Gastbeitrag von Helmut Käsmann
Schon in der zweiten Jahreshälfte sollen an der Nüst zwischen den Hünfelder Stadtteilen Nüst und Mackenzell die Bagger rollen.
Dies kündigte Bürgermeister Benjamin Tschesnok bei einer Infoveranstaltung zum Landesprogramm „100 wilde Bäche für Hessen“ im Nüster Bürgerhaus an.
Insgesamt sollen rund 1,6 Millionen Euro für das Projekt innerhalb der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie investiert werden.
Schöner Nebeneffekt dieses Naturschutzvorhabens aus Sicht des Bürgermeisters: Weil die Nüst zwischen dem Zufluss in die Haune und dem Nüsttaler Ortsteil Morles in das Programm „100 wilde Bäche“ des Landes Hessen aufgenommen wurde, kann das Vorhaben zu 100 Prozent aus Fördermitteln bestritten werden.
Durch die Maßnahmen ergibt sich eine Verbesserung des Hochwasserschutzes, weil innerhalb der Renaturierung die Aue wieder an das Gewässer angebunden wird und somit Retentionsräume geschaffen werden, die bei Hochwasser geflutet werden, Wasser zurückhalten, den Abfluss verlangsamen und somit die Ortslage von Nüst entlasten.
Wie Maria Treusch von der Hessischen Landgesellschaft, die das Projekt gemeinsam mit Stefan Albinger vom Tiefbauamt der Stadt Hünfeld betreut, berichtete, konnten die Grundstücksverhandlungen mit den Eigentümern mittlerweile so weit vorangetrieben werden, dass der erste Abschnitt zwischen der Bahntrasse unterhalb von Nüst bis zur Barockbrücke bei Mackenzell jetzt umgesetzt werden könne.
Sie zeigte sich sehr dankbar für die Aufgeschlossenheit der Eigentümer und die Unterstützung der Stadt. In den zurückliegenden drei Jahren seit der Auftaktveranstaltung in Nüst ist parallel zum Grunderwerb die sehr komplexe Planung vorangetrieben worden, wie Stefan Albinger betonte.
Er rechne damit, dass noch im Mai die endgültige Genehmigung vorliegen wird, sodass die Baumaßnahme in den folgenden Monaten ausgeschrieben werden kann. „Wenn nichts mehr dazwischenkommt, werden die umfangreichen Erdbewegungen im Herbst starten können“, sagte Albinger.
Der Gewässerlauf der Nüst soll nach der Renaturierung „um einige 100 Meter“ länger werden, weil das Bachbett stärker mäandern wird. Die tief eingeschnittene Gewässersohle der Nüst soll in vielen Bereichen angehoben und in der Breite vergrößert werden.
Abflussbarrieren, wie Wehre, werden zurückgebaut. Die teilweise vorhandenen Uferbefestigungen werden beseitigt und die Ufer abgeflacht, sodass bei höheren Wasserständen der Bach in der freien Landschaft leichter über die Ufer treten kann, um die Aueflächen zu fluten.
Um auch bei Niedrigwasser eine Wasserführung zu gewährleisten, werden in dem abgeflachten neuen Bett Niedrigwasserrinnen ausgebildet. Dort, wo der Verlauf verändert wird, sollen Altarme erhalten bleiben, um das Gewässer ökologisch aufzuwerten.
Außerdem sollen entlang der Nüst mehrere kleine Auenwälder entstehen, um das Gewässer zu beschatten und neue hochwertige Lebensräume zu schaffen.
In der abschließenden Diskussion zeigte Albinger auf, dass die Maßnahmen oberhalb der Ortslage vor Nüst einen spürbaren Einfluss auf die Wasserstände innerhalb der Ortslage haben werden.
Die Wasserstände werden innerhalb des Ortes geringer ansteigen, weil das Wasser vor Nüst zurückgehalten wird und langsamer abfließt.
In einem weiteren Abschnitt sollen auch Maßnahmen oberhalb der Barockbrücke von Mackenzell stattfinden, deren Planungen allerdings erst am Anfang stehen. Davon werden nach den Worten von Tschesnok dann auch die tieferliegenden Teile von Mackenzell profitieren.
Dort hatte die Stadt bereits entlang des Gewässers Molzbach eine Retentionsfläche geschaffen, um die Ortslage von Mackenzell im Hochwasserfall zu entlasten.

