Gastbeitrag von Rüdiger Christ
Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger verfolgten am Mittwochabend die öffentliche Sitzung des Gemeinderates Dermbach im Versammlungsraum des Schlosses.
Während die Tagesordnungspunkte eins bis sieben mit sachlichen Diskussionen, einigen Nachfragen und überwiegend einstimmigen Beschlüssen abgearbeitet wurden, rückte unter Tagesordnungspunkt acht ein Thema in den Mittelpunkt, das viele Familien und Einwohner der Gemeinde bewegt: die Zukunft der kommunalen Kindergärten, insbesondere der Einrichtungen in Neidhartshausen und Urnshausen.

Sinkende Kinderzahlen und hoher Investitionsbedarf
Bürgermeister Thomas Hugk (CDU) informierte den Gemeinderat über die aktuelle Belegung der sieben kommunalen Kindergärten sowie über die prognostizierte Entwicklung der Kinderzahlen in den kommenden Jahren. Er sprach von einer besorgniserregenden und angespannten Entwicklung.
Bereits in einer Information vom 14. Oktober 2026 hatte die Gemeinde auf sinkende Kinderzahlen und einen erheblichen Investitions- und Sanierungsbedarf hingewiesen. Demnach beträgt die derzeitige Auslastung aller vorhandenen Kindergartenplätze in der Gemeinde Dermbach nur noch rund 59,2 Prozent.
Besonders die hygienischen Anforderungen im Bereich der Betreuung von Kindern unter drei Jahren stellen die Einrichtungen in Neidhartshausen und Urnshausen vor Herausforderungen.
Bei einer Überprüfung im Rahmen des Betriebserlaubnisverfahrens waren nach Angaben der Gemeinde Mängel beziehungsweise Abweichungen von den geforderten Standards festgestellt worden. Insbesondere die notwendigen Maßnahmen in den Sanitärbereichen erfordern erhebliche Investitionen.
Die Gemeinde steht damit vor der Aufgabe, die gesetzlichen Anforderungen an den Betrieb der Einrichtungen mit der finanziellen Situation und der rückläufigen Zahl betreuter Kinder in Einklang zu bringen. Welche Konsequenzen daraus für die einzelnen Standorte folgen, war Gegenstand der anschließenden Diskussion.
Elternsprecherin wirbt mit eindringlicher Rede für den Erhalt der Kita
Besonders aufmerksam verfolgten die Besucherinnen und Besucher die Wortmeldung von Dr. phil. Stefanie Kiewitt-Straßburg aus Neidhartshausen. Als Elternsprecherin der Kindertagesstätte „Feldafrösche“ setzte sie sich mit einer ausführlichen Rede für den Erhalt der Einrichtung ein. Ihre Ausführungen wurden von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen.
„Sparen wir bei den Kindern, sparen wir an der Zukunft der gesamten Gemeinde“, betonte Kiewitt-Straßburg. Sie warnte davor, die sinkenden Kinderzahlen ausschließlich als rechnerisches Argument für eine Schließung zu betrachten.
Vielmehr müsse berücksichtigt werden, welche Folgen der Wegfall eines Kindergartens für die Entwicklung eines Dorfes und die Attraktivität der gesamten Gemeinde haben könnte.
Ein wohnortnaher Kindergarten sei für junge Familien ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Wohnortes. Fiele die Einrichtung weg, könnten sich zusätzliche Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ergeben.
Längere Fahrtwege, höhere Kraftstoffkosten und eine aufwendigere Organisation der Betreuung seien mögliche Folgen. Besonders Familien ohne eigenes Auto könnten angesichts der teilweise eingeschränkten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr vor zusätzlichen Problemen stehen.
Für den Kindergarten Neidhartshausen nannte die Elternsprecherin konkrete Zahlen: Bei einer genehmigten beziehungsweise angegebenen Kapazität von 30 Kindern würden derzeit 20 Kinder betreut.
Damit liege die Auslastung der Einrichtung über dem gemeindeweiten Durchschnitt von 59,2 Prozent. Außerdem gebe es nach ihren Angaben aktuell keinen Personalmangel in der Kita.

Eltern bieten Unterstützung und eigene Lösungen an
Die Elternsprecherin stellte nicht allein Forderungen, sondern unterbreitete dem Gemeinderat auch Vorschläge, wie die Gemeinde bei der Finanzierung und Weiterentwicklung der Einrichtung unterstützt werden könnte.
Dazu gehörten Eigenleistungen der Elternschaft bei der Instandhaltung und bei Veranstaltungen, die Gewinnung von Spenden örtlicher Handwerksbetriebe sowie die Suche nach öffentlichen Fördermitteln für notwendige Investitionen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem UNESCO-Biosphärenreservat Rhön könne nach ihrer Auffassung neue Perspektiven eröffnen.
Darüber hinaus warb Kiewitt-Straßburg dafür, kleinere Kindergärten nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt sinkender Auslastung zu betrachten. Überschaubare Gruppen, feste Bezugspersonen und eine individuelle Betreuung könnten aus ihrer Sicht pädagogische Vorteile bieten.
Für Neidhartshausen brachte sie unter anderem das Konzept eines eingruppigen, altersübergreifenden Kindergartens ins Gespräch.

