Gastbeitrag von Rüdiger Christ
Zu ihrem gemeinsamen Herbstfest hatten der CDU-Ortsverband Dermbach und der CDU-Kreisverband Wartburgkreis erneut in die Rhönlandscheune eingeladen.
Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kommunal- und Landespolitik sowie Mitglieder der CDU-Basis waren der Einladung gefolgt.
Felicitas Kotsch begrüßte die Gäste und hieß unter anderem den Landtagsabgeordneten Martin Henkel, den CDU-Kreisvorsitzenden und Landrat Dr. Michael Brodführer, Dermbachs Bürgermeister Thomas Hugk sowie die neu gewählte Bürgermeisterin der Krayenberggemeinde, Melanie Grob, willkommen.
Unter den Gästen waren außerdem Mitglieder des Kreistages, ehrenamtliche Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte sowie Ortsteilbürgermeister. Kotsch bezeichnete sie als „Leistungsträger der Kommunalpolitik“.
Altlandrat Reinhard Krebs konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Felicitas Kotsch übermittelte den Anwesenden seine Grüße.

Rückblick auf die Anfänge der CDU
Zum Auftakt erinnerte Kotsch an die Gründungsgeschichte der CDU und trug den Gründungsaufruf aus dem Jahr 1945 vor. Anschließend übergab sie an die beiden Dermbacher Geistlichen, die evangelische Pfarrerin Silke Glöckner und den katholischen Pfarrer Ulrich Pasenow, zur ökumenischen Andacht.
Pfarrer Pasenow stellte dabei den Gedanken in den Mittelpunkt, dass persönliches Engagement in der Politik ebenfalls als Dienst an der Gemeinschaft verstanden werden könne.
Pfarrerin Glöckner nahm das bevorstehende Erntedankfest zum Anlass, über Dankbarkeit und gesellschaftliches Engagement zu sprechen. Sie sagte, sie finde es besonders schön, vor Menschen zu sprechen, die sich für ihre Gemeinschaft engagierten.
Gleichzeitig stellte Glöckner kritisch fest, dass gegenwärtig vielfach ein „Klima der Undankbarkeit“ wahrgenommen werde, das zu Unzufriedenheit führen könne. Sie regte dazu an, sich bewusst daran zu erinnern, was in der vergangenen Woche Freude bereitet und wofür man dankbar sein könne.
Jeder Einzelne könne etwas Gutes für die Gesellschaft beitragen, so die Pfarrerin.

Brodführer: „In dieser neuen Zeit muss die CDU auftauchen“
Mit Spannung wurde anschließend die Rede des CDU-Kreisvorsitzenden und Wartburgkreis-Landrates Dr. Michael Brodführer erwartet.
In seiner fast halbstündigen Ansprache ging er insbesondere auf gesellschaftliche Veränderungen, die Entwicklung der politischen Kommunikation und die Rolle der CDU ein.
Zu Beginn betonte Brodführer, dass die CDU im Wartburgkreis „etwas bewegt“. Gleichzeitig sprach er von einer aus seiner Sicht „extrem, dramatisch“ veränderten gesellschaftlichen Atmosphäre.

