Himmelsvorschau: Besinnliches Sternenfunkeln & Weihnachten mit Sternschnuppen

Gastbeitrag von Anna-Lena Bieneck

Was uns die Sterne im Dezember bringen und warum es für besinnlichen Weihnachtszauber kein Kunstlicht braucht, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.

„Siehst du den Stern im fernsten Blau, der flimmernd fast erbleicht? Sein Licht braucht eine Ewigkeit, bis es dein Aug` erreicht.“

Wer ist nicht, wie Gottfried Keller, der Verfasser dieses Gedichts, fasziniert vom winterlichen schwarzen Firmament voll funkelnder echter Sterne? Kaum ein Monat eignet sich besser, dieses natürliche Funkeln wahrzunehmen – denn schließlich locken die Weihnachtsmärkte viele Menschen nach draußen.

Funkelkönig Sirius an Silvester

Nimmt man ein Fernglas zur Hand und betrachtet einen Stern, der noch tief am Horizont steht, wird man sehen, dass der ausgewählte Stern in allen Farben funkelt.

Ein Effekt, hervorgerufen durch unsere Atmosphäre, der jedes künstliche Plastik-LED-Licht um Längen aussticht und Ewigkeiten überdauern wird. Kein Stern vermag dabei so zu funkeln wie Sirius, der hellste Stern im Sternbild Großer Hund.

An Silvester steht Sirius zur Mitternacht im Süden und glitzert magischer als jedes irdische Kunstlicht in allen Farben. Nicht umsonst wird Sirius auch der Rainbow-Star genannt.

Sein Licht braucht keine Ewigkeit, bis es unser Auge erreicht – mit einer Entfernung von 8,6 Lichtjahren ist er auf unseren Breiten der nächst gelegene sichtbare Stern.

Wintersonnenwende im zunehmenden Mondlicht

Kurz vor Weihnachten passiert die Sonne am 21. Dezember um 16:03 Uhr den tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn – damit beginnt der Winter, und nach und nach werden die lichten Tagesstunden ganz allmählich wieder länger.

Wer aufmerksam beobachtet, wird merken, dass die Sonne im Winter zwar sehr tief steht, der Mond dafür sehr hoch. Das liegt natürlich an unserer Erdachsenneigung und unserem Umlauf um die Sonne.

Die winterliche Vollmondphase rund um den 5. Dezember spendet genug Naturlicht, um den Strom für die Straßenbeleuchtung und die ganze weihnachtliche Kunstlichtorgie einzusparen, wenn man keine Taschenlampe mit sich führt.

Mit Neumond am 20. Dezember wird die Weihnachtswoche dann von der zunehmenden Mondsichel verschönert.

Den gesamten Dezember über sieht man auch den strahlend hellen Planeten Jupiter in den Zwillingen am Osthimmel und Saturn im Südwesten. Am Himmel lassen sich die Planeten und Sterne gut unterscheiden – den Planeten funkeln nicht.

Der Sternenhimmel im Fernglas

Die natürlich und üppig illuminierte Sommer-Milchstraße spannt sich bereits am frühen von Nordost nach Südost. Im Zenit und Richtung Westen erkennen wir die markanten Sternbilder Kassiopeia, auch „Himmels-W“ genannt, die natürliche Lichterkette des Perseus, und etwas südwestlich Andromeda.

An guten Standorten kann man im Sternbild Andromeda mit bloßem Auge ein kleines, verwaschenes Fleckchen erkennen. Mit einem kleinen Fernglas – ein hervorragender Geschenktipp – offenbart sich die beeindruckende Struktur unserer Nachbargalaxie Andromeda, Heimat von ca. einer Billion Sonnen in einer Entfernung von 2,5 Millionen Lichtjahren.

Auch entlang des Perseus bietet die Tour mit dem Fernglas ein funkelndes Vergnügen. Hier zeigen sich mehrere Sternhaufen wie der berühmte Doppelsternhaufen h und χ Persei.

Wandert der Blick Richtung Osten, wird auffallen, dass die gesamte östliche Himmelshälfte nun reich an hellen Sternen ist. Und auch dort gibt es Weihnachtsbeleuchtung ohne Strom – wie die auffälligen Plejaden oder der offene Sternhaufen der Hyaden rund um den Stern Aldebaran im Stier oder der markante Himmelsjäger Orion.

Sternschnuppen – himmlisches Licht ohne Plastik

Wer sich nicht selbst mit leuchtenden Plastikprodukten den Sternenhimmel raubt, für den bietet der Dezember einen der spektakulärsten Meteorströme: die Geminiden mit ihrem Fluchtpunkt im Sternbild der Zwillinge, lateinisch Gemini.

Rund um das Maximum am 13. Dezember mit durchschnittlich um die 50 Sternschnuppen pro Stunde sind sie vom 4. bis 20. Dezember aktiv und bieten als Überbleibsel des Asteoriden (3200) Phaeton typischerweise die hellsten Sternschnuppen nach dem Maximum.

Das Schöne an den Geminiden ist, dass ihr Fluchtpunkt im Sternbild Zwillinge die ganze Nacht über sichtbar ist, weshalb man schon ab den frühen Abendstunden Sternschnuppen sieht.

Natürliche Helligkeit und Rücksicht auf die Gartenbewohner

Mit der hellsten Mondphase des Jahres, der Milchstraße, den hellen Wintersternen und den Sternschnuppen ist der Dezember gar nicht so dunkel, wie er oft beschrieben wird.

Wird uns dieses wahre Licht, wie die Menschen es schon zu Christi Geburt gesehen haben, aber nicht durch das viele Plastiklicht genommen? Und nimmt uns das Kunstlicht nicht damit auch den Blick auf das Wesentliche der Weihnachtszeit: Bescheidenheit und Besinnlichkeit?

Weniger Kunstlicht bedeutet mehr echtes Sternenlicht, und davon würden auch die Freudenbringer in unseren Gärten, die Singvögel, profitieren. Denn sie sind wie wir Menschen auf natürliche Nächte zur Erholung angewiesen.

Wir wünschen allen Sternenbegeisterten ein Frohes Fest und ein gutes Neues Jahr mit vielen dunklen Nächten und interessanten Beobachtungen.

Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.

Veranstaltungen im Sternenpark Rhön finden Sie auf www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark.