Leserbrief: Kindergarten-Schließung in Pferdsdorf schwächt Zukunftsperspektive

Leserbrief von Pascal Schuchert
Vater aus Pferdsdorf

Zum Beitrag: Leserbrief: Kindergartenschließung Pferdsdorf – Zwischen Nostalgie & Verantwortung


Sehr geehrte Redaktion,

ich schreibe als Vater zweier Kinder aus Pferdsdorf. Mein Sohn ist vier Jahre alt, meine Tochter noch kein Jahr. Für uns ist die geplante Schließung des Kindergartens keine abstrakte Strukturfrage, sondern eine Entscheidung mit unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Familie und unseren Ort.

Der Bürgermeister betont, Entscheidungen müssten sich an Fakten orientieren. Das ist richtig. Zu diesen Fakten gehört jedoch auch die Frage nach der Verteilung von Lasten innerhalb einer Gemeinde. Denn auffällig ist: Während Sünna und Unterbreizbach ihre Kindergärten behalten, soll ausgerechnet in Pferdsdorf die letzte verbliebene Betreuungseinrichtung geschlossen werden.

Warum keiner der anderen? Warum trifft es erneut den kleinsten Ortsteil? Und warum soll Pferdsdorf künftig komplett ohne eigene frühkindliche Infrastruktur auskommen?

Diese Fragen bleiben unbeantwortet.

Für unsere Kinder bedeutet die Schließung einen erzwungenen Wechsel: neue Umgebung, neue Bezugspersonen, längere Wege. Für ein vierjähriges Kind ist das kein kleiner organisatorischer Schritt, sondern ein massiver Einschnitt in Stabilität und Alltag. Nähe, Verlässlichkeit und gewachsene Bindungen sind keine nostalgischen Argumente, sondern anerkannte Grundlagen frühkindlicher Entwicklung.

Es wird argumentiert, Kindergärten seien kein entscheidender Faktor für Wohnortentscheidungen. Für junge Familien im ländlichen Raum ist wohnortnahe Betreuung jedoch sehr wohl ein wesentliches Kriterium. Wer dem letzten Kindergarten eines Ortsteils die Grundlage entzieht, schwächt dessen Zukunftsperspektive – unabhängig von statistischen Modellen.

Sparsamkeit ist notwendig. Aber Sparsamkeit bedeutet nicht, dass immer dieselben Orte verzichten müssen. Wenn strukturelle Anpassungen unvermeidbar sind, sollten sie nachvollziehbar, fair verteilt und transparent begründet werden. Das Gefühl, austauschbar zu sein, entsteht nicht durch Emotionen, sondern durch Entscheidungen.

Besonders befremdlich ist der Ton, mit dem Kritik als romantisierend oder populistisch abgetan wird. Eltern, die sich für den Erhalt funktionierender Strukturen einsetzen, handeln nicht aus Nostalgie, sondern aus Verantwortung für ihre Kinder und ihren Wohnort.

Die Entscheidung soll morgen im Gemeinderat fallen. Umso wichtiger wäre es gewesen – und ist es weiterhin –, offen zu benennen, warum Pferdsdorf diese Last allein tragen soll. Ohne diese Erklärung bleibt der Eindruck, dass nicht alle Ortsteile gleich zählen.

Mit freundlichen Grüßen

Ein Vater aus Pferdsdorf
Pascal Schuchert


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