Anders schön – „Die Schöne & das Biest“ am Vachaer Gymnasium

Gastbeitrag von Jürgen Körber
(Förderverein des Seume- Gymnasiums Vacha)

Das Johann- Gottfried-Seume-Gymnasium in Vacha lebt die Kultur und besonders „die Faszination Theater“. So hieß es Anfang März „Theater, Theater, der Vorhang geht auf!“. Das Publikum erlebte eine fulminante Theateraufführung des neuinterpretierten Märchens „Die Schöne und das Biest“.

Unter dem Titel „#andersschön- Die Schöne und das Biest“ hatten DG- Kursleiterin Anne-Kathrin Gimpel-Schirmer und ihre aktuell dreizehn Schauspielelevinnen und -eleven in die schuleigene Aula ihres Gymnasiums eingeladen.

Schulleiterin Beate Dittmar eröffnete den unterhaltsamen Abend und freute sich sichtlich, dem erwartungsvollen Publikum, darunter Eltern, Großeltern, Geschwisterkinder und Schüler, mitteilen zu können, dass die Aula kürzlich mit nagelneuer Technik, darunter einer neuen Beleuchtungsanlage, ausgestattet werden konnte, selbstverständlich nicht, ohne den Unterstützern und Sponsoren ein herzliches und großes Dankeschön auszusprechen.

Anne-Kathrin Gimpel-Schirmer, seit Schuljahresbeginn Leiterin des Kurses Darstellen und Gestalten (DG) der Klassenstufe 10, begrüßte die Gäste und berichtete voller Stolz und Freude über das Engagement ihrer Schützlinge, „die mit Begeisterung, Ideenreichtum, Kreativität und mit viel Liebe zur Sache“, das weithin bekannte Märchen von der Schönen und dem Biest mit eigenen Texten neu interpretiert, selbst neu inszeniert und die Kostüme selbst kreiert hatten.

Ein Exkurs in die Geschichte des Märchens

„Die Schöne und das Biest“ („La Belle et la Bête“), ist ein traditionelles Volksmärchen aus Frankreich, dessen Ursprünge weit zurückreichen.

Die erste Veröffentlichung war eine Aufbereitung der Französin Gabrielle-Suzanne de Villeneuve, die bereits im Jahr 1740 erschien. Interessant, zu wissen, dass sich Motive aus dem Märchen „Die Schöne und das Tier“ bereits in Apuleius’ Erzählung von Amor und Psyche aus dem 2. Jahrhundert finden, so etwa die neidischen Schwestern, die Psyche glauben machen, sie sei mit einem Ungeheuer verheiratet.

Das Märchen von der Schönen und dem Biest (Tier) findet sich in den verschiedensten künstlerischen Gattungen, so in der Bildenden Kunst, der Literatur, dem Film, der Oper, dem Theater, dem Hörspiel, der Musik und dem Musical.

Neuinterpretation, Neuinszenierung und „Welturaufführung“

Die theaterschaffenden Gymnasiasten in Vacha orientierten sich an der französischen Fassung und den Produktionen aus den Walt Disney Studios, erarbeiteten weitgehend eigenständig die Texte, wählten die passende Musik und gestalteten auch die Kostüme und Requisiten selbst.

Die Handlungsmotive und die wesentlichen Protagonisten aus dem Ursprungsmärchen, wie der Prinz/das Biest, Belle, ihr Vater und ihre Schwester, Gaston und die Hexe/Fee finden sich durchgängig in der neuinterpretierten Version der Mitglieder des DG-Kurses.

In elf Szenen erlebte das begeisterte Theaterpublikum eine einzigartige, „anders schöne“, mit Humor und Wortwitz gewürzte Erzählung von der wundersamen Wandlung eines anfänglich arrogant daherkommenden, herrischen, in Liebesdingen gänzlich unbedarften, in einen empathischen, einfühlsamen und liebenswerten Prinzen, der sich letztlich die Zuneigung der Schönen verdient und dadurch seinen verzauberten Hofstaat und sich selbst vom Fluch der Hexe befreit.

