Gastbeitrag von Cornelia Grimm
Musik kann Erinnerungen wecken, beruhigen und Gefühle ausdrücken, für die Worte fehlen. Im Helios Klinikum Meiningen gehört sie deshalb inzwischen fest zur Begleitung schwer kranker Menschen.
Unter dem Titel „Klangmomente – Musik im Augenblick“ arbeitet die Klinik mit dem Meininger Max-Reger-Konservatorium zusammen. Dreimal pro Woche besucht Musiktherapeutin Ulla Goerge Patientinnen und Patienten auf der Palliativstation.
Mehr als 150 Menschen begleitet sie jedes Jahr. Dabei folgt die Musik keinem festen Programm. Entscheidend ist, was der einzelne Mensch in diesem Augenblick braucht.
Manchmal entsteht ein gemeinsames Lied, manchmal genügt ein ruhiger Klang. Auch vertraute Melodien, persönliche Erinnerungen oder ein besonderer musikalischer Wunsch können im Mittelpunkt stehen.
„Es gibt Begegnungen, bei denen sich die Stimmung innerhalb weniger Minuten verändert. Menschen, die zuvor sehr in sich gekehrt waren, beginnen zu erzählen, lächeln oder spielen selbst ein Instrument. Musik erreicht oft etwas, das sich mit Worten nur schwer ausdrücken lässt“, berichtet Frau Goerge.
Der Augenblick steht im Mittelpunkt
Der Name „Klangmomente“ beschreibt den Ansatz des Projekts: Es geht nicht um musikalische Leistung oder Perfektion, sondern um das bewusste Erleben des Augenblicks. Die Musik kann Trost geben, Unruhe lösen, Erinnerungen hervorrufen oder einfach Nähe schaffen.
Zum Einsatz kommen Instumente, wie Tongue Drum, Tischharfe, Kantele, Traumleier und Kalimba. Diese sind leicht zugänglich und können häufig auch von Menschen gespielt werden, die keine musikalischen Vorkenntnisse haben oder körperlich nur eingeschränkt belastbar sind.
Ob die Patientinnen und Patienten selbst musizieren, zuhören oder sich ein bestimmtes Musikstück wünschen, richtet sich nach ihrer persönlichen Situation.
Aus einem Versuch wurde ein festes Angebot
Ursprünglich war die Zusammenarbeit zwischen dem Helios Klinikum Meiningen und dem Max-Reger-Konservatorium als zeitlich begrenztes Projekt angelegt.
Die Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten, ihrer Angehörigen und der Mitarbeitenden zeigten jedoch schnell, welchen Wert die Musiktherapie in der Palliativversorgung hat. Inzwischen ist sie ein fester Bestandteil des therapeutischen Angebots.
Für diese Aufgabe bringt Frau Goerge eine besondere Qualifikation mit. Die am Max-Reger-Konservatorium beschäftigte Lehrerin ist sowohl ausgebildete Diplom-Musikpädagogin als auch Musiktherapeutin mit einer Spezialisierung zur palliativen Musiktherapie.
Dadurch verbindet sie musikalisches Können mit therapeutischer Erfahrung und einem feinen Gespür für die körperliche und seelische Verfassung der Patientinnen und Patienten.
„Auf einer Palliativstation kann es nicht darum gehen, möglichst viel zu tun. Entscheidend ist, genau wahrzunehmen, was einem Menschen guttut. Manchmal reichen wenige Töne, um einen sehr persönlichen Moment entstehen zu lassen“, sagt Frau Goerge.
Eine Kooperation, die beiden Partnern am Herzen liegt
Für das Helios Klinikum Meiningen und das Max-Reger-Konservatorium ist „Klangmomente“ zugleich eine besondere Aufgabe und eine echte Herzensangelegenheit.
Die Arbeit mit schwer kranken Menschen verlangt Einfühlungsvermögen, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, sich immer wieder neu auf die jeweilige Situation einzulassen.
Dass aus dem zunächst befristeten Projekt inzwischen ein festes Angebot geworden ist, zeigt, welchen Stellenwert die Musiktherapie für beide Partner gewonnen hat.
„In Meiningen unterstützt man sich gegenseitig. Mit dem Max-Reger-Konservatorium haben wir einen starken regionalen Partner an unserer Seite, der seine besondere Kompetenz dort einbringt, wo sie unmittelbar bei den Menschen ankommt.
Diese Zusammenarbeit zeigt, was entstehen kann, wenn Einrichtungen vor Ort ihre Kräfte bündeln“, sagt Claudia Holland-Jopp, Klinikgeschäftsführerin des Helios Klinikums Meiningen.
„Klangmomente“ macht zugleich sichtbar, wie im ländlichen Raum neue Angebote entstehen können, wenn Einrichtungen ihre unterschiedlichen Kompetenzen zusammenbringen.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht Technik oder Strukturen, sondern der Mensch, ein vertrauter Klang, eine gemeinsame Erinnerung oder ein Augenblick, in dem die Krankheit für kurze Zeit in den Hintergrund tritt.



