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Herzenswege in Sünna: Aus Fremden wurden Mitgestalter

Gastbeitrag von Diana Lapp

Mehr als 120 Menschen kamen am 26. September 2026 zu „HERZENSWEGE – Persien ganz nah: Menschen begegnen Menschen“ ins Bürgerhaus Sünna.

Was mit gemeinsamen Vorbereitungen begann, wurde zu einem lebendigen interkulturellen Begegnungstag mit Kunst, Musik, Tanz, Essen und persönlichen Geschichten.

Im Rahmen der Interkulturellen Woche hatte die KulturZeit des SV Kali Unterbreizbach e. V. zu diesem besonderen Tag eingeladen. Die Idee: Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln und Lebenserfahrungen zusammenzubringen – nicht nur als Gäste, sondern als Mitgestalter.

Schon am Nachmittag füllte sich das Bürgerhaus mit Leben. Mitglieder des 1001 Nacht e. V., des Iranischen Literatur- und Kulturvereins aus Frankfurt, trafen ein.

Kunsthandwerkerinnen bauten ihre Stände auf, die Bilder der iranischen Künstlerin Roya Mirzaei fanden ihren Platz und in der Küche wurde gemeinsam vorbereitet.

Dazu kamen Freunde des Deutsch-Afrikanischen Bildungs- und Kulturvereins Erfurt sowie Familien aus Afghanistan, Iran, Turkmenistan und Georgien, die gemeinsam mit Unity Hub Bad Salzungen den Weg nach Sünna fanden.

Blumen, Stoffe, mehrsprachige Willkommensgrüße, Kunsthandwerk und persische Köstlichkeiten verwandelten das Bürgerhaus in einen kleinen bunten Basar. Kinder halfen beim Übersetzen, Erwachsene beim Dekorieren und Kochen. Die Begegnung begann lange vor dem offiziellen Abendprogramm.

Wenn Zurückhaltung der Neugier weicht

Für manche Familien war es ein großer Schritt, in ein unbekanntes Dorf zu fahren und Menschen zu begegnen, die sie noch nie gesehen hatten. Hinzu kam die schwierige Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dank des gemeindlichen Dorfbusses und Fahrer Klaus Führer konnten Gäste aus Bad Salzungen und Frankfurt teilnehmen.

Die anfängliche Zurückhaltung wich bald der Neugier und dem gemeinsamen Tun. Besonders deutlich wurde das beim Tanzen: Steffen Hertz, Tanzlehrer aus Immelborn, verlegte die reguläre Bachata-Stunde der KulturZeit kurzerhand ins Bürgerhaus.

Später erklangen iranische und afghanische Melodien. Menschen unterschiedlichen Alters tanzten gemeinsam im Kreis, klatschten und lachten. Tanzen braucht keine Übersetzung.

Auch das Essen wurde zum verbindenden Erlebnis. Oma Maphas und die Mitwirkenden des 1001 Nacht e. V. brachten persische Spezialitäten mit. Auf KulturZeit-Seite kümmerte sich insbesondere Irena Schiffhauer um die Zubereitung der persisch angelehnten Speisen.

Gemeinsam wurde vorbereitet, abgeschmeckt und angerichtet. Das vielfältige Buffet lud zum Probieren gegen eine Spende ein.

Kunst, Musik und persönliche Geschichten

Am Abend eröffneten Freunde des Deutsch-Afrikanischen Bildungs- und Kulturvereins Erfurt gemeinsam mit Mitra und ihrer Daf, einer iranischen Rahmentrommel, das musikalische Programm. Afssane sang, begleitet von Mitra, iranische Liebeslieder.

Ein besonders bewegender Moment gehörte der iranischen Künstlerin Roya Mirzaei. Sie stellte ihr Werk „Der Drache“ aus der Serie „The Resilient Army“ vor, das von Verletzlichkeit, unsichtbaren Wunden und gesellschaftlicher Ausgrenzung erzählt.

Auf Deutsch, einer für sie noch fremden Sprache, fand sie ihre eigenen Worte für eine sehr persönliche Geschichte. Gerade dieser Mut, sich mitzuteilen, berührte und machte ihre Kunst zum Ausgangspunkt für gegenseitiges Verstehen.

Anschließend nahm Joshua Steinberg die Gäste mit auf seine rund zweijährige Motorradreise durch verschiedene Länder bis in den Iran und über Osteuropa zurück in seine Heimat Wetzlos.

Seine Bilder und Erzählungen handelten nicht nur von Landschaften und Entfernungen, sondern vor allem von Gastfreundschaft, Vertrauen, unerwarteter Hilfe und Begegnungen mit unbekannten Menschen.

Begegnung braucht nicht Perfektion, sondern Zeit

Nicht alles verlief an diesem Tag nach einem festen Plan. Auch Licht, Ton und Videoprojektion mussten zu Beginn des Abendprogramms gemeinsam abgestimmt werden. Mit Geduld, Improvisation und gegenseitiger Unterstützung fanden sich Lösungen. Besonders Marko Köhler half dabei, die technischen Voraussetzungen zu schaffen.

Für uns als KulturZeit war auch das eine wichtige Erfahrung: Begegnung muss nicht perfekt organisiert sein, um zu gelingen. Manchmal entstehen die wertvollsten Momente ungeplant – beim gemeinsamen Tanz, in der Küche, durch ein übersetzendes Kind oder in einem Gespräch, das länger dauert als vorgesehen.

Rückblickend hätten wir uns für einzelne künstlerische und musikalische Beiträge sogar noch mehr Raum gewünscht. Denn echte Begegnung braucht neben Offenheit und guten Ideen vor allem Zeit.

Besonders gefreut hat uns die Rückmeldung unserer Gäste aus Frankfurt. Bei eigenen Vereinsveranstaltungen blieben sie häufig unter sich, erzählten sie, weil nur wenige Einheimische ihre Einladungen annähmen.

Umso wertvoller waren für sie die Begegnungen in Sünna. Eine Einladung zum Gegenbesuch nach Frankfurt wurde bereits ausgesprochen. Auch die Kontakte zu Unity Hub Bad Salzungen und unseren Freunden aus Erfurt möchten wir weiterführen.

Ein herzlicher Dank

Unser Dank gilt allen, die diesen Tag mitgestaltet haben: den engagierten KulturZeit-Akteuren und ihren Familien, dem 1001 Nacht e. V., dem Deutsch-Afrikanischen Bildungs- und Kulturverein Erfurt, Unity Hub Bad Salzungen, allen Künstlerinnen und Künstlern sowie den vielen Menschen, die ihre Zeit, Ideen, Geschichten und Offenheit eingebracht haben.

Für die finanzielle und praktische Unterstützung danken wir der Partnerschaft für Demokratie im Wartburgkreis, dem Amt für Integration des Wartburgkreises, der Gemeinde Unterbreizbach und der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt.

Die Förderung über die Partnerschaft für Demokratie wird durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und das Thüringer Landesprogramm „DENK BUNT“ ermöglicht.

Was bleibt, sind nicht nur Erinnerungen an einen bunten Abend. Menschen, die sich zuvor nicht kannten, haben gemeinsam vorbereitet, gekocht, übersetzt, getanzt, musiziert, geholfen und gelacht.

Aus Fremden wurden Mitgestalter. Aus Begegnungen entstanden Verbindungen. Herzenswege kennen keine Grenzen.