Als Beispiel erinnerte er an das Fußball-Sommermärchen 2006 und die damalige Begeisterung für Schwarz-Rot-Gold. Dabei sei die deutsche Fahne selbstverständlich gemeinsam mit der Europafahne präsent gewesen.
Heute, so Brodführer, seien viele Menschen von ihren eigenen Farben und Symbolen „entrückt“ worden.
Anschließend griff der Kreisvorsitzende zum Smartphone. Die Entwicklung des ersten iPhones vor rund 20 Jahren habe eine neue Ära der digitalen Kommunikation eingeleitet. Facebook, WhatsApp, Instagram und andere Plattformen hätten die gesellschaftliche Kommunikation grundlegend verändert.
Brodführer räumte ein, dass die CDU diese Entwicklung aus seiner Sicht nicht ausreichend erkannt habe und in Teilen „stehen geblieben“ sei.
Dies bezog er ausdrücklich auch auf die Bundesebene. Der CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzler habe nach seiner Einschätzung nicht das notwendige Potenzial, in dieser veränderten Kommunikationswelt ausreichend vermittelt.
„In dieser neuen Zeit muss die CDU auftauchen“, forderte Brodführer und mahnte zugleich mehr Nähe zu den Menschen an.
„Es gibt zwei Brandmauern“
Auch das Thema der sogenannten Brandmauer zur AfD sprach der Kreisvorsitzende an. Nach Brodführers Darstellung gebe es dabei zwei Brandmauern: eine Brandmauer von den anderen Parteien zur AfD und zugleich eine zweite, die die AfD selbst gegenüber den anderen Parteien errichtet habe.
Die AfD könne sich dadurch weiterhin in einer Opferrolle sehen. Brodführer bekräftigte zugleich seine Aussage, dass es für die CDU keine Zusammenarbeit mit Extremisten geben werde.
Zum Abschluss seiner Rede appellierte der Kreisvorsitzende an die Anwesenden, sich stärker einzubringen: „Unsere Werte, Symbole und Farben dürfen wir uns nicht aus der Hand nehmen lassen.“
Sein Aufruf an die Parteibasis lautete: „Steigt mit ein, es geht nur von unten.“ Für seine engagierte Rede erhielt Brodführer viel Beifall.
Kommunalpolitik als „Alleinstellungsmerkmal“
Der junge Dermbacher CDU-Ortsverbandsvorsitzende Alexander Ruppert nahm anschließend die zurückliegenden Wahlergebnisse in den Blick.
Besonders hob er hervor, dass sich vor Ort viele Menschen kommunalpolitisch engagierten. Dies bezeichnete Ruppert als besonderes „Alleinstellungsmerkmal der CDU“.
Besonders begrüßte er die Vertreter des CDU-Ortsverbandes Empfertshausen. Zwischen beiden Ortsverbänden bestehe bereits seit längerer Zeit eine intensive nachbarschaftliche Zusammenarbeit.
Perspektivisch sei vorgesehen, beide Ortsverbände zu einem gemeinsamen Ortsverband zusammenzuführen. Dafür müssten allerdings noch die entsprechenden statutarischen Voraussetzungen geschaffen werden.
Ruppert dankte allen Gästen für ihre Teilnahme und betonte, dass Politik auch Spaß machen müsse. Gerade solche Veranstaltungen seien wichtig, um miteinander ins Gespräch zu kommen.
Auch seine Ausführungen wurden mit Beifall aufgenommen.

Kritik aus der Basis: „Die Bürokratie wächst weiter“
Eine deutlich kritische Wortmeldung kam anschließend von Johannes Bley, selbstständiger Holzschnitzermeister in sechster Generation und Mitglied des CDU-Ortsverbandes Empfertshausen.
Bley beklagte eine aus seiner Sicht überbordende Bürokratie, die weiter zunehme und unternehmerisches Handeln erheblich belaste.
Seine Kritik richtete sich dabei auch an die eigene Partei. Aus Sicht eines Basismitglieds und Gemeinderates sei die CDU vielfach nicht mehr nahe genug an den Anliegen der Bevölkerung.
Bei führenden Politikern stelle er eine zunehmende Praxisferne fest, sagte Bley. Seine offen vorgetragene Kritik wurde von den Anwesenden aufmerksam aufgenommen und mit Beifall bedacht.

Ehrungen für langjähriges Engagement
Ein besonderer Moment des Abends waren die Ehrungen für langjährige Treue und Verbundenheit mit der CDU. Für 50 Jahre Mitgliedschaft wurde Wolfgang Ruppert, langjähriger Kämmerer der Gemeinde Dermbach, ausgezeichnet.
Ralph Groß, Bürgermeister der Gemeinde Barchfeld-Immelborn, erhielt eine Ehrung für seine 25-jährige Mitgliedschaft.
Beide Geehrten wurden für ihr langjähriges Engagement gewürdigt und erhielten den herzlichen Applaus der anwesenden Gäste.
Politischer Austausch in geselliger Atmosphäre
Im Anschluss an den offiziellen Teil entwickelte sich ein reger Austausch unter den Gästen. Dabei wurden Erinnerungen ausgetauscht, aktuelle politische Entwicklungen diskutiert und mögliche Auswirkungen auf die Zukunft erörtert.
Besonders der direkte Austausch zwischen Mitgliedern der Parteibasis, der Führung des CDU-Kreisverbandes Wartburgkreis und den kommunalen Mandatsträgern prägte den Abend.
So verband das gemeinsame Herbstfest politische Diskussionen mit Begegnungen und Gesprächen in insgesamt freundlicher und geselliger Atmosphäre.
Gerade die unterschiedlichen Sichtweisen, von der kommunalen Basis bis zur Kreis- und Landespolitik machten dabei deutlich, dass politische Arbeit nicht nur auf Parteitagen und in Parlamenten stattfindet, sondern wesentlich auch vor Ort in den Städten, Gemeinden und Ortsteilen.








