Gastbeitrag von Markus Holle
Wie entwickelt sich ein Küken im Ei? Was braucht es, damit aus einem Brutei ein gesundes Küken schlüpfen kann?
Diesen Fragen gehen die Kinder der Grundschule Dippach (Ortsteil der Stadt Werra-Suhl-Tal im Wartburgkreis) im Rahmen des Projekts „Vom Ei zum Küken“ auf den Grund. Gemeinsam mit erfahrenen Züchtern lernen sie die Entwicklung der Tiere kennen und erhalten einen Einblick in die Welt der Rassegeflügelzucht.
Das Projekt wurde von der Interessengemeinschaft Werratalschau ins Leben gerufen. Zum Auftakt legten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit einem erfahrenen Züchter vorsichtig die Bruteier in einen Schaubrüter ein. Damit begann für die Kinder eine spannende Zeit, in der sie beobachten können, wie sich im Ei neues Leben entwickelt und welche Bedingungen für eine erfolgreiche Brut notwendig sind.
Begleitet wird das Projekt von Mitgliedern der örtlichen Kleintier- und Rassegeflügelzuchtvereine. Sie bringen ihr Wissen und ihre langjährige Erfahrung mit in die Schule und beantworten die Fragen der Kinder. Dabei geht es nicht nur um den Brutvorgang.
Die Schülerinnen und Schüler erfahren auch, was Tiere zum Leben brauchen, wie sie verantwortungsvoll gehalten werden und warum Ernährung, Hygiene und Tiergesundheit so wichtig sind.
„Uns ist wichtig, dass die Kinder nicht nur etwas über Rassegeflügel erfahren, sondern selbst beobachten, Fragen stellen und die Entwicklung vom Ei zum Küken miterleben können“, erklären die Projektverantwortlichen der Interessengemeinschaft
Vom Brutei zum Küken
Mit dem Einlegen der Bruteier war der erste Schritt getan. In den folgenden Wochen steht die Entwicklung der Tiere im Mittelpunkt. Mit etwas Glück können die Kinder auch den Schlupf der Küken miterleben.
Nach dem Schlüpfen sollen die jungen Tiere noch einige Zeit in einer geeigneten Aufzuchtbox beobachtet werden. So bekommen die Kinder einen direkten Eindruck davon, wie sich die Küken in ihren ersten Lebenstagen entwickeln und welche Bedürfnisse sie haben.
Die Aufzuchtbox wird anschließend auch bei der Werratalschau zum Einsatz kommen. Dadurch können die Kinder ihre Beobachtungen fortsetzen und die Entwicklung der Küken weiterverfolgen.
Bemalte Holzhühner für die Werratalschau
Neben den Tieren gehört auch kreatives Arbeiten zum Projekt. Die Schülerinnen und Schüler haben inzwischen eigene Holzhühner gestaltet und bemalt. Mit viel Kreativität und unterschiedlichen Farben sind dabei individuelle kleine Kunstwerke entstanden, die bei der Werratalschau ausgestellt werden sollen.
Die Werratalschau als gemeinsames Ziel
Ein weiterer Höhepunkt des Projekts ist der gemeinsame Besuch der Werratalschau. Dort können die Kinder ausgewachsene Tiere kennenlernen und die Vielfalt der Rassegeflügelzucht entdecken. Neben Hühnern und Zwerghühnern gibt es unter anderem Enten, Gänse, Puten und Tauben zu sehen.
Vor Ort bietet sich auch die Gelegenheit, mit den Züchterinnen und Züchtern ins Gespräch zu kommen und mehr über die verschiedenen Rassen, ihre Eigenschaften und ihre Haltung zu erfahren. Gleichzeitig wird deutlich, wie viel Zeit, Erfahrung und ehrenamtliches Engagement hinter der Kleintier- und Rassegeflügelzucht stehen.
Tradition bewahren und junge Menschen begeistern
Die Interessengemeinschaft Werratalschau besteht aus acht Kleintierzuchtvereinen aus Werra-Suhl-Tal und Gerstungen. Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, die rund 74-jährige Tradition der Werratalschau zu erhalten und zugleich neue Wege zu gehen, um Kinder und Jugendliche für die Tierhaltung und die Rassegeflügelzucht zu begeistern.
Das Projekt „Vom Ei zum Küken“ soll deshalb keine einmalige Aktion bleiben. Nach dem Auftakt mit der Grundschule Dippach ist geplant, das Angebot auch in den kommenden Jahren mit weiteren Schulklassen fortzuführen. So soll der Kontakt zwischen Schule, Familien und den örtlichen Züchterinnen und Züchtern gestärkt werden.
Für die Kinder bleibt es spannend: Wie entwickeln sich die Küken weiter, und gelingt der Schlupf? Mit dem Projekt erleben sie hautnah, wie neues Leben entsteht, und lernen gleichzeitig, was es bedeutet, Verantwortung für Tiere zu übernehmen. Die Interessengemeinschaft Werratalschau freut sich, mit dieser Aktion die Begeisterung für Tiere und die regionale Zuchttradition an die nächste Generation weiterzugeben.


