Gastbeitrag von Anna-Lena Bieneck
Der Sommer beginnt, sich zu verabschieden – die Nächte werden länger. Für diejenigen, die sich gern vom Nachthimmel bezaubern lassen, ist das eine gute Nachricht.
Was die Sterne im September bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.
„Aus Tag und Nacht hat wohlbedacht, der Herr des Lebens die Welt gemacht!“ Mit diesen Zeilen beginnt ein Gedicht von Franz Grillparzer aus einer Zeit, in der die sternreiche Dunkelheit noch nicht künstlich vertrieben wurde.
Sie beschreiben treffend die natürliche Einheit von Tag und Nacht, die das Leben auf der Erde ermöglichte. Denn alles ist auf diesen Rhythmus eingestellt – von den Pflanzen über die Tiere bis hin zu den Menschen.
Am „Licht aus“-Wochenende während der zurückliegenden Sternenparkwochen durfte das Wohlbedachte wieder in den Rhöner Dörfern Einzug halten und sich so zeigen, wie die Natur es vorgesehen hat: Die Nacht ist schön – ob dunkel oder voller Sternen- und Mondlicht.
Tag und Nacht haben im September noch eine weitere Bedeutung: Am 22. September läutet die Tag-Nacht-Gleiche den astronomischen Herbstanfang ein.
Die Sonne wechselt dann von der Nord- auf die Südhalbkugel, und überall auf der Welt sind Tag und Nacht gleich lang– jeweils 12 Stunden. Auf der Nordhalbkugel der Erde werden die Nächte nun wieder länger und man kann endlich wieder früher Sterne gucken.
Die wunderschöne Sommermilchstraße und der himmlische Herbstaufgang
Dass der Frühling nun die entfernteste Jahreszeit ist, zeigt sich auch am Westhimmel, denn dort verabschieden sich die letzten Frühlingssternbilder wie der markante Sternen-Halbkreis der Nördlichen Krone.
Dafür ist es Mitte September schon dunkel genug, um in das schimmernde Band der Sommermilchstraße einzutauchen. Von Nordosten nach Südwesten spannt sie sich einmal quer über den Himmel, und schon mit bloßem Auge erkennt man Strukturen.
Richtung Südwesten mündet sie im funkelreichen Sternbild Schützen in ihr galaktisches Zentrum. In dieser Richtung sind auch die lichtschwachen Sommer-Sternbilder Steinbock und Wassermann zu finden.
Mitten in der Milchstraße und schon leicht nach Westen verlagert, befinden sich unverkennbar die hellen Sterne des Sommerdreiecks – bestehend aus den Sternen Atair aus dem Sternbild Adler, Wega aus dem Sternbild Leier und schließlich Deneb, der gigantische Schwanzstern des Schwans, in dessen Durchmesser unsere Sonne 200-mal passt.
Am östlichen Horizont nehmen nun die Herbststernbilder Platz – beginnend mit dem Sternbild Pegasus, dessen Bauch das gut erkennbare sogenannte Herbstquadrat formt.
Unterhalb im Sternbild der Fische leuchtet Saturn, der wunderschöne Ringplanet und letzte Planet in unserem Sonnensystem, den man mit bloßem Augen sehen kann. Jupiter und Venus bleiben der zweiten Nachthälfte und dem Morgengrauen vorbehalten.
Im Anschluss findet sich im Nordosten die Sternenkette des Sternbilds Andromeda mit dem berühmten Andromedanebel, der uns am nächsten gelegenen Galaxie.
Die Himmelsrunde weiterdrehend schließt sich dem Sternbild Andromeda das Heldensternbild Perseus an. Darüber thront das markante Himmels-W, die Cassiopeia, die Mutter der Andromeda. Und so hat auch der Herbst seine himmlischen Schätze – während der Große Wagen seine jährliche Talfahrt im Norden antritt.
Schon wieder der Mond – dieses Mal verfinstert
Was hat der Mond in diesem Jahr schon Blicke auf sich gezogen – als sogenannter Brach-, Erdbeer- und Heumond. Nun wartet der September-Vollmond als Erntemond mit einer besonderen Überraschung auf.
Er geht am Sonntag, 7. September, zur besten „Sendezeit“ um 20.15 Uhr bereits verfinstert auf, denn er befindet sich dann im Kernschatten der Erde.
Passend zum sonntäglichen TV-Programm passt dann auch endlich mal die neumodische Bezeichnung für eine totale Mondfinsternis: It’s Blutmond-Time.
Gegen 22 Uhr verlässt der Mond den Kernschatten und wird den Rest der Nacht wie gewohnt mit seinem silbrigen Licht die Rhöner Nachtlandschaft illuminieren. Der September beginnt mit dem Halbmond, die Neumond- und damit nicht sichtbare Position erreicht der Mond am 21. September.
September-Perseiden
Wenig bekannt sind die Epsilon-Perseiden, die im September auftreten und am 9. September ihr Maximum haben werden. Hierbei werden bis zu 10 Meteore pro Stunde erwartet.
In Ausnahmejahren wie 2008 oder 2013 konnten auch schon bis zu 30 Sternschnuppen pro Stunde gezählt werden.
In jeder klaren Nacht lohnt sich ein Himmelsanblick – irgendetwas gibt es immer zu sehen, selbst wenn es nur die beruhigende Dunkelheit ist.
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.