Stimmgewalt beim Chorprojekt – Klang des Kreuzes erfüllte zwei Kirchen

Gastbeitrag von Kerstin Schuch

Ein Thema, ganz viele Stimmen: Mit großer Ausdruckskraft, musikalischer Vielfalt und spürbarer Hingabe hat der Projektchor „Der Chor“ am vergangenen Wochenende zwei Gottesdienste in Wüstensachen und Tann gestaltet.

Das Chorprojekt „Aufs Kreuz gelegt“ wurde dabei zu einem eindrucksvollen Zeugnis, wie tief die Botschaft des Kreuzes musikalisch berühren kann.

Was in nur drei Proben gewachsen war, entfaltete sich nun in voller Klangfülle: Über 120 Sängerinnen und Sänger aus der gesamten Region ließen die Kirchenräume zu dichten Klangräumen werden.

Eine kleine Band mit Ute Krönung (Saxophon), Thomas Frühinsfeld (Schlagwerk) und Thomas Nüdling (Klavier und Gesamtleitung) lotete die Spannweite des Kreuzesgeschehens eindrucksvoll aus – von der Klage der Tiefe bis zur Hoffnung der Erlösung.

Die Vertonung des Psalms 130 „Aus der Tiefe rufe ich zu dir“ von Thomas Nüdling, in Verbindung mit dem gelesenen Text, verlieh der menschlichen Sehnsucht nach Erlösung eindringlichen Ausdruck.

Das „Kyrie“ von John Leavitt verband klangvolle Bitte mit dem Bekenntnis zu Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen.

Das Glaubensbekenntnis gewann mit der Einbettung des Liedes „Das Kreuz, das uns Erlösung bringt“ (Anna Marita Engel / Thomas Nüdling) besondere Tiefe: In dichten Bildern wurde das Leiden Jesu nachgezeichnet – bis hin zu seinem letzten Wort: „Es ist vollbracht.“

Gerade in dieser Zuspitzung wurde deutlich, wie sehr sich im Kreuz Leid und Hoffnung sowie Tod und Leben durchdringen. Einen besonderen Akzent setzte das Lied „Holz auf Jesu Schulter“.

Im Wechsel von Chor und Gemeinde verdichtete sich die Botschaft des Kreuzes: Klage und Hoffnung trafen aufeinander – und mündeten in die österliche Bitte: „Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.“

Pfarrer Carsten Noll widmete sich in Wüstensachsen eigenen Grabessituationen: Die Erzählung von der Auferweckung des Lazarus (Johannesevangelium Kapitel 11, Verse 1 bis 45) sprenge menschliche Vorstellungen, zeige aber auch, dass der Tod nicht das letzte Wort habe.

Der Geist Gottes mache lebendig, lasse Steine wegwälzen, Totes hervorholen und ermutige zum nächsten Schritt im Leben.

Pfarrer Wilhelm Laakmann ging in Tann anhand der umgangssprachlichen Bedeutung des Projekttitels der Frage nach, wer denn eigentlich „aufs Kreuz gelegt“ worden sei und was das bedeute; theologisch sei die Frage offensichtlich.

Anhand eines Gedichts der Schauspielerin Erika Pluhar entfaltete er das Potential der Passion für den Alltag: Wider alle Vernunft stehe das „Trotzdem“ des Glaubens und eröffne hoffnungsvolle Perspektiven.

Am Schluss beider Gottesdienste stand der traditionelle Segen „Der Herr segne und behüte uns“ von Josef Schäfer, den Chor und Liturgen gemeinsam spendeten.

Der lang anhaltende Applaus am Ende der Gottesdienste war Ausdruck großer Dankbarkeit und Anerkennung der vielen Besucherinnen und Besucher für ein Projekt, das eindrucksvoll gezeigt hat, welche Kraft im gemeinsamen Singen und in der Botschaft des Kreuzes liegt.

Das nächste Projekt „Auf Flügeln…“ widmet sich Engeln und startet am 6. September.