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HEUTE – „In Auschwitz gab es keine Vögel“ – Konzertlesung in Tann 6.11.26

Bald wird es keine Überlebenden des Holocaust mehr geben – und wer erzählt dann? Das haben sich die Autorin Monika Held und der Kontrabassist Gregor Praml gefragt – und werden nun selbst zu Erzählenden.

Aus Helds Roman „Der Schrecken verliert sich vor Ort“ haben sie eine KonzertLesung konzipiert. „In Auschwitz gab es keine Vögel“ lautet der Titel der einstündigen Produktion.

Neben den Texten (gelesen von der Autorin) und Livemusik (Kontrabass + Loops & Effekte) ziehen sich die sehr persönlichen O-Töne des Zeitzeugen Hermann Reineck, aus dessen Überlebensgeschichte der Roman und die Figur Heiner entstanden sind, durch das Stück.

Durch die künstlerische Darstellung über Musik und Text wird den Zuhörern ein emotionaler Zugang zur Erinnerungskultur ermöglicht.
Diese Konzertlesung macht für uns Besucher und Nachgeborene diese Zeit „erlebbar“ und richtet sich besonders auch an Jugendliche ab 15 Jahren.

Die im Anschluss an die Konzertlesung stattfindende moderierte Diskussion bietet Raum für Fragen, Einordnung der Inhalte sowie für den Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Menschen-würde, Verantwortung und demokratische Werte.

Die Veranstaltung findet am Freitag, den 6. November 2026, in der evangelischen Kirche in Tann statt. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt für Schüler ist frei, alle anderen zahlen 9 Euro. Veranstalter ist der Kultur- und Geschichtsverein der Region Tann (Rhön).

Der Roman

Im Roman wird die Geschichte des Auschwitz-Häftlings Heiner und seiner Frau Lena erzählt. Die beiden haben sich 1964 beim Frankfurter Auschwitz-Prozess kennengelernt und verliebt. Auf den ersten Blick haben die beiden nicht viel gemeinsam.

Sie träumt von Ferien in der Südsee, ihn quälen nachts die Erinnerungen an die Schrecken von Auschwitz.

Wird Lena die Welt ihres Mannes je verstehen? Wird es Heiner gelingen, sein Trauma aus Bildern und Geräuschen in den Kopf seiner Frau zu übertragen? Wo hat Mitfühlen seine Grenze, wo versagen Phantasie und Empathie? Und hält ein Mensch, für den das Weitergeben von Erfahrungen überlebenswichtig ist, diese Grenze aus?

Die Hintergründe

Die Geschichte hinter dieser Geschichte ist die lange Freundschaft der Autorin Monika Held mit dem Auschwitz-Häftling Hermann Reineck und seinen „Kameraden“, die immer wieder bereit waren, aus ihrem Leben zu erzählen.

So entstanden zunächst kurze Interviews für den Hörfunk, dann ein Feature, danach ein Originalton-Ton-Hörspiel und schließlich – fast zwanzig Jahre nach dem Tod des Protagonisten und Gründer des Vereins „Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer“ – der Roman „Der Schrecken verliert sich vor Ort“, der in sechs Sprachen übersetzt wurde.

Im Nachklang

Die Autorin Monika Held ist gerne bereit, über ihre Begegnungen mit dem bemerkenswerten Auschwitzüberlebenden Herrmann Reineck und seinen Freunden zu erzählen. Gregor Praml , der als Komponist und Bühnenmusiker langjährige Erfahrung mit Theaterkomposition hat, steht ebenfalls nach der Lesung für Fragen offen.

Die Konzertlesung ist kein Geschichtsunterricht und kann ihn auch nicht ersetzen. Sie will dazu beitragen, dass es – über die Fakten hinaus – eine emotionale Lehre aus der Vergangenheit gibt: Hören, was Politiker sagen. Aufpassen, wie sich die Gesellschaft verändert. Worte und Sätze ernst nehmen, in denen Toleranz und Menschlichkeit fehlen.

Worte sind nicht Schall und Rauch. Wer „jagen“, „aufräumen“ und „ausmisten“ als politisches Programm verkündet, meint das auch so.