Zum Inhalt springen

Kaltennordheim: Was Freude macht zum Tag der Tracht

Gastbeitrag von Frank Hößel
(Folkloretanzgruppe Kaltenlengsfeld e.V.)

Bereits zum dritten Male veranstaltete die Folkloretanzgruppe Kaltenlengsfeld e.V. diesen unvergesslichen Tag aus. Der Deutsche Trachtenverband e.V. hatte bereits vor 20 Jahren auf die Deutsche Trachtenvielfalt zur öffentlichen Wertschätzung in den verschiedensten Regionen aufmerksam gemacht.

Dazu wurden wertvolle Trachten deutschlandweit mit einem ausgewählten Trachtenpaar gekürt. Eine Besonderheit in der Rhön war diesmal, dass der „Kreisheimattag“ am 17.10.26 mit dem „Tag der Tracht“ einen höheren Stellenwert erlangte.

Viele weitgereiste Besucher vom Vormittag freuten sich schon auf das Programm am Nachmittag. Nach einer Rhöner Kaffeetafel mit einem umfangreichen Kuchenbuffet wurden die Gäste und Teilnehmer frohgelaunt durch den Vereinsvorsitzenden recht herzlich begrüßt.

Die „Rhönharfen“ eine vereinseigene Musikgruppe, an diesen Tag unter Leitung von Thomas Betzer, spielte eindrucksvoll schöne Rhöner Weisen auf ihren 25-37 saitigen Tischharfen.

Die ausgewählten Heimatlieder aus der Feder von Andreas Fack, Walter Höhn, Kurt Schwarz sowie von Albert Handwerker bezeugten deren große Verbundenheit zur Rhön. Herr Betzer begleitete das Rhöner/ Fränkische Ensemble mit der Thüringer Waldzither, ein Zupfinstrument aus der Familie der Kastenhalslauten.

Diese Instrumentengattung wurde erst im Jahr 2025 in die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Pia Betzer verlas dazu einfühlsam anfangs ein schönes Gedicht über„die Tischharfen“ von Mitspieler Walter Hartung.

Im Vorfeld gab es noch ein gemeinsames Projekt, wobei unbekannte Rhönlieder mit bereits bekannten, in einer eigens für diese Zupfinstrumente hergestellten umfangreichen Notenmappe.

Diese entstand durch die musikalische Bearbeitung von Beate Schmidtke/ Berlin und ist nun unter Beatus Musik für Interessiere zu erhalten.

Zudem fertigte die Thüringer Trachtenjugend unter Leitung und Gestaltung von Dirk Koch einen neuen Trachtenkalender mit dem Thema „Historische Musikinstrumente“ an, wobei wir ebenso eine gute Zuarbeit leisteten.

Mit neuen Mundartbeiträgen für zwischendurch, konnte man den heimischen Dialekt von Frank Hößel lauschen. Unter Leitung von Marie Katrin Bittorf-Schmidt begeisterte die kleine Kindertrachtentanzgruppe mit einigen überlieferten Rhöner Tänzen, wie dem
wohlbekannten Schustertanz.

Mit klaren Stimmen überraschten zu mitgebrachten herbstlichen Melodien, unter Leitung von Anke Hopf, die lebenslustige Gesangsgruppe „Fröhlich Singen“ (Frösi) aus Wechmar. Einführend zum Vortrag von Monika Lessing spielten die Rhönharfen ein schönes Stück zur Frau Holle.

Passend dazu referiert Frau Lessing aus dem Reich der Mythologie, der damaligen Glaubensvorstellung, zum vorchristlichen Brauchtum, welches sich in der Folgezeit änderte oder teilweise bis heute erhalten hat.

Dabei forschte Sie sehr tiefgründig und zeigte das Brauchtum im Jahreslauf mit vielen regionalen Beispielen auf. Die Erntezeit
war dabei ein besonderer Schwerpunkt und man war damals mit der Natur viel mehr verbunden als heute.

So wurde z.B. die letzte Garbe auf dem Feld dem Korndämon überlassen oder man fertigte kunstvolle Strohpuppen daraus und verehrte diese mit einem bestimmten Ritual. Viele Lostage bestimmten auch entsprechende Bauernregeln.

Neben der Bühne konnten dazu Spinnradvorführungen und handwerkliche Strickerzeugnisse von Brigitte und Herbert Heller aus Bad Salzungen bestaunt werden. Beide sind auch Spezialisten in der Restaurierung alter Spinnräder und deren Vorführung.

Die ausgestellten „Hungerspinnräder“ waren wegen zwei eingebauten Spulen eine Seltenheit. Man war in früherer Zeit aus der Not heraus erfinderisch, um die Produktivität zu erhöhen. Es konnte also mit geschickten Händen eine Person gleich zwei Spulen füllen oder die Mutter lernte beizeiten der Tochter das damals überlebenswichtige Handwerk.

