Gastbeitrag von Kerstin Schuch
Rund 80 Mitwirkende haben sich auf eine Reise in den Himmel begeben und beim Projekt „Auf Flügeln“ des Projektchors „Der Chor“ mitgewirkt.
Am vergangenen Wochenende präsentierten sie das Ergebnis ihrer drei Proben bei zwei Gottesdiensten in Tann und Rasdorf.
Das Programm reichte von Musik der Engel bis hin zu Musik über Engel, mal biblisch, mal aktuell. Das „Gloria“ aus Thomas Nüdlings „Missa in F“ bestach durch seinen markanten, punktierten Rhythmus im Kehrvers „Gloria in excelsis Deo“.
Dazwischen wechselten die Strophen in unterschiedlichen Besetzungen und sorgten so für lebendige klangliche Vielfalt.
Mit „Sende deine Engel“ von Eugen Eckert und Thorsten Hampel folgte eine ganz andere Klangwelt. Die eindrucksvolle Ballade verbindet einen eindringlichen Kehrvers mit fast aufgerissen wirkenden Strophen.
„Einen Engel denen, die an nichts mehr glauben“ heißt es darin – und auch Menschen in Krankheit, Trauer, Krisen oder Gefangenschaft werden in den Blick genommen.
Engel erscheinen hier nicht als dekorative Himmelswesen, sondern als dringend benötigte Begleiter, die Licht bringen, Hoffnung geben und Menschen auf Gottes Wegen führen.
Eine besondere Verbindung von Psalmwort und Kirchenlied schuf Thomas Nüdling mit seinem eigens für das Projekt komponierten polyphonen Satz zu „Großer Gott, wir loben dich“.
Grundlage sind der bekannte Choral und Worte aus Psalm 148: „Lobt den Herrn, alle seine Engel“. Zunächst erklangen die beiden Melodien unabhängig voneinander. Nach und nach verbanden sie sich, bis schließlich beide musikalischen Sphären – ähnlich wie Himmel und Erde – ineinandergriffen.
Das Stück wurde im Wechsel von Chor und Gemeinde gesungen und machte damit auch die Gottesdienstgemeinde selbst zum Teil des musikalischen Geschehens.
Besonders eindringlich wirkte der 91. Psalm in Thomas Nüdlings Vertonung „Wer unterm Schirm des Höchsten sitzt“. Einzelne Verse des Psalms wurden gesungen, während der vollständige Psalmtext von Lektoren gesprochen wurde.
Gerade diese Verbindung von Musik und gesprochenem Wort verlieh dem Psalm eine besondere Offenheit. Die vertrauten Worte „Er wird dich mit seinen Flügeln decken“ und „Zuflucht hast du unter seinen Schwingen“ konnten dadurch unmittelbar wirken.
Den Abschluss bildete ein Stück, das bei „Der Chor“ inzwischen zur guten Tradition gehört: „Der Herr segne und behüte uns“ von Josef Schäfer.
Chor und Pfarrer erbaten damit gemeinsam den Segen. Die schlichte Musik entfaltete nach den vielfältigen Eindrücken des Gottesdienstes eine beinahe balsamische Wirkung.
Pfarrer Markus Günther ermutigte die Gläubigen in seiner Predigt in Rasdorf, sich gerade, aber nicht nur in herausfordernden Situationen auf Flügeln getragen zu wissen. Pfarrerin Natascha Weigelt regte in Tann dazu an, die Engel und das Wirken Gottes in den Zufällen des Alltags zu erkennen.
Lang anhaltender Applaus der zahlreich versammelten Gemeinden galt am Ende allen Mitwirkenden, besonders den Sängerinnen und Sängern und ebenso Pia-Maria Sauer am Saxophon, Thomas Frühinsfeld am Schlagzeug und Kantor Thomas Nüdling, der das Projekt konzipiert, die Stücke zusammengestellt sowie teilweise selbst komponiert und den Chor geleitet hatte.
„Auf Flügeln“ zeigte einmal mehr, was den Projektchor „Der Chor“ auszeichnet: Menschen kommen für einige Wochen zusammen, die sich teilweise vorher nicht kannten, und schaffen in kurzer Zeit etwas Gemeinsames.
Aus vielen einzelnen Stimmen entsteht ein Chor – und aus drei Proben werden zwei Gottesdienste, die eine ganze Region zum Klingen bringen. Das nächste Projekt „hoch hinaus“ startet am 21. Februar 2027.




































