Was für ein Sonntag im Sortengarten Dörrensolz: Sonne satt, volle Wege zwischen den Obstbäumen und überall neugierige Besucher, die probierten, staunten und fachsimpelten.
Beim Streuobstfest am Wochenende drehte sich wieder alles um alte Apfelsorten, Natur, regionale Produkte und den Erhalt der einzigartigen Rhöner Kulturlandschaft. Und diesmal gab es sogar doppelt Grund zum Feiern: Der Landschaftspflegeverband „Thüringer Rhön“ e. V. wird 35 Jahre alt, die Natura 2000-Stationen in Thüringen bestehen seit zehn Jahren.
Passend dazu stand der Tag unter dem Motto „Geflügelte Vielfalt“.
Zwischen 400 Obstbäumen gab es viel zu entdecken
Der Sortengarten Dörrensolz ist schon für sich einen Besuch wert. Mehr als 400 Obstbäume mit rund 100 verschiedenen Apfelsorten wachsen hier. Seit den 1990er-Jahren kümmert sich der Landschaftspflegeverband um die Anlage und sorgt dafür, dass alte Sorten nicht verschwinden.
Gleichzeitig ist der Garten ein wertvoller Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Beim Streuobstfest konnten die Besucher diese Vielfalt hautnah erleben.
Besonders gefragt war wieder die Apfelsortenbestimmung. Viele Gäste hatten Früchte aus dem heimischen Garten mitgebracht und wollten endlich wissen: Was wächst da eigentlich bei uns am Baum?
Auch Landrätin Peggy Greiser schlenderte durch den Sortengarten und ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, die eine oder andere Sorte zu probieren.
Für Kinder gab es Mitmachaktionen, Bastelangebote, Entdeckerstationen und eine Streuobstrally.
Und natürlich musste bei so einem Fest niemand hungrig nach Hause gehen: Kaffee und Kuchen, Apfelsaft, Ziegenbratwürste und eine richtig gute vegetarische Erbsensuppe sorgten für Stärkung.
Seit mindestens 20 Jahren wird hier gefeiert
Eine, die fast jedes Detail rund um das Fest kennt, ist Julia Gombert, Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes „Thüringer Rhön“. Gemeinsam mit ihrem Team und zahlreichen Partnern organisiert sie das Streuobstfest.
„Das Fest findet schon seit mindestens 20 Jahren statt“, erzählt Gombert im Gespräch mit dem Rhönkanal. Allerdings nur alle zwei Jahre.
Sie schätzt, dass es inzwischen ungefähr die 15. Auflage gewesen sein dürfte. Doch diesmal standen vor allem die Jubiläen im Mittelpunkt: 35 Jahre Landschaftspflegeverband – und zehn Jahre Natura 2000-Stationen.
Gerade die Natura 2000-Station sei in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Baustein für den Naturschutz in der Region geworden. Denn die Arbeit in der Rhön ist vielfältig. Es geht um Streuobst, Vögel und Fledermäuse, aber genauso um Schafe, Magerrasen und Feuchtflächen.
„Das geht natürlich nicht alleine, sondern nur mit Partnern und Projekten“, sagt Gombert.
Naturschutz direkt vor der Haustür
Dass Naturschutz manchmal kompliziert klingt, weiß auch Julia Gombert. Doch sobald Menschen unmittelbar sehen, was in ihrer Umgebung passiert, ändert sich die Wahrnehmung.
„Wenn die Leute wirklich sehen, wenn sich vor ihrer Haustür etwas verändert, ist da auch eine andere Sensibilität da, als wenn es ein paar hundert Kilometer weg ist“, erklärt sie.
Streuobstwiesen seien dafür ein gutes Beispiel. Alte Obstbäume, blühende Wiesen, Vögel, Insekten und natürlich leckere Äpfel – damit können viele Menschen etwas anfangen.
Gombert sagt mit einem Augenzwinkern: „Bei unserem Streuobst haben wir mehr Fans als bei unserem Feuchtflächenprojekt.“
Doch auch diese Flächen seien enorm wichtig. Gerade in trockenen Jahren werde deutlich, wie wertvoll Nassflächen für die Landschaft seien.
„Wir brauchen solche Nassflächen auch für die Zukunft, damit wir hier nicht vertrocknen in der Rhön.“
Schafe gehören zur Rhön einfach dazu
Ein echtes Herzensthema von Julia Gombert ist die Schafhaltung. Denn ohne Schafe würde sich das Gesicht der Rhön verändern. Sie sorgen dafür, dass Wiesen und Magerrasen offenbleiben und nicht nach und nach verbuschen. Genau diese offene Landschaft macht die Rhön schließlich aus.
Bei einer Fachplanung im Jahr 2019 habe der Landschaftspflegeverband die Rückmeldung bekommen, dass viele Magerrasen in der Region deutlich besser dastehen als in anderen Teilen Thüringens.
Für Gombert ist das ein klarer Beleg dafür, dass die jahrelange Arbeit Wirkung zeigt. Trotzdem müsse man dauerhaft dranbleiben.
„Dieses Alleinstellungsmerkmal der Rhön als offenes Mittelgebirge sollten wir uns alle miteinander bewahren“, sagt sie. Und das nicht nur aus Naturschutzgründen. Auch für den Tourismus sei die offene Landschaft ein echtes Pfund.
Die Rhön braucht mehr helfende Hände
Doch genau hier liegt für die Zukunft auch eine der größten Aufgaben. Viele Ehrenamtliche, die sich jahrzehntelang engagiert haben, können alters- oder gesundheitsbedingt nicht mehr so mit anpacken wie früher. Der Nachwuchs ist zwar da – aber noch nicht genug. Julia Gombert wünscht sich deshalb vor allem eines:
Mehr Menschen, die einfach mitmachen. Dabei müsse niemand gleich jede freie Minute opfern. Schon Kleinigkeiten könnten helfen.
„Ein Baum schneiden, eine kleine Wiese mähen, sich drei Schafe halten oder irgendwas – hilft alles.“ Denn ein kleines Team aus Hauptamtlichen könne die Arbeit in der ganzen Region nicht alleine stemmen.
Und welcher Apfel schmeckt eigentlich am besten?
Nach so viel Naturschutz darf am Ende natürlich noch eine ganz wichtige Frage gestellt werden: Welche Apfelsorte isst Julia Gombert eigentlich selbst am liebsten?
Da musste auch die Chefin des Landschaftspflegeverbandes erst einmal überlegen. Dann kam die Antwort: Cox-Sorten. Warum?
„Die haben so einen schönen karamelligen Geschmack. Die mag ich sehr.“ Und damit war eigentlich alles gesagt.
Denn genau darum ging es an diesem Sonntag in Dörrensolz: um Genuss, Heimat, Natur und darum, Dinge zu erhalten, die man manchmal erst vermisst, wenn sie verschwunden sind.
Der Sortengarten zeigt eindrucksvoll, dass Naturschutz nicht trocken sein muss. Manchmal schmeckt er sogar nach Apfel.











