Auch eine stärkere naturnahe Ausrichtung mit regelmäßigen Waldtagen, einem Gemüsegarten und weiteren Nachhaltigkeitsprojekten sei denkbar. Die Lage der Einrichtung in der Nähe der Felda, der umliegenden Felder und des Waldes biete dafür gute Voraussetzungen.
Eine solche Weiterentwicklung könnte nach den Vorstellungen der Elternsprecherin dazu beitragen, den Kindergarten als besonderen Bildungsort in der Region zu profilieren.
Sie verwies außerdem auf mögliche neue Finanzierungsansätze und Fördermöglichkeiten für kleinere Einrichtungen. Ob und in welchem Umfang diese Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden können, muss geprüft werden.
609 Unterschriften für den Erhalt
Im Anschluss an ihre Rede übergab Stefanie Kiewitt-Straßburg ein Schreiben an die Mitglieder des Gemeinderates. Dieses wird von einer Unterschriftenaktion getragen, an der sich nach ihren Angaben insgesamt 609 Bürgerinnen und Bürger beteiligt haben.
Die hohe Zahl der Unterschriften verdeutlicht, wie sehr die Zukunft des Kindergarten Neidhartshausen die Menschen vor Ort beschäftigt. Die Unterstützerinnen und Unterstützer sehen in der Einrichtung nicht nur einen Ort der Kinderbetreuung, sondern auch einen wichtigen Bestandteil des dörflichen Zusammenlebens.
Kiewitt-Straßburg verwies in diesem Zusammenhang auf gemeinsame Aktivitäten mit der Kirche, der Kirmesgesellschaft und den Senioren sowie auf Veranstaltungen für Eltern und Großeltern. Der Kindergarten schaffe Begegnungen, erleichtere neuen Familien den Anschluss an die Dorfgemeinschaft und fördere den Austausch zwischen den Generationen.
Ihre Botschaft an den Gemeinderat war deutlich, die Eltern wollten nicht tatenlos zusehen, sondern sich aktiv für den Erhalt der Einrichtung einsetzen. Dafür benötigten sie allerdings konkrete Informationen über die notwendigen Investitionen, die Kosten und die verfügbaren Zeiträume, um eigene Unterstützungsleistungen und mögliche Fördermittel zu organisieren.
Auch weitere Besucherinnen und Besucher meldeten sich mit kurzen Wortbeiträgen zu Wort und sprachen sich für den Erhalt der Kindergärten aus. Die Forderungen der Eltern fanden damit an diesem Abend eine breite öffentliche Unterstützung.

Bürgermeister sagt Prüfung der Vorschläge zu
Mehrere Gemeinderatsmitglieder äußerten Verständnis für die Anliegen der Eltern und signalisierten, dass die vorgetragenen Vorschläge sachlich geprüft werden sollten. Ziel müsse es sein, eine tragfähige Lösung zu finden.
Auch Bürgermeister Thomas Hugk zeigte Verständnis für die Forderungen der Eltern und sagte zu, ihre Hinweise und Vorschläge zu prüfen. Zugleich machte er deutlich, dass die Gemeinde die Vorgaben des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport berücksichtigen müsse.
Die Anforderungen an die Betriebserlaubnisse seien verbindlich. Wenn die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllt würden, könne das Ministerium seinerseits eingreifen. Die Gemeinde wolle deshalb die Kommunikation mit dem Ministerium suchen, um Möglichkeiten auszuloten, möglichst alle sieben Kindergärten zu erhalten.

Damit stehen sich zwei zentrale Anliegen gegenüber: Einerseits müssen die vorgeschriebenen Standards erfüllt und die dafür notwendigen Investitionen finanziert werden.
Andererseits wünschen sich Eltern und Bürger, dass bei allen Überlegungen die Bedeutung wohnortnaher Betreuung, die Lebensbedingungen junger Familien und der Zusammenhalt der Dörfer berücksichtigt werden.
Über die konkrete finanzielle Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen und die weiteren Konsequenzen für die Kindergärten sollte im anschließenden nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung beraten werden. Eine abschließende Entscheidung über die Zukunft der Einrichtungen wurde in der öffentlichen Diskussion damit noch nicht bekannt gegeben.
Diskussion über eine Straßenumbenennung
Im Rahmen des Tagesordnungspunktes „Informationen des Bürgermeisters/Sonstiges“ wurde außerdem die mögliche Umbenennung eines Teilstücks der Steinstraße angesprochen.
Anwohner wünschen sich, dass der betreffende Straßenabschnitt künftig „Poststraße“ und nicht „Postgasse“ heißen soll. Ein Anwohner trug die Forderung auch in der Sitzung vor. In dieser Frage zeichnet sich nach dem Verlauf der Diskussion eine Lösung ab, die dem Anliegen der Anwohner Rechnung tragen könnte.
Zum Abschluss dankte Bürgermeister Thomas Hugk den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern sowie den Mitgliedern des Gemeinderates für die sachliche und faire Atmosphäre des Abends.
Die Diskussion um die Kindergärten hat gezeigt, dass es bei der anstehenden Entscheidung nicht allein um Belegungszahlen und Investitionskosten geht.
Für viele Menschen steht zugleich die Frage im Raum, welche Rolle wohnortnahe Kinderbetreuung künftig für die Lebensqualität und die Entwicklung der Dörfer in der Gemeinde Dermbach spielen soll.
Wie die Gemeinde die gesetzlichen Anforderungen, ihre finanziellen Möglichkeiten und die Anliegen der Eltern miteinander vereinbaren kann, wird sich in den weiteren Beratungen zeigen.
Rede von Dr. phil. Stefanie Kiewitt-Straßburg zum Erhalt der Kita „Feldafrösche“ zum Nachlesen:









