Was über viele Jahre gewachsen ist, sollte nicht einfach verschwinden. Das Seniorenbüro des Wartburgkreises im Mehrgenerationenhaus Bad Salzungen steht nach Angaben des ehemaligen Seniorenbeiratsvorsitzenden Joachim Lebens vor dem Aus.
Zum Jahresende soll die bewährte Einrichtung aufgelöst und durch das Landesprogramm AGATHE ersetzt werden. Doch dagegen regt sich Widerstand.
Für viele ältere Menschen ist das Seniorenbüro weit mehr als eine Beratungsstelle. Es ist ein Ort des Vertrauens, eine Anlaufstelle für Fragen und Sorgen und ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Miteinanders.
Genau diese gewachsenen Strukturen sieht Joachim Lebens aus Bad Salzungen, ehemaliger Vorsitzender des städtischen Seniorenbeirates, nun in Gefahr.
In einem eindringlichen offenen Brief vom 10. Oktober 2026 wendet er sich an Bürgermeister Klaus Bohl, den Vorsitzenden des Seniorenbeirates sowie die Mitglieder des Stadtrates und des Kreistages.
Seine Botschaft ist deutlich: Das Seniorenbüro darf nicht einfach verschwinden!
Ein Stück Heimat und Vertrauen steht auf dem Spiel
Über viele Jahre hinweg hat sich das Seniorenbüro ein Netzwerk aus Vereinen, Verbänden, Kommunen und ehrenamtlich engagierten Menschen aufgebaut.
Hier finden ältere Bürgerinnen und Bürger Ansprechpartner, Unterstützung und Orientierung. Gerade für Menschen, die im Alter auf verlässliche Kontakte angewiesen sind, können solche Einrichtungen von unschätzbarem Wert sein.
„Vertrauen ist die härteste Währung in der Seniorenarbeit“, schreibt Joachim Lebens in seinem offenen Brief.
Er befürchtet, dass mit der Schließung nicht nur eine Einrichtung verloren geht, sondern auch ein Stück Sicherheit, Gemeinschaft und Lebensqualität für die ältere Generation.
AGATHE und Seniorenbüro könnten gemeinsam mehr erreichen
Dabei richtet sich seine Kritik ausdrücklich nicht gegen das Landesprogramm AGATHE. Ganz im Gegenteil: Lebens erkennt dessen wichtige Arbeit an.
Während AGATHE vor allem ältere, möglicherweise einsame Menschen direkt in ihrem Wohnumfeld erreicht, bietet das Seniorenbüro eine feste Anlaufstelle und übernimmt wichtige Aufgaben bei der Vernetzung und Organisation.
Warum also das eine abschaffen, wenn sich beide Angebote sinnvoll ergänzen könnten?
Genau dafür setzt sich Joachim Lebens ein. Sein Vorschlag ist ein sogenanntes Zwei-Säulen-Modell.
Das Seniorenbüro soll als zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle im Mehrgenerationenhaus erhalten bleiben. AGATHE könnte diese Arbeit durch mobile Beratung im gesamten Wartburgkreis ergänzen.
So ließen sich bewährte Strukturen bewahren und gleichzeitig neue Menschen erreichen.
Wer kümmert sich künftig um die Seniorenwoche?
Eine weitere Sorge betrifft die zahlreichen Veranstaltungen und Projekte, die bisher durch das Seniorenbüro begleitet und koordiniert werden.
Als Beispiel nennt Lebens die etablierte Seniorenwoche, die Menschen zusammenbringt und das gesellschaftliche Leben älterer Bürger bereichert.
Er stellt die Frage, wer solche Aufgaben künftig übernehmen soll, wenn die zentrale Koordinierungsstelle wegfällt.
Die Mitarbeitenden des AGATHE-Programms seien schließlich vor allem für die persönliche Beratung und Betreuung einzelner Menschen vorgesehen.
Ein Appell an die Verantwortlichen
Mit seinem offenen Brief möchte Joachim Lebens die politischen Entscheidungsträger zum Umdenken bewegen.
Er fordert keinen Stillstand, sondern eine Lösung, die sowohl die bestehenden Angebote als auch neue Möglichkeiten berücksichtigt.
„Kein Kahlschlag, sondern eine systemische Verzahnung beider Säulen“, lautet seine klare Forderung.
Der ehemalige Seniorenbeiratsvorsitzende bittet die Verantwortlichen, seinen Vorschlag in den politischen Gremien aufzugreifen und sich öffentlich zur Zukunft des Seniorenbüros zu positionieren.
Denn hinter dieser Entscheidung stehen nicht nur organisatorische Fragen, sondern vor allem Menschen.
Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet, Familien großgezogen und unsere Region mitgestaltet haben. Menschen, die auch im Alter Ansprechpartner, Gemeinschaft und Unterstützung verdienen.
Noch ist die Hoffnung da, dass eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann.
Mit seinem Engagement möchte Joachim Lebens erreichen, dass die Sorgen der älteren Generation gehört werden und das Seniorenbüro im Wartburgkreis eine Zukunft bekommt.
Denn manchmal bedeutet Fortschritt nicht, etwas Bewährtes abzuschaffen, sondern es gemeinsam mit neuen Ideen noch besser zu machen.
Die entscheidende Frage bleibt: Muss wirklich etwas verschwinden, das über viele Jahre für die Menschen im Wartburgkreis da war?



