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Nürnbergs Bürgermeister diskutiert in Schmalkalden über Chancen, Bildung & Zusammenhalt

Mehr als 30 Gäste füllten die Milchhalle in Schmalkalden, als Dr. Nasser Ahmed über Bildung, Herkunft und soziale Aufstiegschancen sprach. Die Diskussion reichte von Schulabschlüssen bis zu Erfahrungen mit Rassismus.

Blick in die Runde

Gastbeitrag von Michael Lang

Mehr als 30 Gäste, eine bis auf den letzten Platz gefüllte Milchhalle und zwei Stunden lebendige Diskussion: Der SPD-Ortsverein Schmalkalden und Umgebung hatte Dr. Nasser Ahmed, Dritten Bürgermeister der Stadt Nürnberg, zum Dialogabend „Heimat ist, wo Chancen entstehen. Warum Aufstieg kein Zufall sein darf“ eingeladen.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Bildung, Herkunft und soziale Verhältnisse die Zukunftschancen von Menschen beeinflussen.

„Für mich gehört zu Heimat auch das Gefühl: Ich werde hier gebraucht. Ich kann etwas beitragen. Und ich habe hier eine Zukunft“, erklärte Ortsvereinsvorsitzender Michael Lang zur Begrüßung. Dr. Stefan Svoboda überbrachte ein Grußwort der Stadt Schmalkalden und berichtete von der gemeinsamen Altstadtführung.

Beim Besuch im Rathaus hatte Ahmed sogar das Nürnberger Stadtwappen entdeckt. Der Kontakt war im März entstanden, als Schmalkalder Sozialdemokraten Ahmed bei einem Wahlkampftag in Nürnberg unterstützt hatten.

Mitte Michael Lang OV Vorsitzender links Städträtin Marina Heller

Für Heiterkeit sorgte Lang mit einer fränkisch-thüringischen Spitze: Über die Frage, wer die bessere Bratwurst habe, wolle man an diesem Abend lieber nicht abstimmen.

Ahmeds eigene Lebensgeschichte gab dem Thema besondere Anschaulichkeit: 1988 in Nürnberg als Sohn einer Arbeiter- und Flüchtlingsfamilie aus Eritrea geboren, machte er als Erster seiner Familie Abitur, studierte und promovierte. Menschen, die ihm etwas zutrauten, und gute Bildungsangebote hätten seinen Weg entscheidend geprägt.

Chancengleichheit bedeute, dass jeder seine Talente entdecken und entwickeln könne, unabhängig vom Elternhaus.

Besonders intensiv diskutierten die Gäste über Schule und Ausbildung. Im Schuljahr 2024/25 verließen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen 141 von 1.130 Absolventen und Abgängern die allgemeinbildenden Schulen ohne Hauptschulabschluss, rund 12,5 Prozent. Zugleich berichteten Teilnehmer von wachsenden Förderbedarfen und fehlenden Fachkräften. Ahmed betonte, kein junger Mensch dürfe aus dem Blick geraten.

Nasser Ahmed stehend

Auch Armut und die Arbeit der Schmalkalder Tafel waren Thema. Ahmed sprach sich dafür aus, sehr große Vermögen stärker an der Finanzierung des Gemeinwesens zu beteiligen und in Schulen und Infrastruktur zu investieren. Offen ging er zudem auf eigene Erfahrungen mit Rassismus ein.

Probleme müssten benannt, zugleich aber gemeinsame Lösungen und gesellschaftliche Stärken sichtbar gemacht werden. „Wir sind viel, viel besser“, sagte er mit Blick auf das, was in Deutschland funktioniere.

Deutlich wurde, dass sozialer Aufstieg viele Gesichter hat: Studium ebenso wie Handwerksausbildung, Meisterbrief, berufliche Selbstständigkeit oder ein selbstbestimmtes Leben.

„Chancen entstehen nicht von allein“, fasste Lang zusammen. „Aber wir können gemeinsam dafür sorgen, dass mehr Türen offenstehen.“ Auch nach dem offiziellen Ende diskutierten viele Besucher in kleinen Gruppen mit Ahmed weiter.

Blick in die Runde