„Spur & Abweg“: Autor & Rapper gestaltete Akademieabend zum Holocaustgedenken

Mitteilung des Bistums Fulda

Der 27. Januar steht weltweit für die Erinnerung an den Holocaust. Ein Akademieabend mit dem Autor und Musiker Kurt Tallert, bekannt auch als Rapper „Retrogott“, bildete den Abschluss einer Veranstaltungsreihe der Katholischen Akademie des Bistums Fulda rund um die Themen Antisemitismus, Erinnerungskultur und der Frage nach einem gelingenden Miteinander.

In unterschiedlichen Formaten wurde der Blick auf antisemitische Symbole und Sprache im Alltag gerichtet, auf Beispiele jüdisch-arabischen Zusammenlebens in Israel sowie auf eine literarische Annäherung an Familiengeschichte und die fortwirkenden Folgen der Shoah.

Kurt Tallert stellte bei dem sehr gut besuchten Akademieabend, der gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Fulda durchgeführt wurde, sein literarisches Debüt „Spur und Abweg“ vor.

Darin zeichnet er die Lebensgeschichte seines Vaters Harry nach, der im Nationalsozialismus als sogenannter „Halbjude“ verfolgt wurde.

Die biografische Erzählung verbindet Tallert mit seiner eigenen Auseinandersetzung mit Herkunft und Identität und macht sichtbar, wie die Erfahrungen der NS-Zeit bis in die Gegenwart hineinwirken.

Für „Spur und Abweg“ wurde der 40-Jährige mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis 2025 ausgezeichnet.

Nach der Lektüre von Briefe seines Vaters, die er in sein Buch einarbeitet, erinnerte sich der Autor an viele Szenen aus seiner Kindheit und Jugend.

Die Shoah und die Verletzungen seines Vaters und seiner Mutter waren ihm immer gegenwärtig: „Als ich mit sechs Jahren das erste Mal vom Holocaust hörte und begriff, dass mein Vater ein Überlebender war, identifizierte ich eine unendliche Leere als Teil meiner selbst“.

Dank der Briefe und Tonaufnahmen seines Vaters habe er, als Sohn eines Überlebenden, es vermocht, den Vater sehr viel besser zu verstehen.