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Wegweisende Konzepte für stürmische Zeiten: Fachtagung zur Krisenseelsorge

Mitteilung des Bistums Fulda

Angesichts wachsender globaler und gesellschaftlicher Spannungen gewinnt eine krisen- und traumasensible Seelsorge in Deutschland massiv an Bedeutung.

Vom 28. bis 30. Oktober 2026 kamen unter dem Titel „In der Krise begleiten – wenn die Zeiten unruhig werden“ Seelsorgerinnen und Seelsorger zu einer interaktiven Fachtagung im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg zusammen.

Unter den Teilnehmenden war auch Diakon Dr. mult. Meins G.S. Coetsier als Vertreter des Bistums Fulda, der auf ausdrückliche Empfehlung der Deutschen Bischofskonferenz entsandt worden war. Die wissenschaftliche und organisatorische Leitung der Tagung lag in den Händen von Dr. Thomas Franz vom Militärbischofsamt Berlin.

Im Zentrum der dreitägigen Konferenz standen wegweisende theologische und psychologische Konzepte zur Bewältigung von Extrembelastungen und Traumata.

Als Referenten führten Pfarrerin Claudia Thiel und Pfarrer Dr. Thomas Thiel durch das anspruchsvolle Programm, das eine Brücke zwischen theoretischen Grundlagen und konkreter seelsorglicher Praxis schlug.

Der Körper als Verbündeter und Grundlagen der Psychotraumatologie

Am Mittwochnachmittag startete die Tagung mit einer ersten Bestandsaufnahme zu Krisen in der pastoralen Arbeit. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Eröffnungstages lag auf der physischen Dimension von Stress.

Unter dem Leitgedanken „Unser Körper als stärkster Verbündeter“ wurden Methoden zur Bewältigung von Extrembelastungen präsentiert. Am Abend erhielten die Teilnehmenden im Rahmen eines freiwilligen Angebots eine praktische Einführung in die sogenannten Tension Releasing Exercises (TRE®).

Diese körperorientierte Technik zielt darauf ab, tiefsitzende Muskelspannungen und Traumablockaden durch ein natürliches Zittern des Körpers – also neurogen – zu lösen und die Selbstregulationsfähigkeit wiederherzustellen.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der wissenschaftlichen Vertiefung. Neben den Grundlagen der Psychotraumatologie setzten sich die Fachleute intensiv mit dem Phänomen der sogenannten Moral Injury (moralische Verletzung) auseinander, einer tiefen seelischen Wunde, die entsteht, wenn Menschen in Extremsituationen gegen ihre eigenen grundlegenden moralischen Werte handeln müssen oder Zeugen solcher Handlungen werden.

Zudem wurden die spezifischen Herausforderungen der Seelsorge in einem Kontext von Gewalt, Scham und Schuld sowie Fragen der Resilienz und Selbstfürsorge aus theoretischer Sicht beleuchtet.

Kamingespräch und Ökumenische Weitsicht

Ein praktisches Highlight war das abendliche Kamingespräch am Donnerstag, das von Dr. Thomas Franz moderiert wurde. Diakon Ulrich Wagenhäuser, Beauftragter für Notfallseelsorge im Bistum Würzburg, und Gudrun Heid, stellvertretende Leiterin des Würzburger GesprächsLadens, berichteten hier eindrücklich aus ihrem seelsorglichen Alltag an vorderster Front.

Die Diskussionen machten deutlich, wie unverzichtbar gut vernetzte, niedrigschwellige psychosoziale Notfallstrukturen (PSNV) im Ernstfall sind.

Zum Abschluss der Tagung am Freitag widmeten sich die Teilnehmenden einer biblisch-theologischen Vertiefung. Am Beispiel biblischer Klagepsalmen sowie der Traditionen um Hiob oder die Exodus-Erzählung wurde aufgezeigt, wie leidvolle Erfahrungen und existenzielle Krisen sprachfähig gemacht und in einen heilsamen Sinnzusammenhang integriert werden können.

Die Veranstaltung unterstrich die Aktualität des im September 2025 vorgelegten ökumenischen Rahmenkonzepts der Kirchen für den Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall (im März 2026 offiziell veröffentlicht).

Die Tagung in Würzburg hat gezeigt, dass die Kirche in Fulda und in ganz Deutschland entschlossen ist, ihre Seelsorgerinnen und Seelsorger frühzeitig und professionell zu qualifizieren, um Menschen auch in düsteren Zeiten verlässlich beizustehen und als „Stellvertreter für Hoffnung und Sicherheit“ zu agieren.