Gastbeitrag von Lea Hohmann
Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen und prägen das Landschaftsbild im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön.
Doch sobald im Herbst die Früchte der regionalen Obstsorten reif sind, stellt sich vielerorts die Frage: Darf man einfach zugreifen, wenn die Bäume scheinbar frei zugänglich sind?
Auf gemeindeeigenen Flächen in der Thüringer Rhön herrscht nun mehr Klarheit darüber, welche Streuobstbäume zur Ernte freigegeben sind und wo für den Eigenbedarf gepflückt werden darf.
Die Thüringer Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und der Landschaftspflegeverband Thüringer Rhön e.V. haben gelbe und rote Schilder für die Wiesen entwickelt und den Gemeinden dafür kostenlos zur Verfügung gestellt.
Bereits im vergangenen Jahr beteiligten sich einige Gemeinden im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön an der bundesweiten Aktion „Gelbes Band“. Dabei werden Obstbäume mit einem gelben Band gekennzeichnet. Das Signal ist einfach: Hier darf Obst für den eigenen Bedarf geerntet werden.
Da es aber eine Herausforderung sein kann, jeden einzelnen Baum mit einem gelben Band zu markieren, haben die Thüringer Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und der Landschaftspflegeverband Thüringer Rhön e. V. Schilder entwickelt und den Gemeinden kostenlos zu Verfügung gestellt.
Auf den gelben Schildern steht: „Rettet das Obst! Hier darfst Du für den Eigenbedarf ernten – selbstverständlich in einem sorgfältigen Umgang mit den Bäumen“. Die roten Schilder symbolisieren den Eigenbedarf der Gemeinde: „Bitte nicht pflücken! Wir Bewirtschafter dieser Streuobstwiese hegen und pflegen unsere Bäume und möchten die Früchte unserer Arbeit selbst essen“.
Kommende Woche wird das Ausbringen der Schilder abgeschlossen sein. Auf der Karte sind die Streuobstwiesen der Gemeinden schon jetzt einsehbar, die sich an dieser Aktion beteiligen.
So zum Beispiel die Stadt Geisa, deren gelbes Schild an der Streuobstwiese in der Ulsteraue unterhalb der Stadtmauer feierlich mit Manuela Henkel (Bürgermeisterin), Julia Gombert (Geschäftsführerin Landschaftspflegeverband Thüringer Rhön e. V.) und Ulrike Schade (Dienststellenleiterin Thüringer Verwaltung UNESCO-Biosphärenreservat Rhön) stellvertretend für die beteiligten Gemeinden eingeweiht wurde.
Behutsam auf Streuobstwiesen umgehen
Beim Pflücken ist selbstverständlich ein behutsamer Umgang mit der Streuobstwiese und den Bäumen zu beachten. Schließlich ist dies ein besonderes Angebot der Gemeinden an Einheimische und Gäste, gute, gesunde und regionale Lebensmittel kostenfrei zu erhalten.
Zudem sind Streuobstwiesen wertvolle Biotope und Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, für deren Erhalt und Pflege Gemeinden, Ehrenamtliche und auch der Landschaftspflegeverband im ENL-Projekt „Geflügelte Vielfalt II“ viel Zeit, Arbeit und finanzielle Mittel investieren.
Bei der Ernte sollte auf unnötigen Lärm verzichtet werden, damit Vögel und andere Tiere nicht aufgeschreckt werden. Abfälle wie Plastikflaschen oder Verpackungen sollten selbstverständlich wieder mitgenommen und nicht in der Landschaft zurückgelassen werden.
Auch das Klettern auf den Obstbäumen ist tabu. Dabei können Äste und Zweige beschädigt werden. Nicht zuletzt dient der Verzicht auf das Klettern auch der eigenen Sicherheit. Äste oder Zweige dürfen keinesfalls abgebrochen oder abgesägt werden, um besser an die Früchte zu gelangen.
Und das Wichtigste: Das Obst sollte ausschließlich für den eigenen Bedarf geerntet werden. Ein gewerblicher oder umfangreicher Abtransport der Früchte ist untersagt.
Interesse mitzumachen?
Kommunale Einrichtungen, deren Streuobstflächen noch nicht mit Schildern versehen sind, können sich an den Landschaftspflegeverband oder die Biosphärenverwaltung wenden, um ebenfalls in die Karte aufgenommen zu werden und Schilder zu erhalten.
Auch private Streuobstwiesenbesitzer können bei der Aktion mitmachen. Die Schilder sind allerdings nur in begrenzter Auflage erhältlich.
Mehr über Streuobst erfahren
Wer mehr über Streuobstwiesen erfahren möchte, hat beim Streuobstfest im Sortengarten Dörrensolz am 27. September 2026 Gelegenheit dazu.
Darüber hinaus lohnt sich ein Blick in die Veranstaltungskalender des Biosphärenreservats und des Landschaftspflegeverbands Thüringer Rhön e.V..
Dort werden regelmäßig Schnitt- und Veredelungskurse sowie weitere Veranstaltungen rund um das Thema Streuobst angeboten.



