Gastbeitrag von Kerstin Schuch
Ein Kuckuck auf der Orgel, ein Panther in der Kirche und ein Floh zum großen Finale: Beim Konzert „Panther, Löwe & Co.“ bekam die Tierwelt in der Stadtkirche Tann ihren ganz großen Auftritt.
Mit Musik und Gedichten entführten Organist Thomas Nüdling und Rezitator Uwe-Bernd Herchen das Publikum in einen ebenso unterhaltsamen wie überraschenden Tierpark.
Die gut gefüllte Stadtkirche bot den passenden Rahmen für einen Abend, bei dem geschmunzelt, gestaunt und auch einmal um die Ecke gedacht werden durfte.
Die abwechslungsreiche Mischung aus Orgelmusik und Rezitation kam beim Publikum bestens an und sorgte für viele positive Reaktionen. Schon der Auftakt mit der Titelmelodie der „Sendung mit der Maus“ und Christian Morgensterns „Möwenlied“ machte deutlich: Hier war tierisch gute Unterhaltung angesagt.
Tiere in der Sprache
Von „Affen auf dem Schleifstein“ über den „tollen Hecht“ bis zu den „Eulen nach Athen“ – tierische Redewendungen gibt es reichlich. Doch auch die Literatur hat einen ganzen Zoo zu bieten.
Die Gedichte zeigten Tiere in ganz unterschiedlichen Rollen: als Mittelpunkt wie Rilkes „Panther“, als Spiegel menschlicher Eigenschaften, als beiläufige Beobachter oder als Quelle für jede Menge Unsinn. Heinz Erhardts „Die Made“ durfte dabei natürlich nicht fehlen.
Eine besondere Verbindung führte zurück ins Jahr 2001. Damals hatten Nüdling und Herchen erstmals ein gemeinsames Programm mit Tiergedichten und Orgelmusik gestaltet.
Aus einer spontanen Idee entstand eine Zusammenarbeit, die bis heute anhält. Das Konzert war zugleich ein musikalischer Gruß an Nüdling, der seit 25 Jahren das kirchenmusikalische Leben in Tann prägt. Auch Goethe bekam mit seinen „Fröschen“ Gelegenheit zu gratulieren.
Elegant wurde es mit Camille Saint-Saëns’ „Der Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“. Die ruhigen, fließenden Klänge ließen das anmutige Tier musikalisch über das Wasser gleiten.
Königliche Kinomagie
Auch der Löwe bekam seinen Auftritt. In Sergei Michalkows „Der Hase im Rausch“ zeigte sich der König der Tiere weniger souverän als erwartet. Elton Johns „Can You Feel the Love Tonight“ aus „Der König der Löwen“ sorgte anschließend für musikalische Kinomagie.
Bei Heinrich Seidels „Das Huhn und der Karpfen“ und Wilhelm Buschs „Fink und Frosch“ wiederum ließen sich hinter den tierischen Figuren durchaus menschliche – und politische – Verhaltensweisen entdecken.
Verwandlung und Vogelwelt
Vom Schmetterling als Symbol für Seele und Verwandlung führte die Reise weiter zu majestätischen Dinosauriern: John Williams’ Musik aus „Jurassic Park“ entfaltete an der Orgel große Klangfülle und weite Melodien.
Danach durfte es wieder heiter werden. Christian Morgenstern, Heinz Erhardt und Ernst Jandl bewiesen, dass Tiere in Gedichten nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Lachen anregen können. Bei Jandls „Ottos Mops“ wurde die sprachliche Beschränkung auf einen einzigen Vokal zum verblüffenden Kunststück.
Besonders vielfältig präsentierte sich die Vogelwelt. Von der Nachtigall über die Lerche bis zur Krähe begegneten dem Publikum gefiederte Gestalten aus Literatur und Musik.
Zum Schluss ließ Louis-Claude Daquins „Le Coucou“ den Kuckuck in der Orgel erklingen. Siegfried Ochs’ Variationen im Stile klassischer Komponisten über „Kommt ein Vogel geflogen“ zeigten anschließend, wie wandlungsfähig ein scheinbar schlichtes Lied sein kann.
Und weil ein tierischer Abend auch tierisch enden darf, gab es als Zugabe eine „Ungeziefer-Serenade“ und den „Flohwalzer“. Letzterer wurde augenzwinkernd als Frühwerk Bachs angekündigt – eine echte Premiere für die Stadtkirche Tann.
25 Jahre nach dem ersten tierischen Konzert erwies sich die Idee als quicklebendig. Mit Musik, Poesie und viel Humor machten Nüdling und Herchen deutlich: Manchmal steckt in einem Gedicht ein ganzer Zoo – und in einer Orgel ein erstaunlich lebendiger Tierpark.
Der herzliche Applaus und die positiven Rückmeldungen des Publikums zeigten, dass dieser musikalisch-literarische Streifzug genau den richtigen Ton getroffen hatte.
Wer den tierischen Konzertabend verpasst hat oder ihn noch einmal erleben möchte, bekommt dazu bald Gelegenheit: Am Sonntag, 8. November 2026, um 18 Uhr wird „Panther, Löwe & Co.“ in der St.-Anna-Kirche in Dietershan wiederholt.




