Zum Inhalt springen

Kaltennordheim: Ein Kreisheimattag, so wie man Heimatpflege mag

Gastbeitrag von Frank Hößel
(Folkloretanzgruppe Kaltenlengsfeld e.V.)

Das ein starkes Ehrenamt auf dem Gebiet der Heimatpflege lebendig ausgeführt wird, dass konnte man jüngst am 17. Oktober zum „Kreisheimattag“ zusammen mit dem „Tag der Tracht“ in Kaltennordheim besonders verspüren.

Der Landkreis Schmalkalden- Meiningen und die Folkloretanzgruppe Kaltenlengsfeld e.V. hatten gemeinsam dazu herzlich eingeladen.

Unter großer Resonanz konnten so ehrenamtliche Heimatkundler wie z.B. Bodendenkmalpfleger, Archäologen, Geologen, Flurnamenforscher, Ortschronisten, Wanderführer, Mundartfreunde, Trachtenforscher, Archivare und Ahnenforscher durch unsere Landrätin Peggy Greiser, Herrn Michael von der Stabstelle Kreisentwicklung und Frank Hößel von der Folkloretanzgruppe
Kaltenlengsfeld e.V. begrüßt werden.

Gleich zu Beginn überreichte Frau Peggy Greiser dem ausführenden Verein ein dankbares Geschenk des Landkreises für die Zusammenführung zweier Veranstaltungen auf dem Gebiet der Heimat und Kulturpflege.

Ute Philipp und Frank Hößel stimmten mit ihren Tischharfen gleich zu Beginn des Tagesprogrammes die Besucher mit auf ein interessantes Programm hin und überzeugten mit dem Titel „Freut Euch des Lebens“.

Monika Lessing aus Merkers hatte dazu eine Auswahl ihrer Trachtenpuppen und Handwerkskunst ganztägig zum Bestaunen aufgebaut. Eine unglaublich aufwendige Stickarbeit zum Brauchtum im Jahreslauf, hatte sie bereits ein Jahr zuvor angekündigt und
nun aus diesem Anlass fertiggestellt.

Wie sich das Gebiet der Rhön vor 20 Millionen Jahren und in der Folge des Vulkanismus veränderte, dazu referierte der hochgeschätzte Geologe Frank Gümbel aus Neidhartshausen am Beispiel eines Kratersees, dem „Klingser Maar“.

Dieses besondere geologische Naturdenkmal wurde beim Basaltabbau entdeckt und mit interessanten Belegen zur damaligen Pflanzen- und Tierwelt nachgewiesen. Die alte Fischburg auf dem Bergrücken des Höhn gilt zudem als ein spätmittelalterliches Kulturdenkmal.

Weiterhin hatte der bekannte und erfahrene Meininger Flur- und Ortsnamenforschernamenforscher Achim Fuchs zur Besiedlung unseres Gebietes viele Belege zusammengetragen und erforscht, dass es hier im Südthüringer Raum bereits eine slawische Besiedlung ab dem 8. Jahrhundert gab.

Die Ortsnamen mit den Endungen Wenden (Winden), -Itz und Gos- sind heute noch als Wortwurzeln vorhanden. Im benachbarten Fuldaer Land sind diese Belege ebenso gut nachweisbar und beweist auf ein sehr verbreitetes und gemeinsames Zusammenleben in der Besiedlungsgeschichte hin.

Thematisch konnte Hubertus Fritz vom Arbeitskreis Bodendenkmalpflege des Altkreises Schmalkalden ebenso sehr eindrucksvoll den
Archäologischen Wanderführer für Schmalkalden- Meiningen Nord vorstellen.

Dabei wurden u.a. der Altbergbau, Richtplätze, Landwehr und Wallanlagen Glashütten, Steinkreuze, Altstraßen und Hohlwege, Burg/Kirchenanlagen, Wüstungen, Grabhügel, Bewässerungssysteme, Schlösser und regionale Museen vorgestellt.

Diese sehr rege gut ausgebildete Arbeitsgruppe unter Leitung von Brigitte Zech haben viele Kulturgüter unserer Vorfahren wiederentdeckt und sich für deren Erhalt ehrenamtlich eingesetzt.

Es ist bereits das 19. Heft was das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie nun schon herausgebracht hat. Das nun für den Meininger Raum ein weiteres Heft entstehen wird, ist u.a. das nachhaltige Ergebnis dieses Arbeitstreffens. Interessenten zur Mitarbeit können sich bereits unter Tel. 03693/502297 anmelden.

