keineswegs unbekanntes Mitglied der Thüringer Kunstszene. Der 1997 in Eisenach geborene Holzbildhauer und Holzbildhauermeister arbeitet und lebt in Merkers und ist seit Mai 2026 Mitglied im Verband Bildender Künstler Thüringen.

Zugleich ist er Ausbilder an der Schnitzschule Empfertshausen im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und nach seinen Angaben derzeit das erste und bislang einzige VBK-Mitglied aus dem Wartburgkreis.

„Krempel“

Wo früher Pferde standen, entstehen heute Kunstwerke

Wer den Hof betritt, lässt die viel befahrene Hauptstraße von Merkers schnell hinter sich. Viel Grün, historische Gebäude und ein liebevoll gestaltetes Hofensemble vermitteln den Eindruck einer kleinen grünen Insel mitten im Ort.

Gemeinsam mit seinen Vermietern hat Florian Hoberg den ehemaligen Bauernhof Schritt für Schritt umgestaltet. Im früheren Pferdestall entstand eine kleine Werkstatt, in der der Künstler in seiner Freizeit seine Ideen verwirklicht. Im Obergeschoss sind seine fertigen Arbeiten ausgestellt.

Dabei treffen zwei Welten aufeinander: Hobergs zeitgenössische Kunst und die rustikale Sammlung seiner Vermieter. Alte Möbel, Dekorationsstücke und allerlei Kuriositäten laden zum Stöbern ein. Der Name „Kunst & Krempel-Hof“ passt deshalb durchaus zum ungewöhnlichen Konzept.

Und so kamen an diesem Wochenende nicht nur ausgesprochene Kunstfreunde auf den Hof. Auch Liebhaber von alten Dingen, Kuriositäten und „Ramsch und Krempel“ fanden hier manches Interessante.

Florian Hoberg mit seinem Meisterstück „Schwarzer Panther“

Ausdrucksstarke Tiere aus Holz

Im Mittelpunkt standen jedoch die Arbeiten des Künstlers. Hoberg wagt derzeit zunehmend den Schritt vom traditionellen Holzbildhauerhandwerk hin zur freien Kunst. Besonders beschäftigen ihn expressive Tierplastiken aus Holz sowie Kohlezeichnungen auf Papier.

Seine Arbeiten entstehen nicht nach einem streng vorgegebenen Schema. Vielmehr geht es ihm um Bewegung, Ausdruck und Emotion. „Bewegungen sind auch immer Emotionen“, beschreibt Hoberg seinen künstlerischen Ansatz.

Eine Arbeit dürfte dabei gerade Besuchern aus der Rhön besonders aufgefallen sein: „Schaf und Wolf“.

Die expressive Holzplastik nimmt ein Thema auf, das die Region seit Jahren beschäftigt – die Konflikte zwischen Wolf und Weidetierhaltung. Hoberg übersetzt diese aktuelle Thematik in eine ausdrucksstarke künstlerische Form.

„Schaf und Wolf“

Vom Schnitzhandwerk zur freien Kunst

Seinen Weg zum Künstler begann Hoberg mit einer gestalterischen Ausbildung. Nach der Fachoberschule Gestaltung und einer Ausbildung zum Gestaltungstechnischen Assistenten in Erfurt absolvierte er ab 2017 seine Ausbildung zum Holzbildhauer an der Schnitzschule Empfertshausen. 2020 legte er die Gesellenprüfung ab, 2022 folgte der Meisterabschluss.

Bereits während dieser Zeit sammelte er Erfahrungen bei Ausstellungen, Symposien und internationalen Wettbewerben. Besonders erfolgreich war er bei verschiedenen Snow-Sculpting-Veranstaltungen.

2018 erreichte er beim World Snow Festival in Südtirol den sechsten Platz, 2019 folgte ein dritter Platz beim Snow Festival in den Dolomiten.

2022 gewann er das Snow Festival in Grindelwald in der Schweiz. Auch 2025 war er dort erfolgreich und erreichte den zweiten Platz im Publikumsvoting sowie den dritten Platz im Juryvoting.

Hinzu kamen Ausstellungen unter anderem in Arnstadt, Ilmenau, Mellrichstadt und Bad Gastein sowie wiederholte Teilnahmen an den Holzbildhauersymposien in Empfertshausen.

Seit 2025 gibt Hoberg sein Wissen auch als Ausbilder an der Schnitzschule Empfertshausen beziehungsweise am SBBZ Bad Salzungen weiter.

Ein Künstler auf dem Weg zu neuen Ausdrucksformen

Mit der Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler Thüringen hat Hoberg in diesem Jahr einen weiteren Schritt auf seinem künstlerischen Weg gemacht. Dabei bleibt das Holz für ihn ein wichtiges Material, wird aber zunehmend zum Medium für einen eigenen, expressiven Ausdruck.

Das war auch bei den „Offenen Ateliers“ deutlich zu erkennen. Besucher konnten nicht nur fertige Arbeiten betrachten, sondern zugleich einen Blick auf den Ort werfen, an dem neue Ideen entstehen.

Für Hoberg war das Wochenende deshalb auch eine Gelegenheit zum persönlichen Austausch. „Ich freue mich auf tolle Gespräche mit den zahlreichen Gästen und eine schöne Atmosphäre“, hatte er im Vorfeld angekündigt.

Nächster Termin: artthür

Lange Zeit zum Ausruhen bleibt dem Künstler nicht. Im November steht mit der artthür, Thüringens großer Kunstmesse, der nächste wichtige Termin auf seinem Kalender. Parallel dazu ist eine weitere Ausstellung in Mellrichstadt geplant.

Für diese Termine kann Hoberg auf die Unterstützung seiner Freunde zählen. „Da bin ich froh, dass meine Freunde mich unterstützen und in Mellrichstadt bei der Ausstellungseröffnung vor Ort sind, um mich zu vertreten“, berichtet der Künstler.

Der Hof soll weiter geöffnet bleiben

Die beiden Tage der „Offenen Ateliers“ könnten dabei erst der Anfang gewesen sein. Der Kunst-&-Krempel-Hof in Merkers soll voraussichtlich künftig regelmäßig am zweiten Sonntag im Monat geöffnet sein.

Damit entsteht ein ungewöhnlicher Ort, an dem Kunst, traditionelles Handwerk, Geschichte und die Freude am Stöbern miteinander verbunden werden.

Wer den Hof besucht, findet neben den Arbeiten von Florian Hoberg auch Kaffee, Kuchen und viel Gelegenheit für persönliche Gespräche.

Parkplätze stehen am Jugendclub und an der Kirche im Dorfzentrum von Merkers zur Verfügung. Von dort ist der Hof in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar.

Kunst muss eben nicht immer hinter weißen Galeriewänden stattfinden. Manchmal beginnt sie dort, wo früher Pferde standen – und wo neben einer ausdrucksstarken Holzplastik auch noch ein altes Möbelstück auf einen neuen Liebhaber wartet.

„Im November steht noch eine Ausstellung an, parallel zur Kunstmesse, da bin ich froh das meine Freunde mich unterstützen und in Mellrichstadt zur Ausstellungseröffnung vor Ort sind um mich zu Vertreten.“

Blick in den Hof