Der diesjährige feste Termin zum Tag der Tracht fiel mitten Ferienzeit. Nun kam die Idee auf, dass wegen der Tanzbesetzung einige Muttis mit ihren kleinen Töchtern einen gemeinsamen Tanzauftritt vorbereiten sollten.

Freundlicherweise begleitete der wohlbekannte Christian Stütz aus Unterbreizbach dazu live ohne vorherige gemeinsame Probe am Akkordeon die lusti getanzte „Sternpolka“ in Rhöner Tracht.

Für richte gute Stimmung sorgte er gleich im Anschluss in Begleitung seines Bassisten Andreas Knoepfler aus Bad Salzungen mit
einen wohlbeachteten Thüringer Volksliedermedley.

Wie einfache Volkstänze zur Erntezeit oder Kirmes getanzt wurden, zeigte nun die Folkloretanzgruppe Kaltenlengsfeld mit dem „Fröhlichen Kreis“ und dem „Waldreiter“ vor dem schönen Bühnenbild. So erfreute man sichtlich das Publikum mit ihren farbenfrohen Trachten.

Die Rhönharfen beschlossen nun den ersten Programmteil mit weiteren ausgewählten Rhönliedern. Das Thüringern Journal filmte sogar kurz vor Ort und brachte des Abends einen kleinen Beitrag dazu.

Der zweite Programmteil begann mit einem weiteren Hörgenuss. Die Musikfreunde aus Wechmar brachten die „Dulcimer“, eindrucksvoll auf die Bühne.

Dieses mittelalterliche Zupfinstrument, ursprünglich als Scheitholt benannt, hatte eine ganz eigene Klangvielfalt aus der Welt der Bordunzithern zu bieten.

Ihr bereicherndes und abwechslungsreiches Programm beschlossen sie passend mit dem gefühlvollen zur Stück „Ein schöner Tag“ auf ihren „Hümmelchen“ und in Akkordeonbegleitung.

Mit einer Zugabe und solistischen Gesang von Anke Hopf bleiben sie uns allen in guter Erinnerung. Mit viel Begeisterung standen nun die Folkloretänzerinnen wieder in Position, um eine Choreografie zum Blumenwalzer zum Besten zu geben.

Es folgte ein weiteres interessantes Mundartgedicht von Frank Hößel zum Leinsamen, was daraus alles entsteht und auch gebraucht wurde. Das Instrumentalduo Stütz/Knoepfler sorgte nun mit herbstlichen Rhythmen und Rhöner Stücken erneut für gute Stimmung
zum Mitsingen in den Saal.

Nun standen die Rhönhafen wieder mit ihren wohltuenden Klängen parat und spielten einige gekonnte Stücke aus dem Märchenwald. Dabei begleitete Pia Betzer eingangs solistisch gekonnt auf ihrer Flöte.

Die Rhöner Folkloretänzer überraschten nun alle mit einem flotteren Bühnentanz, dem „Tampet“. Dieser Thüringer Kolonnentanz wurde extra für diesen Tag wieder zusammengestellt, wobei jeder Tänzer/in sein Bestes gab.

Das spürte und honorierte das Publikum herzerfrischend mit Zugaberufen und erfreute alle Mittänzer.

Ein solcher Moment war nun der richtige Anlass, um Elmar und Sabine Kirchner für ihre 50- jährige aktive Vereinsmitgliedschaft würdevoll zu danken und zu ehren!

Das Publikum hatte lange durchgehalten und als Dankeschön war noch ein lustiger „Triowicklertanz“, getanzt von Vanessa Saal, Frank Hößel und Viola Göbel, schön anzusehen.

Am Ende des Programmes bedankte er sich als Vereinsvorstand bei allen Mitwirkenden, bei allen fleißigen Kuchenbäckerinnen, den Mittänzern und Musikfreunden für die vielen Probenstunden, Mathias Witzel für die gute Tontechnik, weitere verlässliche Helfer wie der Karnevals- und Kulturverein Kaltennordheim e.V., Geschichtsverein Kaltennordheim „Merlins“ Kaltennordheim e.V., dem Thüringer Landestrachtenverband e.V., dem Landkreis Schmalkalden- Meiningen, der Thüringer Ehrenamtsstiftung, VR Regional Bank, der AOK Plus, Herrn Hans Lessing für die Fotodokumentation und Herrn Seele sowie dem MDR für die gute Öffentlichkeitsarbeit.

Der „Tag der Tracht“ hat garantiert viel Lebensfreude entfacht!