Leserbrief: Schließung des Kindergartens Pferdsdorf – Der Ton ist entscheidend

Leserbrief von Julia Beyrich
Mutter und Elternbeirätin des Kindergartens Pferdsdorf

Zum Beitrag: Leserbrief: Kindergarten in Pferdsdorf muss schließen – Der Weg ist entscheidend


Auch ich war bei der Gemeinderatssitzung am 3. Februar in Sünna anwesend. Ich bedauere sehr, dass Diskussionen wie die über die Schließung unseres Kindergartens zunehmend in den digitalen Raum verlagert werden.

So bleibt mir nun nichts anderes übrig, als mich ebenfalls auf diesem Weg zu äußern, denn es wurden Aussagen getroffen, die ich nicht so stehen lassen möchte.

Die Schließung des Kindergartens Pferdsdorf steht seit Jahren im Raum. Seit einem halben Jahr wird sehr intensiv über das Thema diskutiert.

Es fanden in ausreichender Zahl Angebote statt, um den direkten Austausch zu suchen: Es gab ein Treffen der Eltern mit Vertretern des Gemeinderates, es gab mehrere öffentliche Sitzungen des Gemeinderates und es gibt die regelmäßigen Sprechstunden des Bürgermeisters und der Ortsteilbürgermeister.

All diese Formate waren und sind Möglichkeiten, um Kritik zu äußern, Fragen zu stellen, eigene Ideen einzubringen und nicht zuletzt, um Statements vorzutragen. An dem Tag, an dem nach diesen langen Verhandlungen final über die Schließung des Kindergartens Pferdsdorf abgestimmt wird, ist es zu spät für Statements und Argumente.

Allzugern wird in solchen Diskussionen der Demokratiebegriff ins Feld geführt. Auffällig oft dann, wenn man sich selbst davon einen Vorteil verspricht oder sich ungerecht behandelt fühlt.

Was ist demokratisches Verhalten? Sich in Positionen hineinzuversetzen, die nicht immer der eigenen Meinung entsprechen. Dass ein von uns Bürgern gewählter Gemeinderat Entscheidungen trifft. Diese demokratisch getroffenen Entscheidungen zu akzeptieren.

Dass die Gemeinderatssitzungen im Wechsel in Unterbreizbach, Sünna und Pferdsdorf stattfinden. Dass Wahlen des Gemeinderates geheim stattfinden dürfen (nicht zuletzt, weil sich Gemeinderatsmitglieder womöglich durch die aggressive Stimmung in Verbindung mit der Schließung des Kindergartens bedroht fühlen).

Und selbstverständlich war es auch demokratisches Verhalten von uns Eltern, für unseren Kindergarten aufzustehen und zu kämpfen.

Was ist Rückgrat? Wenn man sich ehrenamtlich im Gemeinderat engagiert und Verantwortung für viele wichtige Themen in unseren Orten trägt. Wenn man dazu in der Lage ist, Kritik sachlich und persönlich bei den Entscheidungsträgern vorzutragen.

Auch ich bin sehr traurig über die Schließung unseres Kindergartens. Auch ich frage mich, ob man nicht hätte mehr tun können, um die Schließung abzuwenden. Und auch ich bin nicht mit allen Argumenten einverstanden, die in den letzten Monaten auf dem Tisch lagen.

Aber vor allem ärgert es mich, wie viel Energie in den letzten Monaten darauf verwendet wurde, nach Fehlern des anderen zu suchen und Menschen persönlich anzugreifen. Wie viel hätte man womöglich bewegen können, hätten Eltern, Erzieherinnen aller drei Kindergärten und die Gemeinde mehr an einem Strang gezogen und diese Energie in zukunftstaugliche Ideen investiert.

Vielleicht wäre der Kindergarten dann trotzdem geschlossen worden. Aber dann wären wir als gestärkte Gemeinschaft daraus hervorgegangen und würden nun nicht mit so einer vergifteten Atmosphäre auseinandergehen.


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