Schüchterner Superstar: Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres

Mitteilung des Landkreises Fulda

Dem Rebhuhn (Perdix perdix) wird im Jahr 2026 ein besonderer Titel zuteil: In einer bundesweiten Abstimmung ist es zum Vogel des Jahres gewählt worden.

Damit wird eine gefährdete Art ins Rampenlicht gerückt, die im Landkreis Fulda schon seit einigen Jahren besonders im Fokus steht. Das ist auch weiterhin notwendig.

Mit dem „Vogel des Jahres“ machen der NABU und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. (LBV) bereits seit 1971 gezielt auf eine Vogelart aufmerksam.

Mehr als 180.000 Menschen in ganz Deutschland haben sich diesmal an der öffentlichen Wahl beteiligt. Mit 44,5 Prozent hat das Rebhuhn deutlich gewonnen, gefolgt von der Amsel mit 26,6 Prozent, der Waldohreule mit 12,7 Prozent und der Schleiereule mit 11,7 Prozent.

Das Rebhuhn war im Landkreis Fulda einst weit verbreitet. In den vergangenen Jahrzehnten hat es allerdings stark an Boden verloren – im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Entwicklungen in der Landwirtschaft haben die Erträge, zum Beispiel beim Getreide, zwar fast verdoppelt, jedoch geht damit ein drastischer Lebensraumverlust einher.

Hinzu kommt die Flächenversiegelung: Seit den 1980er Jahren sind im Landkreis Fulda mehr als 6.000 ha landwirtschaftliche Fläche unter Siedlungs- und Verkehrsflächen verschwunden oder in Waldflächen umgewidmet worden.

So war für die Rebhühner immer weniger Platz. Ein gleiches Schicksal teilen mit ihnen nahezu alle weiteren Vögel des Offenlandes wie zum Beispiel Feldlerche, Kiebitz und Wiesenpieper.

Um dem Artenverlust auf vor allem ackerbaulich genutzten Flächen entgegenzuwirken, hat das Hessische Umweltministerium im Jahr 2018 das Sonderprogramm „Förderung von Leitarten der Feldflur“ gestartet, das in neun Gebieten umgesetzt wird.

Stellvertretend für viele weitere Arten stehen insbesondere Feldhamster, Grauammer und Rebhuhn im Mittelpunkt.

Seit 2021 beteiligt sich auch der Landkreis Fulda an dem Projekt. Seitdem engagieren sich immer mehr Landwirtinnen und Landwirte, um dem Rebhuhn neue Lebensräume zu schaffen.

Aktuell sind es 40 Betriebe, in diesem Jahr schließen sich voraussichtlich noch mal neun weitere dem Projekt an. Die Betriebe legen auf ihren Äckern Rebhuhn-Schutzflächen an.

Die lichten, strukturreichen Flächen werden mit einer speziell auf die Bedürfnisse des Rebhuhns abgestimmten Saatmischung (Göttinger Mischung) angelegt, die mehrere Jahre als Rückzugsraum dienen.

Außerdem wird ein Teil der Getreideernte stehen gelassen, um Nahrungsangebot zu schaffen, oder sie säen Kulturen in weiter Reihe statt breitflächig, damit das Rebhuhn neben Deckung auch ausreichend offene Bodenstellen und Insekten findet.

Die Projekte in Hessen enden voraussichtlich zum 31. Dezember 2026. Ziel im Landkreis Fulda bleibt dann aber auch weiterhin, das Rebhuhn und weitere von den Maßnahmen profitierende Arten langfristig zu erhalten.

Auch nach dem Projektende sollen ihre Lebensräume gesichert und weiter aufgewertet werden. Wichtigster Partner bleibt die Landwirtschaft.

Die fünfjährigen Vereinbarungen der Landwirtinnen und Landwirte werden über das HALM-2-Programm des Landes Hessen abgeschlossen und sollen voraussichtlich auch künftig möglich sein. Alle bislang getroffenen Vereinbarungen bleiben entsprechend ihrer Laufzeit und Inhalte gültig.

„Wer Interesse hat, mitzuwirken, kann also weiterhin gern Kontakt aufnehmen“, sagen die Projektverantwortlichen Jessica Eifert und Lisa Holz.

Mithelfen: Sichtungen melden

Um die Datenlage landkreisweit zu verbessern, ist die Mithilfe von engagierten Bürgerinnen und Bürgern gefragt. Das Projektteam bittet alle, die sich gern in der Natur aufhalten, um Unterstützung.

Wer Rebhühner gehört oder gesehen hat, kann die Sichtung an den Landkreis Fulda melden. Die Balz der Rebhühner beginnt je nach Witterung bereits im Februar.

Rebhühner sind tag- und dämmerungsaktiv, und nur sehr selten bekommt man sie zu Gesicht. Wenn sie sich zeigen, dann oft als Familie auf Nahrungssuche oder beim Sandbad in der Sonne.

Meist hört man aber nur den rauen Revierruf des Männchens in der Morgendämmerung. Mit ihrem speziellen Ruf werben die stolzen Rebhähne um die schönsten Hennen und stecken ihre Reviergrenzen ab.

Kontakt: jessica.eifert@landkreis-fulda.de oder lisa.holz@landkreis-fulda.de
Tel. 0661 6006-7940 oder -7943

Wichtig: Alle Wildtiere, insbesondere auch Tiere wie Rebhühner, die immer der Gefahr ausgesetzt sind, gefressen zu werden, müssen im Winter aufgrund der kalten Witterung und knapper Nahrung sehr mit ihrer Energie haushalten.

Schon die kleinste Störung durch Lärm oder Eindringen in ihre Lebensräume kann für sie lebensgefährlich werden. Jede Flucht kostet Kraft.

Wer in der Natur unterwegs ist – beim Spazierengehen, Radfahren oder Joggen – ist aufgerufen, Rücksicht zu nehmen. Hierfür gilt: Auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen und Lärm vermeiden.

Weitere Infos zum Projekt im Landkreis Fulda: www.landkreis-fulda.de
Aktuelle Infos zum Rebhuhn in Hessen: www.llh.hessen.de