Gastbeitrag von Christopher Eichler
Rund 350 Einsatzkräfte, Statisten, Beobachter, Klinikmitarbeiter und weitere Beteiligte haben bei einer groß angelegten Übung eines Massenanfalls von Verletzten (MANV) im Bereich des Strandbades Breitungen das neue Einsatzkonzept des Landkreises Schmalkalden-Meiningen unter realistischen Bedingungen erprobt.
Simuliert wurde eine Schadenslage mit rund 80 Betroffenen. Nach der anschließenden ersten Auswertung ziehen die Verantwortlichen ein positives Fazit.
„Die Übung hat gezeigt, dass unser neues MANV-Konzept eine gute Grundlage für die Bewältigung einer solchen Großschadenslage bietet.
Besonders wichtig war für uns, die Abläufe nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern sie mit einer großen Zahl beteiligter Kräfte tatsächlich durchzuspielen“, sagt Johannes Schneider, Koordinator der Übung und Mitarbeiter für Zivil- und Bevölkerungsschutz im Fachdienst Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst des Landratsamtes.
Im Mittelpunkt der Übung stand die Abarbeitung der Lage mithilfe von Rettungsdienst und Katastrophenschutzeinheiten – von der Triage und Erstversorgung der Verletzten über die Koordination und den Abtransport bis zur Aufnahme in den Krankenhäusern.
Dabei waren neben Kräften aus dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen auch Einheiten aus benachbarten Landkreisen und kreisfreien Städten in Thüringen sowie aus Bayern beteiligt. Auch das Elisabeth Klinikum Schmalkalden, das Helios Klinikum Meiningen und die Geriatrie in Meiningen waren in die Übung eingebunden.
„Gerade bei einem Massenanfall von Verletzten ist es entscheidend, dass viele unterschiedliche Organisationen und Einheiten schnell zu einer gemeinsamen Einsatzstruktur finden. Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert“, so Schneider.
„Natürlich haben wir auch Punkte identifiziert, bei denen wir Abläufe noch weiter verbessern können. Genau dafür sind Übungen da.“
HEAT-Szenario realitätsnah erprobt
Das Szenario orientierte sich in seinem Schadensbild an einer sogenannten HEAT-Lage, also an der Handlungsempfehlung für Einsatzlagen im Zusammenhang mit Amok und Terror. Simuliert wurde jedoch kein vorsätzliches Gewaltgeschehen. Stattdessen verlor eine Person aus gesundheitlichen Gründen die Kontrolle über ihr Fahrzeug und fuhr über ein Veranstaltungsgelände. Ein bereits vor Ort befindlicher Streifenwagen konnte im Szenario unmittelbar feststellen, dass kein Terror- oder Amokgeschehen vorlag.
Damit konnte der Schwerpunkt der Übung auf der rettungsdienstlichen und katastrophenschutzseitigen Bewältigung der großen Zahl verletzter Personen liegen. Gleichzeitig stellte das dynamische Szenario die Einsatzkräfte vor realistische Herausforderungen bei der Koordination, Versorgung und Verteilung der Patienten.
Zusammenarbeit über Landkreisgrenzen hinweg
Insgesamt waren allein an der Einsatzstelle rund 200 Einsatzkräfte beteiligt. Hinzu kamen rund 80 Statisten, zwölf Beobachter sowie weitere Beteiligte. Die überörtliche Unterstützung spielte dabei eine wichtige Rolle. Kräfte aus verschiedenen Gebietskörperschaften mussten in die bestehende Einsatzstruktur integriert und koordiniert werden.
„Eine solche Lage können wir nicht allein mit den Kräften aus unserem Landkreis bewältigen. Deshalb ist es wichtig, dass auch die Zusammenarbeit über Landkreis- und Landesgrenzen hinweg funktioniert, wie es bei solchen Großschadenslagen üblich und erforderlich ist“, erklärt Schneider.
„Die Übung hat uns hier wertvolle Erfahrungen gebracht und gezeigt, dass wir auf einer guten Grundlage aufbauen können.“
Auch die Alarmierungs- und Kommunikationswege wurden im Rahmen der Übung überprüft. Die Erkenntnisse daraus fließen ebenfalls in die weitere Arbeit am Konzept ein.
Erkenntnisse fließen in neues MANV-Konzept ein
Das neue MANV-Konzept des Landkreises soll eine strukturierte und möglichst einheitliche Bewältigung von Einsatzlagen mit einer großen Zahl von Verletzten ermöglichen – unabhängig davon, an welchem Ort im Landkreis sich ein Schadensereignis ereignet. Gleichzeitig soll die reguläre rettungsdienstliche Versorgung der Bevölkerung möglichst aufrechterhalten werden.
Die ausführliche Auswertung der Übung erfolgt nun gemeinsam mit den beteiligten Organisationen und Beobachtern. Festgestellte Möglichkeiten zur Nachbesserung werden geprüft und, wo erforderlich, in das Konzept eingearbeitet.
„Entscheidend für uns ist, dass wir Erkenntnisse gewinnen unser Konzept weiterentwickeln können. Genau das ist Sinn und Ziel einer solchen Übung und genau das ist in Breitungen gelungen“, zieht Schneider ein positives Fazit.
„Wir haben gesehen, dass die Zusammenarbeit der beteiligten Kräfte sehr gut funktioniert. Gleichzeitig wissen wir jetzt noch genauer, an welchen Stellschrauben wir weiterarbeiten müssen. Damit sind wir für einen möglichen Ernstfall noch besser vorbereitet.“
Landrätin Peggy Greiser dankt allen Einsatzkräften, Statisten, Beobachtern, Klinikmitarbeitern und weiteren beteiligten der Übung.
„Sie alle haben uns die Möglichkeit gegeben, einen Ernstfall durchzuspielen, den wir uns natürlich nicht wünschen, auf den wir aber vorbereitet sein müssen. Mit der Übung konnte ein wichtiger Beitrag für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger geleistet werden“, so die Landrätin.






