HWK Südthüringen: Zoll-Konflikt mit den USA bedroht regionale Wirtschaft

Gastbeitrag von Stefan Studtrucker

Die Handwerkskammer Südthüringen, die rund 6.500 Handwerksbetriebe in der Region vertritt, blickt mit großer Sorge auf die jüngst implementierte Zollpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika unter Präsident Donald Trump.

Die angekündigten, neuen Handelsbarrieren bergen erhebliche Risiken für die überwiegend kleinen und mittelständischen Handwerksunternehmen in Südthüringen. Angesichts der potenziellen negativen Konsequenzen wirbt die HWK Südthüringen für eine besonnene Reaktion Deutschlands und Europas.

„Die Handwerksbetriebe in Südthüringen sind in besonderem Maße durch Importzölle und Konjunkturschwankungen gefährdet“, erläutert HWK-Hauptgeschäftsführer Alexander Voigt.

Der südthüringische Handwerkssektor sei überwiegend von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Viele dieser Betriebe seien auf importierte Rohstoffe, Komponenten oder Spezialwerkzeuge angewiesen.

„Importzölle würden die Kosten für diese Vorleistungen unmittelbar erhöhen, was die Gewinnmargen schmälern oder Preiserhöhungen für die Endverbraucher nach sich ziehen würde“, so Voigt. Zudem reagierten Handwerksbetriebe sensibel auf Konjunkturschwankungen und die Konsumausgaben der Bevölkerung.

Er erklärt: „In wirtschaftlich unsicheren Zeiten neigen Konsumenten dazu, Ausgaben für nicht lebensnotwendige Güter und Dienstleistungen zu reduzieren, was die Nachfrage nach handwerklichen Produkten beeinträchtigen kann.“

„Bereits ohne den nun drohenden Zollkonflikt ist die wirtschaftliche Lage für das südthüringische Handwerk angespannt“, hebt HWK-Präsident Mike Kämmer hervor.

Das Geschäftsklima habe im zurückliegenden Jahr einen Tiefpunkt erreicht, Aufträge und Umsätze seien in zahlreichen Branchen rückläufig. Zugleich zeige der Fachkräftemangel immer deutlicher spürbare Auswirkungen.

Eine Eskalation in den Beziehungen mit Deutschlands größtem Handelspartner würde diese wirtschaftlichen Härten noch weiter verschärfen“, warnt Kämmer.

Eine wachsende Zahl von Südthüringer Handwerkern sehe sich in diesen Tagen tief verunsichert, gerade auch angesichts historischer Erfahrungen: „Im Jahr 1930 erhoben die Vereinigten Staaten schon einmal Zölle auf zehntausende importierte Waren, um ihre Landwirte und ihre Industrie vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Die Folgen waren für die Weltwirtschaft verheerend“, erinnert der Präsident.

Damals sei der Welthandel binnen weniger Jahre massiv eingebrochen und sowohl in den USA, als auch in vielen anderen Ländern seien Arbeitslosigkeit und Unternehmensinsolvenzen angestiegen.

Die aktuelle US-Zollpolitik erinnere in ihren protektionistischen Tendenzen auf besorgniserregende Weise an diese dunkle Vergangenheit, mahnen die beiden Fürsprecher des Südthüringer Handwerks.

Besonders beunruhigend sei, dass heutzutage die Weltwirtschaft viel internationaler aufgestellt sei als vor einem Jahrhundert und dass die nun drohenden Zölle mehrfach höher seien als damals. Es sei von größter Bedeutung, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und eine Eskalation der Handelsbarrieren zu vermeiden.

Zwar sei der Ruf nach einer sofortigen, entschiedenen Reaktion verständlich, doch müsse ein umfassender Handelskonflikt um jeden Preis vermieden werden.

Ansonsten drohe das geplante Investitionspaket der neuen Bundesregierung wirkungslos zu verpuffen und ein weiterer, gegebenenfalls jahrelanger Abschwung. Geboten sei ein überlegter und strategischer Ansatz, der auf Deeskalation und Verhandlungen setzt.

„Der einzig gangbare Weg, um die negativen Auswirkungen der US-Zölle zu minimieren und einen eskalierenden Handelskrieg zu verhindern, liegt in einem proaktiven und diplomatischen Vorgehen der deutschen Regierung gegenüber den Vereinigten Staaten“, ist sich Hauptgeschäftsführer Alexander Voigt sicher.

Deutschland und die EU müssten den direkten Dialog und Verhandlungen mit der US-Administration suchen.

„Europa muss in diesen Verhandlungen mit einer Stimme sprechen, um seine große wirtschaftliche Bedeutung auch in eine starke Verhandlungsposition umzumünzen“, so Voigt.

Anstelle von breit angelegten Gegenzöllen empfehle es sich, den Fokus auf Bereiche zu legen, in denen Kompromisse und gegenseitige Vorteile möglich sind.

Dies seien beispielsweise spezifische Handelsungleichgewichte oder unlautere Praktiken, so auch im bisher kaum diskutierten Dienstleistungssektor, in welchem US-Firmen auch in Europa stark vertreten sind. Langfristig solle das Ziel eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA durch Dialog weiterverfolgt werden.

„Wir bekennen uns zu freiem und fairem Handel und fordern, Politik zu vermeiden, die zu wirtschaftlicher Not führen könnte, die an die verhängnisvolle Zollpolitik der 1930er Jahre erinnert. Es ist unsere Hoffnung, dass durch Dialog und gegenseitiges Verständnis eine rasche und friedliche Lösung dieses Handelskonflikts gefunden werden kann, um die Zukunft des südthüringischen Handwerks zu sichern“ so das Fazit von HWK-Präsident Mike Kämmer.

Er appelliert: „Die starken und langjährigen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA bilden ein solides Fundament für einen konstruktiven Dialog. Hierauf sollten wir aufbauen!“