Schon im Sommer bunt – Trockenheit verändert die Wälder im Biosphärenreservat

Gastbeitrag von Lea Hohmann

Wer derzeit durch die Wälder der Rhön spaziert, entdeckt mancherorts bereits gelbe, orange oder braune Blätter.

Was auf den ersten Blick nach einem frühen Herbstbeginn aussieht, kann jedoch ein Warnsignal sein: Trockenheit. Bäume reagieren auf anhaltenden Wassermangel unter anderem mit vorzeitiger Blattverfärbung und Blattfall.

Besonders an warmen, trockenen Standorten wird sichtbar, wie sehr die Wälder unter den veränderten Witterungsbedingungen leiden.

Wenn der Ahorn schon im Sommer Farbe zeigt

Normalerweise beginnt die Herbstfärbung, wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken. Die Bäume bauen dann das grüne Chlorophyll in ihren Blättern ab und lagern wichtige Nährstoffe ein.

Dadurch werden andere Farbstoffe sichtbar – das Laub färbt sich gelb, orange oder rot. Der Baum bereitet sich damit auf den Winter vor und gewinnt wichtige Ressourcen für den nächsten Austrieb zurück.

Anders ist es, wenn sich einzelne Bäume bereits mitten im Sommer braun färben. Bei Trockenstress kann der Baum nicht mehr ausreichend Wasser aus dem Boden aufnehmen, die Feinwurzeln sterben ab.

Um Wasserverluste zu verringern, schränkt er seine Verdunstung ein. Die Blätter vertrocknen frühzeitig, werden gelblich oder braun und fallen ab. Bei Ahorn, Buche, Hainbuche und Linde werden solche Trockenschäden aktuell vielfach beobachtet.

„Wenn ein Ahorn im August plötzlich braune Blätter bekommt, ist das nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass der Herbst besonders früh kommt. Es kann vielmehr ein deutliches Signal sein, dass dem Baum Wasser fehlt. Der Wald zeigt uns damit sehr unmittelbar, was Trockenheit bewirkt“, erklärt Volker Bauer, Ranger im bayerischen Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön.

Wiederholte Trockenheit schwächt die Wälder

Die Folgen bleiben nicht auf einzelne Blätter beschränkt. Bäume, die über mehrere Jahre immer wieder unter Hitze und Wassermangel leiden, verlieren zunehmend an Widerstandskraft. Ihre Abwehr gegen Pilze und Schadinsekten kann geschwächt werden.

Der trockenbedingte Verlust an Feinwurzeln hemmt die zukünftige Aufnahme von Wasser und Nährstoffen und kann den Baum über Jahre schwächen.

Auch die natürliche Kühlung des Waldes nimmt ab, wenn immer weniger Wasser über die Blätter verdunstet. Damit kann sich das Waldklima zusätzlich erwärmen.

Besonders empfindlich reagieren Bäume, die an kühle und feuchte Bedingungen angepasst sind. In der Rhön betrifft das unter anderem die Fichte, die vielerorts bereits durch Trockenheit und Borkenkäfer geschädigt ist.

Aber auch die für die Rhön typische Buche und andere Laubbäume geraten bei wiederkehrender Trockenheit zunehmend unter Stress. Besonders schwierig sind die Bedingungen für junge Bäume: Ihre Wurzeln reichen noch nicht so tief und weit in den Boden und erreichen deshalb bei Trockenheit weniger Wasser.

„Ein Wald kann erstaunlich viel aushalten. Aber wenn Hitze und Trockenheit immer häufiger und über längere Zeit auftreten, kommen auch robuste Baumarten an ihre Grenzen. Wir sehen dann nicht nur einzelne braune Blätter, sondern Veränderungen im gesamten Waldökosystem“, so Volker Bauer.

Trockenheit erhöht die Waldbrandgefahr

Die Trockenheit macht den Wald gleichzeitig leichter entflammbar. Ausgetrocknete Gräser, Laub, Nadeln und kleine Äste am Waldboden können sich schnell entzünden.

Ein Funke oder eine achtlos weggeworfene Zigarette kann unter ungünstigen Bedingungen ausreichen, um einen Waldbrand auszulösen. Die Verwaltungsstellen des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön appellieren deshalb an alle Waldbesucherinnen und Waldbesucher, jetzt besonders aufmerksam und umsichtig zu sein.

Im Wald nicht rauchen, nicht grillen und kein offenes Feuer entzünden. Auch in Waldnähe sollte auf Feuer verzichtet werden. Fahrzeuge sollten ausschließlich auf dafür vorgesehenen, befestigten Flächen abgestellt werden, denn heiße Fahrzeugteile können trockenes Gras entzünden.

„Der Wald ist gerade bei Hitze ein wichtiger Ort für Erholung und Abkühlung. Umso wichtiger ist es, ihn jetzt zu schützen“, sagt Ranger Volker Bauer.

Die Entwicklung der Rhöner Wälder zeigt, wie eng Wasser, Klima, Waldgesundheit und der Schutz vor Bränden miteinander verbunden sind. Die Wälder sind Teil des natürlichen Wasserhaushalts der Rhön und zugleich selbst auf ausreichende Wasservorräte angewiesen.

Maßnahmen zum Wasserrückhalt und eine vielfältige, standortgerechte Waldentwicklung sind deshalb wichtige Bausteine, um die Wälder auch unter den Bedingungen des Klimawandels zu erhalten.