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Unruhe Kennzeichen der Gegenwart – Werke von Karl Kassel im alfi-museum Fischbach 16.10.26

Der Titel „UNRUHE Kennzeichen der Gegenwart“ lädt dazu ein, über das Verhältnis von Kunst und Zeitgeschehen nachzudenken. Kann ein Kunstwerk aus dem Jahr 1991 Entwicklungen ansprechen, die uns heute beschäftigen?

Unruhe scheint zu einem prägenden Kennzeichen unserer Zeit geworden zu sein. Kriege, gesellschaftliche Spannungen, politische Umbrüche und eine Welt im Wandel beschäftigen viele Menschen. Dass sich ein Künstler bereits 1991 mit diesem Thema auseinandersetzte, macht die kommende Ausstellung im alfi-museum in Fischbach besonders interessant.

Am Freitag, den 16. Oktober, wird dort um 13:30 Uhr eine neue Ausstellung mit Werken des Thüringer Künstlers Karl Kassel (1918–2006) eröffnet.

Ihren Titel „UNRUHE Kennzeichen der Gegenwart“ verdankt sie einer Grafik des Sonneberger Künstlers. Obwohl das Werk vor mehr als drei Jahrzehnten entstand, hat seine Aussagekraft bis heute nichts eingebüßt. Im Gegenteil, der Titel scheint angesichts der aktuellen Entwicklungen geradezu zeitlos und aktueller denn je.

Eine persönliche Geschichte führt in die Rhön

Dass die Werke Karl Kassels nun im alfi-museum zu sehen sein werden, ist auch seiner Tochter Karin Weber zu verdanken. Sie lebt in Föritztal bei Sonneberg und wurde über die Medien möglicherweise auch durch den Rhönkanal auf das Museum in Fischbach aufmerksam. Vor mehr als einem Jahr nahm sie Kontakt mit dem Museum auf.

Aus diesem ersten Austausch entwickelte sich die Idee, Arbeiten ihres Vaters in der Rhön zu präsentieren. Inzwischen steht die Ausstellung kurz vor ihrer Eröffnung.

Damit führt ein persönlicher Weg von Sonneberg in die Thüringer Rhön und zugleich das Werk eines Künstlers in eine Region, in der Kunst, Heimatgeschichte und kulturelles Engagement einen wichtigen Platz einnehmen.

 

Zwischen Porzellankunst und freier Malerei

Karl Kassel wurde 1918 in Asch, dem heutigen Aš in Tschechien, geboren und starb 2006 in Sonneberg. Sein beruflicher Werdegang war eng mit der Porzellan- und Keramikgestaltung sowie der künstlerischen Ausbildung in der Region Sonneberg verbunden. Neben seiner Tätigkeit als Gestalter und Lehrer entwickelte er sich auch als freier Künstler weiter.

Von 1933 bis 1937 absolvierte Kassel eine Ausbildung zum Porzellanmaler. Anschließend arbeitete er bei der Firma Göbel in Oeslau, dem heutigen Rödental. Von 1941 bis 1943 studierte er an der Staatlichen Fachschule für Porzellanindustrie in Selb und erwarb dort das Diplom der Meisterschule in der Abteilung Malerei.

Nach weiteren beruflichen Stationen wurde er 1946 Lehrer an der Staatlichen Industrieschule in Sonneberg. Dort vermittelte er Kenntnisse in Malerei, Grafik sowie in der Gestaltung von Porzellan und Keramik. 1960 war er als Dozent für Dekorgestaltung an der Ingenieurschule Hermsdorf tätig. 1965 erwarb er ein Diplom für Keramische Gestaltung an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee.

Von 1965 bis 1983 leitete Kassel die Betriebsakademie der Vereinigten Porzellanwerke Sonneberg. Anschließend arbeitete er freiberuflich als Künstler.

Zwei künstlerische Welten

Die Ausstellung macht die Vielseitigkeit seines Schaffens sichtbar. Ein Blick auf die gezeigten Arbeiten verdeutlicht, wie unterschiedlich Kassel mit Farbe, Form und Material umging.

Die Grafik „UNRUHE“ aus dem Jahr 1991 ist von geometrischen Formen und einer bewegten Komposition geprägt. Kräftige Blau- und Gelbtöne, rote und violette Flächen sowie markante schwarze Elemente erzeugen ein spannungsreiches Zusammenspiel. Die Formen scheinen sich zu überschneiden, zu verschieben und miteinander in Bewegung zu geraten. Eine mögliche Deutung ist, dass diese Gestaltung die Unruhe, die der Titel benennt, auch visuell erfahrbar macht.

Einen ganz anderen Eindruck vermittelt eine von Kassel handbemalte Porzellanplatte. Auf dem hellen Untergrund entfaltet sich ein Blumenarrangement in Blau- und Violetttönen. Feine goldfarbene Verzierungen rahmen die Arbeit ein. Hier stehen die Naturmotive, die differenzierte Farbgebung und die präzise Ausführung im Mittelpunkt.

Beide Arbeiten zeigen unterschiedliche Facetten eines Künstlers, dessen berufliche Wurzeln in der Porzellangestaltung lagen und der zugleich eigene Ausdrucksformen in der freien Malerei fand.

Ein Kunstwerk, das Fragen an die Gegenwart stellt

Der Titel „UNRUHE Kennzeichen der Gegenwart“ lädt dazu ein, über das Verhältnis von Kunst und Zeitgeschehen nachzudenken. Kann ein Kunstwerk aus dem Jahr 1991 Entwicklungen ansprechen, die uns heute beschäftigen? Und was vermag Kunst, wenn sie gesellschaftliche Veränderungen nicht nur abbildet, sondern Menschen zum Nachdenken anregt?

Die Ausstellung im alfi-museum bietet Gelegenheit, diesen Fragen anhand der Arbeiten von Karl Kassel nachzugehen. Zugleich erinnert sie an einen Künstler, der über Jahrzehnte hinweg in der Porzellan- und Keramikgestaltung, in der künstlerischen Ausbildung und in der freien Kunst tätig war.

alfi-museum

Bergstraße 5,

36452 Kaltennordheim OT Fischbach/Rhön

Informationen zu den weiteren Öffnungszeiten und zum Eintritt :https://alfi-museum.de/besucherinfo/