Gastbeitrag von Jennifer Schellenberg
Wie bleibt unsere Gesellschaft im ländlichen Raum lebendig und wie gelingt ein guter Dialog auch bei schwierigen Themen? Eine starke Antwort darauf gaben über 70 engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Demokratiekonferenz in Bad Salzungen.
Die zentrale Botschaft: Demokratisches Zusammenleben erfordert konkrete Orte der Begegnung und mutige Menschen vor Ort. Der Wartburgkreis und die Stadt Eisenach setzen sich mit ihren „Partnerschaften für Demokratie“ genau dafür ein.
Um die demokratische Kultur in der Region zu stärken, kamen am Mittwoch, 30. September 2026, Akteure sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger in der Trinkhalle Bad Salzungen zur gemeinsamen Demokratiekonferenz der Partnerschaften für Demokratie Wartburgkreis sowie Eisenach und Wutha-Farnroda zusammen.
Zur Eröffnung machten Landrat Dr. Michael Brodführer und Ingo Wachtmeister, hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Eisenach, deutlich, worauf es aktuell ankommt. Der Landrat rückte dabei besonders den ländlichen Raum in den Fokus: „Wo Menschen weniger Möglichkeiten haben, sich zu begegnen und auszutauschen, kann auch demokratisches Leben schwieriger werden.
Deshalb macht sich der Wartburgkreis dafür stark, den Fokus auf die Entwicklung unserer Ortschaften und deren Zusammenleben zu richten und durch Initiativen zur Wiederbelebung von leerstehenden Gebäuden positive Impulse zu erzeugen und Zukunftsglauben zu stärken.“ Ziel des Landkreises sei es, ganz konkret Ortsgemeinschaften zu aktivieren und Engagement dort zu unterstützen, wo die Menschen leben.
Auf bestehendem Engagement aufbauen
Dass die Region dabei „nicht bei null startet“, bewies die Vorstellung der aktualisierten Situations- und Ressourcenanalyse für den Wartburgkreis durch Martin Arnold von der Wandelwerft. In intensiven Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden anschließend ihre Erfahrungen aus dem Alltag.
Dabei ging es vor allem um eine Kernfrage: Wie gelingt eine gute Streit- und Dialogkultur? Akteure lokaler Initiativen betonten hierbei die Wichtigkeit niedrigschwelliger Angebote und persönlicher Begegnungen – gerade auch um Menschen zu erreichen, die Begriffen wie „Demokratie“ mittlerweile mit Vorbehalten begegnen.
Dass gesellschaftliche Entwicklungen unmittelbar im Alltag ankommen, machte der eindrückliche Bericht einer 14-jährigen Schülerin deutlich. Sie schilderte ihre persönlichen Erfahrungen mit Homophobie im Schulalltag und warnte vor einer zunehmenden Normalisierung diskriminierender Einstellungen.
Perspektiven für die zukünftige Arbeit
Die Konferenz bot viel Raum für den offenen Austausch über Bedarfe, Projektideen und neue Kooperationen. Kevin Rodeck vom federführenden Amt der Partnerschaft für Demokratie im Landratsamt zog ein positives Fazit: „Die Diskussion hat eindrücklich gezeigt, wie viel Erfahrung bereits vorhanden ist. Gleichzeitig müssen wir uns immer wieder fragen, wie wir Menschen erreichen, die bisher keinen Zugang zu unseren Angeboten finden.“
Die gesammelten Ideen und Rückmeldungen fließen nun direkt in die zukünftige Strategie der Partnerschaften für Demokratie ein, um das Miteinander im Wartburgkreis nachhaltig zu stärken.