Gastbeitrag von Anna-Lena Bieneck
Kaum ist es Nacht, da zeigt sich schon das schöne Sternbild Orion! Das fasst schon gut zusammen, was sich am Februar-Sternenhimmel zeigt.
Was die Sterne im Februar sonst noch bringen, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.
Doch bevor sich Orion am Himmel zeigt, lädt zunächst die Abenddämmerung ein: Wird es zu Beginn des Februars um 18:30 Uhr dunkel, ist es am Monatsende erst um 19:20 Uhr soweit, wenn die meisten schon zu Hause sind.
Also optimal für Feierabende im wunderschönen Dämmerungs-licht. Und noch vor den Hauptnachrichten lohnt sich gerade im Februar jede klare Nacht für einen astronomischen Himmelsausflug.
Auf eine Rundreise mit dem Wegweiser Orion
Schon mit Einbruch der Dunkelheit erscheint seine auffällige und mächtige Gestalt in Richtung Südosten. Und er ist ja nicht alleine, sondern rund um ihn herum zeichnen die jeweils hellsten Sterne der fünf umgebenden berühmten Winter-Sternbilder das sogenannte Wintersechseck, eine markante Sternenkonstellation.
Orion eignet sich hervorragend als „Navi zum“ Auffinden. Los geht’s: Verlängert man die drei Gürtelsterne des Orion nach oben, trifft man auf Aldebaran, den hellen rötlich leuchtenden Stern im Stier, der sein Auge markiert.
Etwas oberhalb befindet sich der wunderschöne Sternhaufen der Plejaden, auch das Siebengestirn genannt. Eine Verlängerung in die andere Richtung führt zum hellsten Stern am Himmel, Sirius.
Er ist Teil des Sternbilds Großer Hund und erwiesenermaßen der Funkelkönig am Himmel. Die Verlängerung von Orions linkem Schulterstern Bellatrix über Beteigeuze zeigt auf Procyon im Kleinen Hund, genau wie Sirius ein sehr sonnennaher Stern.
Eine Linie vom oberen Gürtelstern über Beteigeuze weist auf die beiden Hauptsterne der Zwillinge, Castor und Pollux. Im Sternbild Zwillinge hält sich momentan sehr auffällig auch der Riesenplanet Jupiter auf.
Und die Linie vom Mittelstern des Gürtels über den Stern zwischen Beteigeuze und Bellatrix führt fast direkt zu Capella, dem hellsten Stern im Sternbild Fuhrmann, fast im Zenit.
Vollendet wird das Wintersechseck durch Rigel, dem linken Fuß des Orion, der bläulich-weiß in mehr als 700 Lichtjahren Entfernung funkelt. Viel Spaß auf der Rundreise durch den Winterhimmel!
Vorfreude auf den Frühlingssternenhimmel
Die Herbststernbilder samt dem markanten Himmels-W, das Sternbild Cassiopeia, sind bereits Richtung Westen abgesunken.
Am Osthimmel dagegen machen sich mit voran-schreitender Nacht die Frühlingssternbilder bemerkbar, regelrecht von der Großen Bärin mit ihrem Großen Wagen mit nach oben gezogen.
Unterhalb des Wagens ist nun schon der Löwe mit seinem Hauptstern Regulus gegen 22 Uhr vollständig aufgegangen. Unter ihm leuchtet ein einsamer Stern: Alphard in der Wasserschlange, dem ausgedehntesten Sternbild am gesamten Firmament. Saturn gibt am westlichen Abendhimmel seine Abschiedsvorstellung, und Jupiter tritt weiterhin als Planet der gesamten Nacht auf.
Für besondere Showeinlagen sorgen im Februar aber die beiden inneren Planeten Venus und insbesondere der flinke Merkur, der für eine Sonnenumrundung nur 88 Erdentage braucht. Ein Auto müsste mehr als 172.000 km/h fahren, um so schnell zu sein.
In der Antike war der Wochentag Mittwoch Merkur, dem listigen Gott der Händler und Diebe, gewidmet, was man in romanischen Sprachen noch erkennen kann: Auf Französisch heißt Mittwoch „mercredi“ und auf Italienisch „mercoledi“.
In der römischen Mythologie überbrachte Merkur als Götterbote Nachrichten und führte Seelen in die Unterwelt. Er wurde oft mit Flügelschuhen und Caduceus-Stab dargestellt.
Am Aschermittwoch steht Merkur unterhalb der schmalen Mondsichel, und ganz tief am Westhorizont zeigt sich endlich wieder die helle Venus am Abendhimmel – was ein himmlisch schöner Abschluss der Fastnachtskampagne!
Die sich anschließende Fastenzeit wird begleitet von zunehmendem Mond, der am 2. Februar voll und am 17. Februar in der Neumondstellung ist. Eine Sternschnuppe im Februar zu sehen ist Glückssache, denn es ist der metoerarmste Monat.
Noch ein RAGDA-Nachwort auf die Polarlichter
Klarer Himmel, früher Abend und Neumond – das Glück kam zusammen, so dass wir die Polarlichter dank des überraschend aufgetretenen, starken und erdgerichteten Teilchen-stroms der Sonne im Januar erleben durften.
Das Netz ist voll mit Bildern davon. Doch dabei gab es eine echte Besonderheit, die wir bei den anderen Polarlichtereignissen in den letzten beiden Jahren auf unseren Breiten nicht gesehen haben: RAGDA-Polarlichter.
RAGDA steht für „Red Arc with Green Diffused Aurora“. Es beschreibt die inselförmigen grünen Fleckenformationen, die für wenige Sekunden am Himmel auftauchten und geisterhaft wieder verschwanden.
Obwohl man Polarlichter schon sehr lange beobachtet, wurde diese besondere Form erst 2018 von der finnischen Astronomin Emma Bruus entdeckt und später mit Hilfe von Satellitenbeobachtung und der Skywarden-Datenbanken untersucht, was zur teilweisen Klärung beigetragen hat.
Diese Forschungen zur Interaktion von Sonnenwindpartikeln mit unserer Atmosphäre sind sehr wichtig, denn unsere hochmoderne technische Infrastruktur kann von Sonnenstürmen empfindlich getroffen werden.
Das Wissenschaftsjahr 2023 war daher unter anderem auch dem Thema Weltraumwetter gewidmet. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet viele Informationen auf der Seite des Geoforschungszentrums Potsdam: https://www.gfz.de/weltraumwetter.




