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„Eure Heimat ist ein Schatz!“: Länderübergreifende Biosphärentagung & Filmvorführung

Gastbeitrag von Lea Hohmann

Wie hat sich die Landschaft der Rhön über Jahrhunderte verändert? Was macht sie heute so besonders? Und wie kann ihr charakteristisches Gesicht trotz Klimakrise, Artenverlust und veränderter Landnutzung auch für kommende Generationen erhalten werden?

Diesen Fragen widmete sich die länderübergreifende Biosphärentagung mit über 250 Teilnehmenden im Ulstersaal in Hilders. Ein besonderer Gast war Moorforscher und Naturschützer Prof. Dr. Michael Succow, der bereits am Vorabend bei der Filmvorführung „Wie geht Natur?! – Können wir die Welt verändern?“ persönlich mit dem Publikum ins Gespräch gekommen war.

„Eure Heimat ist ein Schatz, ihr könnt euch glücklich schätzen in einer so gesunden Landschaft zu leben!“ Diese Botschaft von Michael Succow zog sich wie ein roter Faden durch die beiden Veranstaltungstage.

Denn die Rhön ist weit mehr als eine schöne Landschaft. Sie ist Lebensraum, Wirtschaftsraum und Heimat. Ihr heutiges Erscheinungsbild ist über viele Jahrhunderte durch das Zusammenspiel von Mensch und Natur entstanden.

Diese besondere Kulturlandschaft zu verstehen, wertzuschätzen und zugleich zukunftsfähig weiterzuentwickeln, stand im Zentrum der Fachtagung.

Ein besonderer Auftakt mit Michael Succow

Bereits am Vorabend der Tagung war der Ulstersaal mit rund 100 Besucherinnen und Besuchern gut gefüllt – gezeigt wurde der Dokumentarfilm „Wie geht Natur?! – Können wir die Welt verändern?“, der zentrale Stationen im Leben und Wirken von Prof. Dr. Michael Succow nachzeichnet.

Schon am Donnerstagvormittag hatte der Film bei einer Vorführung für Schulklassen großen Anklang gefunden. Historische Aufnahmen und filmische Einblicke zeigen, wie aus Visionen konkretes Handeln für den Schutz wertvoller Naturlandschaften entstehen kann.

Im Anschluss an die Filmvorführung kam Michael Succow gemeinsam mit Karl-Friedrich Abe, ehemaliger Leiter der Thüringer Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, Reinhard Kolb, langjähriges Mitglied der HGON, Torsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön und dem Publikum bei einer Podiumsdiskussion ins Gespräch.

Persönliche Erfahrungen, die Entwicklung des Naturschutzes in der Rhön sowie die Frage, wie Schutz, Nutzung und regionale Entwicklung auch künftig zusammengedacht werden können, standen dabei im Mittelpunkt.

Der Abend bildete damit zugleich den thematischen Auftakt für die länderübergreifende Biosphärentagung am folgenden Tag.

Die Rhöner Landschaft gestern, heute und morgen

Nach der Begrüßung durch Torsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, richteten Staatssekretär Michael Ruhl, Landrat Bernd Woide und Bürgermeister Ronny Günkel ihre Grußworte an die Gäste. Durch das Programm führte Tim Frühling, Moderator und Wetteransager des Hessischen Rundfunks.

Am Vormittag richtete sich der Blick zunächst auf die historische Entwicklung der Rhön. Dr. Frank Verse vom Vonderau-Museum Fulda zeichnete die Besiedlung der Region von den Anfängen bis ins Mittelalter nach.

Auch Prof. Dr. Michael Succow brachte sich mit einem eigenen Vortrag in die Tagung ein. Darin beleuchtete er das Nationalparkprogramm der DDR und dessen Bedeutung als eine Grundlage für die Entstehung des heutigen länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservats Rhön.

Succow schlug zugleich eine Brücke von den historischen Anfängen des großflächigen Naturschutzes zur heutigen gemeinsamen Verantwortung für die Rhöner Natur- und Kulturlandschaft. Damit sorgte er für Gänsehautmomente und das Publikum dankte ihm mit Standing Ovations.

Karl-Friedrich Abe, ehemaliger Leiter der Thüringer Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, zeigte den historischen Wandel des Landschaftsbildes durch die Landnutzung in der Thüringer Rhön und stellte Bezüge zu Bayern und Hessen her.

Weitere Beiträge widmeten sich dem Arten- und Naturschutz im Wandel sowie Hutungen und Hutebäumen als charakteristischen Elementen der Rhöner Kulturlandschaft.

Am Nachmittag rückten aktuelle und zukünftige Herausforderungen stärker in den Vordergrund. Prof. Dr. Andreas Mengel von der Universität Kassel stellte das Landschaftsentwicklungskonzept für den hessischen Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön vor.

Prof. Dr. Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim widmete sich dem Naturschutz in der Klimakrise und der Frage, was „Survival Ecology“ für das Biosphärenreservat Rhön bedeutet.

Mit „Hecken 2.0“ nahm Michael Diestel von Agrokraft die Renaissance eines Landschaftselements zwischen Naturschutz und Wirtschaftlichkeit in den Blick.

Katharina Bach vom Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld stellte zudem die „Schwammlandschaft Streu-Saale“ vor. Podiumsdiskussionen und Talkrunden boten Raum, die unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die zentrale Frage ist nicht, ob sich die Rhön verändert, sondern wie dieser Wandel gestaltet wird. Wissen über die Geschichte der Landschaft, neue Ansätze für Natur- und Klimaschutz sowie der Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Menschen aus der Region sind dafür wichtige Grundlagen.

Oder, wie es an diesen beiden Tagen auf den Punkt gebracht wurde: „Eure Heimat ist ein Schatz – und diesen gilt es zu bewahren.“