Allerdings ist es bis dahin ein langer und beschwerlicher Weg. Die Geschichte beginnt mit einem prächtigen Ball im Schloss des Prinzen. Das Unglück nimmt seinen Lauf, als der missgestimmte Prinz die Bitte der Hexe, ihr ein Nachtlager zu gewähren, brüsk ablehnt und so ihren Zorn auf sich zieht.

Die Bestrafung mit einem Fluch, der den ganzen Hofstaat trifft, folgt auf dem Fuße. Der Prinz muss lernen zu lieben und geliebt werden, bevor die mitgebrachte Rose alle ihre Blätter verliert.

Währenddessen spielt sich in der Familie von Belle ein wahres Drama ab, als ihr Vater bei einer „Straßenkampfwette“ all sein Hab und Gut an Gaston, der in Belle verliebt ist, verliert.

Er begibt sich mit dem Ziel, Geld zu beschaffen, auf eine Reise, die ihn ins Schloss des Prinzen führt, wo er sich über die „Raufasertapete“ in den Zimmern wundert, sich mit dem „Kerzenständer“ Stress einhandelt, sich ungefragt am gedeckten Tisch bedient und versucht, die Rose des Prinzen zu stehlen, da Belle ihn um eine solche als Geschenk gebeten hatte.

Der in ein Biest verwandelte Prinz erwischt ihn und hält ihn zur Strafe im Schloss gefangen. Belle hatte sich zwischenzeitlich auf die Suche nach ihrem Vater begeben (sie war den Kieselsteinen gefolgt) und ihn im verwunschenen Schloss gefunden.

Um ihn zu retten, blieb sie an seiner statt beim Biest, wo sie sogleich von Lumiere, dem Kerzenständer, Herrn von Unruh, der Uhr, Madame Pottine, der Teekanne, Tassilo, der Tasse, dem Staubwedel und dem Kleiderschrank freundlich aufgenommen wurde.

Der Fluch der Hexe lastet schwer auf dem verzauberten Prinzen und seinem Gefolge; die Zeit vergeht und von der Rose fällt ein Blatt nach dem anderen, die Hoffnung auf Erlösung schwindet.

Die Gunst der nicht nur äußerlich schönen, starken, selbstbewussten und ihm auf Augenhöhe begegnenden Belle zu erringen, gelingt mit der recht plumpen Einladung zum gemeinsamen „Fußballgucken“ nicht wirklich, ja nicht einmal mit dem Vorschlag zu einem Spaziergang im Garten.

Doch beim gemeinsamen Besuch der Bibliothek findet sich eine verbindende Gemeinsamkeit, das Interesse an Büchern und am Lesen, auch wenn das Biest sich als „Harry Potter-Fan“ outet und Belle von den Märchen angetan ist. Gaston hetzt die Dorfbewohner auf, das vermeintlich böse Tier zu töten, es kommt zum Kampf, doch alle überleben.

Belle gesteht dem Biest ihre Liebe und erlebt die Erlösung vom Fluch der Hexe. Das Publikum bedankte sich bei den Protagonisten des unterhaltsamen Abends, die mit einem bemerkenswerten schauspielerischen Können, klarer Sprache, beeindruckender Mimik und Gestik, Gesang und Tanz, überzeugten, mit anhaltendem Beifall.

Mitwirkende:

DG- Kursleiterin:
Anne- Kathrin Gimpel- Schirmer

Darsteller:
Biest/Prinz: Niklas Körber
Belle: Marie Trappberger
Belles Vater: Paul Diegues
Belles Schwester Jaqueline: Cheyenne Schenk
Gaston: Nora Ellen Bohl
Lumiere (Kerzenständer): Maja Kellner
Herr von Unruh (Uhr): Anna Becker
Gastons Freund Lefou (der Verrückte): Susy Zeitzschel
Hexe/Fee: Saphira Voigt
Madame Pottine (Teekanne): Clara Behnke
Pottines Sohn Tassilo (Tasse), Klara Heß
Staubwedel: Laila Müller
Kleiderschrank: Madeleine Rosenstengel

Technik:
Benjamin Moos