Dass unsere Mundart ebenso eine respektvolle Wertschätzung in unserer Kulturpflege verdient, das hat Frau Dr. Christel Siegmund, wie schon seit vielen Jahren gewohnt, mit allen Mundartaktivitäten aus dem Landkreis akribisch gesammelt und vorgetragen.

Die Vielfalt der Veranstaltungen überraschte alle Zuhörer und zeigt das große Interesse zum Erhalt unserer Heimatsprache. Zudem verwies sie auf ihre und weitere gute Mundartliteraturen hin.

Sehr eindrucksvoll und vorbildlich blicken wir  diesbezüglich aber neidvoll auf die benachbarten Mundartfreunde aus dem Fuldaer Raum. Dort wurde bereits seit fast 25 Jahren das Osthessische Mundartarchiv (TOM) beim Medienzentrum Fulda ins Leben gerufen.

Fast alle Orte konnten sich hier mit Tonaufnahmen einbringen und ist inzwischen zu einem riesigen Wortschatz angewachsen und überrascht mit immer weitern neuen Ideen zum Erhalt der Rhöner Mundart.

Das Interessante daran ist auch, dass es für jedermann zu jeder Zeit abhörbar ist. Leider gibt es für unsere Gegend bisher keinen interessierten Träger für eine solche nachhaltige zusammenführende Projektidee!

Die Heimatsprache muss man letztendlich jeden Tag hören, um sie zu erlernen und langfristig zu erhalten. Den Bogen zum „Tag der Tracht“ am Nachmittag fand Frank Hößel mit dem Nachweis eines großen Trachtenfestes in Meiningen zur damaligen Landwirtschaftsausstellung im Juli 1925.

Der bekannte Kunstmaler Lilie organisierte dazu ein umfangreiches Thüringer Trachtenfest mit Festzug von über 1000 Trachtenträgern aus Bad Liebenstein bis ins Grabfeld und aus der Vorderrhön bis ins Werratal.

Dabei wurden viele landwirtschaftliche Arbeiten, u.a. die Flachsverarbeitung und Schnitterwagen mit prächtig gestalteten Festwagen in farbenfohen Bauerntrachten aufgezeigt.

Hier ein Auszug aus dem damaligen Pressebericht: „Vor allem erregten die Aufführungen der Trachtengruppen und des Musikvereins berechtigtes Aufsehen und zeigten, dass in unserer Landbevölkerung noch viel Sinn für Volkskunst steckt.“

Schade nur, dass nach 101 Jahren in der Meininger Stadtgeschichte dieses Jubiläum nicht bekannt wurde.

Alle ehrenamtlichen Referenten erhielten für Ihre ausdrucksstarken Vorträge durch Herrn Michael und Frank Hößel erstmalig eine anerkennende Wertschätzung überreicht. Während des Buffets gab es nun Gelegenheit zum Austausch und weiterem Kennenlernen
der anwesenden Heimatfreunde.

Wichtig dabei war auch, dass sich Interessierte für ein Netzwerk in eine ausliegende Liste eintragen konnten. Als besonderen Höhepunkt hatten der Heimat und Geschichtsverein „Merlins“ Kaltennordheim e.V. unter Leitung von Carola Schmidt in das naheliegende Heimatmuseum zur Besichtigung eingeladen.

Frau Claudia Greifzu führte dazu mit Ihr und Unterstützung von Christel Wenk durch das heimatliche Museum. Ganz erfreulich war dabei die kurz zuvor fertig sanierten neuen Räumlichkeiten mit einer schönen Trachtenausstellung.

Hier ist unsere Rhöner Heimatgeschichte ebenso mit viel Herzblut zu erfahren. Ein großes Dankeschön zur Ausrichtung gilt somit auch den Mitgliedern des Geschichtsvereins „Merlins“ Kaltennordheim.

Wenn man ein Fazit wagen darf, kann man schon jetzt auf die nächsten Kreisheimattage hoffen, dass es weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit jüngeren Geschichts- und Heimatfreunden in allen Arbeitsgruppen geben muss.

Ihre respektvolle Anerkennung zur ehrenamtlichen Heimatpflege bezeugte bereits unsere Landrätin Peggy Greiser und hoffen
ebenso auf die Unterstützung auf kommunaler Ebene. Eine weitere Bewerbung zum Kreisheimatpfleger ist über das Landratsamt Schmalkalden- Meiningen ausdrücklich erwünscht.

Allen Referenten, Helfern, Vereinsmitgliedern, Freunde und Besuchern sei nochmals recht herzlich gedankt. Ebenso für die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen.