Werratal-Kaserne Bad Salzungen: Militärpfarrer Thomas Groß feierlich in Amt eingeführt

Gastbeitrag von Julia Otto

Mit einem festlichen Open-Air-Gottesdienst auf dem Gelände der Werratal-Kaserne ist Militärpfarrer Thomas Groß am 3. August in sein neues Amt eingeführt worden.

Der Geistliche übernimmt künftig die Militärseelsorge für die Bundeswehrstandorte Bad Salzungen, Gotha, Ohrdruf sowie Oberhof und Suhl. Zahlreiche Gäste aus Bundeswehr, Kirche, Politik sowie Familie, Freunden und Wegbegleitern nahmen an der Feier teil.

Die Amtseinführung wurde von Militärbischof Dr. Bernhard Felmberg vollzogen. Gemeinsam mit der Leitenden Militärdekanin Prof. Dr. Kerstin Lammer gestaltete er den Gottesdienst unter freiem Himmel.

Mitwirkende waren außerdem Hauptbootsmann Melanie Braun, Militärseelsorgeassistentin Antje Zimmermann, Stabsfeldwebel Tino Grams, Regierungshauptsekretärin Conny Segler und Militärpfarrerin Denise Scheel. Die Predigt hielt Thomas Groß.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Bläsern aus Bad Salzungen und Schweina unter der Leitung von Kantor Hartmut Meinhardt.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen biblische Lesungen, Gebete, die Einsegnung und die offizielle Einführung in das Amt. Thomas Groß predigte über den Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief (1. Korinther 12,1–27), in dem Paulus die Gemeinde als einen Leib mit vielen Gliedern beschreibt.

Der Bibeltext verdeutlicht, dass jeder Mensch mit seinen Gaben und seiner Persönlichkeit einen unverzichtbaren Platz in der Gemeinschaft hat und mit seiner besonderen Aufgabe zum Leben und Zusammenhalt des Ganzen beiträgt.

In seiner Einführungsansprache würdigte Militärbischof Dr. Bernhard Felmberg den Lebensweg des neuen Militärpfarrers und beschrieb, welche Aufgabe Militärseelsorge heute erfüllt.

Soldatinnen und Soldaten benötigten Menschen, die ihnen aufmerksam begegnen und ihnen in belastenden Situationen zur Seite stehen.

„Wenn Soldatinnen und Soldaten zu Ihnen kommen, dann brauchen sie niemanden, der ihnen sofort eine theologische Abhandlung hält. Sie brauchen ein offenes Ohr. Ein von Gott gewecktes Ohr, das nicht wertet, sondern aufnimmt. Das nicht unterbricht, sondern aushält“, sagte Felmberg.

Besonders hob der Militärbischof den beruflichen Werdegang von Thomas Groß hervor. Der in Weißenfels geborene und in der Nähe von Naumburg aufgewachsene Pfarrer absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Steinmetz, bevor er Theologie studierte.

Dieses Handwerk griff Felmberg als Bild für die seelsorgliche Arbeit auf: „Ein Steinmetz muss ein exzellentes Ohr und ein scharfes Auge für sein Material haben. Wer den Stein nicht hört, wer seine Struktur und seine Bruchlinie nicht versteht, der wird ihn mit einem falschen Schlag zerstören.

Wie sehr gleicht diese Handwerkskunst der Seelsorge. Auch die Seelen der Menschen, denen Sie begegnen, können durch die Härte des Dienstes manchmal wie versteinert wirken. Sie verschließen sich, um zu funktionieren.

Als Militärpfarrer brauchen Sie die Geduld und die Präzision eines Steinmetzes. Sie müssen die verborgenen Risse erkennen, an denen das Licht der Gnade Gottes einfallen kann.“

Dr. Bernhard Felmberg erinnerte zudem an den Wehrdienst von Thomas Groß als Bausoldat in den Baueinheiten der Nationalen Volksarmee der DDR.

Die damalige Entscheidung gegen den Dienst an der Waffe sei Ausdruck einer persönlichen Gewissensentscheidung gewesen und verleihe seinem heutigen Dienst besondere Glaubwürdigkeit.

Wer Fragen von Frieden, Verantwortung und Gewissen selbst existenziell durchlebt habe, könne Soldatinnen und Soldaten auch in den ethischen Herausforderungen ihrer Zeit authentisch begleiten.

Mit der Einsegnung und der Übergabe der seelsorglichen Verantwortung wurde Thomas Groß offiziell in sein neues Amt eingeführt. Als Militärpfarrer begleitet er künftig Soldatinnen und Soldaten sowie ihre Angehörigen in persönlichen, familiären und ethischen Fragen.

Die Militärseelsorge steht allen Angehörigen der Bundeswehr offen – unabhängig von ihrer Konfession oder Religionszugehörigkeit.
Beim anschließenden Empfang im Panzergrenadiersaal begrüßte die Leitende Militärdekanin Prof. Dr. Kerstin Lammer die Gäste.

Sie griff die Botschaft des Gottesdienstes auf und betonte die Aufgabe der Militärseelsorge: „Wir haben gehört: Es geht darum, den Mut, die Kraft und die Gewissheit zum Leben zu stärken.“

Auch der Erste Stellvertreter des Superintendenten des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach, Martin Weber, die Zweite Stellvertreterin des Superintendenten, Franziska Freiberg, sowie Pfarrer Karl Weber aus Bad Salzungen hießen den neuen Militärpfarrer willkommen und sicherten ihm die Unterstützung des Kirchenkreises zu.

„Wir sind sehr froh, dass Sie hier sind und für die Soldatinnen und Soldaten Ansprechpartner und Begleiter sein wollen“, sagte Martin Weber in seinem Grußwort.

Zugleich dankte er den Angehörigen der Bundeswehr für ihren Dienst und betonte die gewachsene Zusammenarbeit zwischen Kirchenkreis, Stadt Bad Salzungen und der Werratal-Kaserne.

Der Kirchenkreis wolle Thomas Groß bei seinem Dienst begleiten und unterstützen. „Wir hoffen und beten, dass Sie hier gut ankommen und gerne hier sind“, sagte Weber und wünschte dem neuen Militärpfarrer Gottes Segen für seine Aufgabe.

Mit der Amtseinführung beginnt für Thomas Groß ein neues Kapitel seines seelsorglichen Wirkens. Sein Dienst führt ihn an Orte, an denen Menschen Verantwortung für Frieden und Sicherheit tragen.

Dort will die Militärseelsorge zuhören, begleiten und Orientierung geben – gerade in einer Zeit, in der Fragen nach Verantwortung, Gewissen und Frieden viele Soldatinnen und Soldaten besonders beschäftigen.