Gastbeitrag von Julia Otto
Ein Gottesdienst mit Gästen aus Amerika, die Öffnung einer historischen Zeitkapsel und schließlich die Rückkehr der restaurierten Turmzier auf die Kirchturmspitze: In der evangelischen Kirche in Klings haben sich in diesem Sommer Geschichte, Gegenwart und Zukunft auf besondere Weise verbunden.
Nach der Restaurierung wurden Turmknopf, Wetterfahne und drei Zeitkapseln am 17. September wieder auf dem Kirchturm angebracht.
Bereits am 14. Juni hatte die Kirchgemeinde zu einem besonderen Gottesdienst eingeladen. Rund 30 Mitglieder einer Reisegruppe aus den USA sowie rund 200 weitere Gäste waren zu Gast in der Ev. Kirche in Klings.
Video von der Gemeinde Klings
Die Gruppe war nach Deutschland gekommen, um sich auf die Spuren ihrer Vorfahren und ihrer familiären Herkunft zu begeben. Im Gottesdienst, in dessen Rahmen auch eine Taufe stattfand, erhielten die Gäste Einblicke in die Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde und des Dorfes Klings.
Dabei ging es auch um frühere Auswanderungen aus der Region und die Nachfahren der Menschen, die ihre Heimat einst verlassen hatten.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Kaltennordheim und von Peter Schönherr an der Orgel gestaltet. Die Predigt hielt Pfarrerin Elisabeth Eschweiler.
Im Anschluss wurde die Zeitkapsel geöffnet, die bei früheren Arbeiten am Kirchturm hinterlegt worden war. Die Turmzier selbst war bereits am 3. Juni 2026 vom Turm genommen worden.
Ein weiterer Höhepunkt folgte am 6. September mit einem Festgottesdienst zur Einsegnung und Indienstnahme der restaurierten Turmzier.
Rund 45 Menschen kamen dazu in die Kirche. Pfarrer Dr. Detlef Metz aus Empfertshausen nahm in seiner Predigt Bezug auf Jeremia 36,1 bis 28 und stellte die Zeitkapsel in einen größeren Zusammenhang: Menschen halten darin fest, was ihre Zeit bewegt, damit spätere Generationen davon erfahren können.
Die historischen Dokumente in der Klingser Zeitkapsel stammen unter anderem aus den Jahren 1879, 1958 und 1974. Sie berichten vom kirchlichen Leben und von den gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer jeweiligen Zeit.
Enthalten sind unter anderem handschriftliche Aufzeichnungen zur Geschichte der Kirche, Berichte über Taufen und Trauungen, zur alten Schule und zu Ereignissen im Dorf. Auch die politischen und kirchlichen Verhältnisse der DDR-Zeit sind dokumentiert.
„Die Gemeinde Jesu Christi hat eine Geschichte. Sie geht durch die Zeit, durch die Zeiten, die ganz verschiedene Umstände prägen“, sagte Pfarrer Metz in seiner Predigt.
Zugleich verwies er auf die christliche Hoffnung, dass Gott Menschen durch diese wechselnden Zeiten begleitet. Die Zeitkapsel werde so zu einem Zeugnis dafür, was vergangene Generationen beschäftigt habe und was sie den kommenden Generationen hinterlassen wollten.
In die neuen Zeitkapseln kamen deshalb ebenfalls viele aktuelle und auch zurückliegende Ereignisse der letzten Jahrzehnte, die die Stadt Kaltennordheim, Diethardt und Elfi Matthes, die Vereine von Klings sowie die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stellten.
Das Buch „Von Clingison bis Klings – ein Streifzug durch die Geschichte 869 bis 1969“, eine aktuelle Tageszeitung, eine Ausgabe von „Glaube+Heimat“, die Jahreschronik, Bilder von der Innen- und Außensanierung der Kirche sowie ein aktuelles Kirchenblättchen fanden ihren Platz in den neuen Zeitkapseln.
Auch Pfarrer Metz verfasste einen Bericht über die heutige Situation der Kirchgemeinde.
Am 17. September war es schließlich so weit: Bei sonnigem, wenn auch windigem Wetter ging es für die Handwerker hoch hinauf auf den Kirchturm.
Die durch Birgit Jünger aus Hümpfershausen restaurierte Wetterfahne und der Turmknopf sowie die drei Zeitkapseln – zwei davon wurden von Enrico Heim und Stefan Schmidt, Geschäftsführer der E. Heim Bedachung GmbH aus Kaltennordheim, angefertigt und der Kirchgemeinde Klings gespendet – wurden wieder an ihrem ursprünglichen Platz montiert.
Vom Friedhof aus verfolgten Einwohnerinnen und Einwohner sowie Kinder aus dem Kindergarten gespannt die Arbeiten. Ausgeführt wurden die Arbeiten von Dachdeckern der Firma Manfred Oeser aus Brotterode.
Beteiligt waren unter anderem Heiko Reinau, Mitarbeiter des Metall- und Ladenbaus Thomas Nelitz aus Diedorf, Frank Hössel aus Kaltenlengsfeld, außerdem die Mitglieder des Gemeindekirchenrates Renate Günther und Annette Günther, Pfarrer Detlef Metz, Architektin und Bauleiterin Heide Lochner sowie Uwe Reum, Geschäftsführer der Tischlerei Reum aus Breitungen.
Die Tischlerei fertigte die neuen Schallluken und die Rundbogenfenster für den Kirchturm an. Das stark verwitterte Holz der alten Schallluken musste vollständig erneuert werden.
Die neue Konstruktion wurde nach denkmalpflegerischen Vorgaben gefertigt und mit einer entsprechenden Imprägnierung sowie Ölanstrichen geschützt.
Eine besondere technische Aufgabe ist die Ausrichtung der Lamellen. Sie stehen in einem Winkel von 45 Grad, damit der Schall der Glocken nach unten in den Ort geleitet wird.
„Sonst weht der Schall über den Ort hinweg und man hört die Glocken kaum“, erläuterte Uwe Reum von der Tischlerei Reum aus Breitungen.
Noch sind die Arbeiten am Turm nicht vollständig abgeschlossen. Der Blitzschutz muss an die neue Turmzier inklusive Kirchturmdach und Uhrengauben angeschlossen werden.
Außerdem stehen noch Verblechungsarbeiten an den Gauben und an den Fensterbänken der Schallluken aus. Eine besondere Herausforderung sind dabei die unterschiedlich großen Fensteröffnungen. Auch die Ziffernblätter für die Turmuhren liegen zum Einbau in die vier Uhrengauben bereit.
Nach der erfolgreichen Montage der Turmzier wurde auf dem Friedhof mit Eierlikör in Schokobechern auf das Gelingen angestoßen. Für Annette Günther, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, war die Rückkehr der Turmzier ein besonderer Moment.
Gemeinsam mit den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates hatte sie die Arbeiten und die damit verbundenen Vorbereitungen über die gesamte Zeit engagiert begleitet.
„Nicht alle Tage erlebt man, dass eine Turmzier wieder an ihren Platz kommt“, sagte sie. Mit der neuen Turmzier trägt der Klingser Kirchturm nun nicht nur seine Geschichte weiter.
In den drei Zeitkapseln liegen auch Zeugnisse der Gegenwart. Erst in vielen Jahren wird sich zeigen, wie Menschen dann auf das blicken werden, was in diesem Jahr in Klings festgehalten wurde.
Der Kirchturm bleibt damit ein sichtbares Zeichen über dem Dorf und zugleich ein Stück Erinnerung an die Menschen, die hier gelebt haben, heute leben und künftig hierher zurückblicken werden.












