Geschichte der „Ulstertalbahn“ – Eines der letzten Relikte in Günthers abgebaut

Gastbeitrag von Michael Knauf

Wie einige Eisenbahnfreunde berichteten, ist in der letzten Februarwoche 2026 das Empfangsgebäude des Bahnhofs in Günthers abgebaut worden. Das Gebäude befand sich im Privateigentum und wurde schon einige Zeit lang nicht mehr genutzt.

Am 1. Oktober 1909 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen der thüringischen Stadt Geisa und der hessischen Stadt Tann, mittels Lückenschluss eröffnet. Somit ging der Bahnhof Günthers an das Streckennetz.

Die Eisenbahnstrecke wurde der KED Frankfurt zugeteilt. Der Bahnhof Günthers erhielt die Stationsnummer 334 und war mit einer Seitenrampe ausgestattet und wurde als eine Agentur betrieben.

Ende der 1960er Jahre der Bahnhof in Günthers im Winter. Es gibt noch einige Güterkunden.

Der Bahnhof von Günthers lag im Kilometer 13,7 (Höhenangabe 331,234 m über N.N.) und verfügte über eine ähnliche Ausstattung wie der benachbarte Bahnhof von Motzlar in Thüringen. Das Empfangsgebäude befand sich auf der östlichen Ulsterseite.

Im Juli 1945 kam es durch die Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der anschließenden Teilung von Deutschland zu einer Unterbrechung der Ulstertalbahn zwischen Motzlar und Günthers.

Die Direktionsgrenze war jetzt die neue Zonengrenze. Ab dem 4. Oktober 1952 stellte man den Gesamtverkehr auf dem thüringischen Teil der „Ulstertalbahn“ ein und im Jahr 1953 wurde die Strecke demontiert.

Anfang der 1970er Jahre lief der Güterverkehr (Gmp) am Bahnhof in Günthers noch vereinzelt und nach Bedarf.

Sämtliche Eisenbahnanlagen sollen als Reparationsleistungen in die damalige Sowjetunion gekommen sein. Bis zum Sommerfahrplan 1958 verkehrten, von und nach Günthers, noch Schienenbusse (VT 95.91 und VT 98.95) mit einem Güterwagen bespannt (Gmpto).

Danach erfolgte die schrittweise Umstellung der Personenbeförderung auf den Busverkehr. Nur der Güterverkehr (Gmp) lief noch vereinzelt, gezogen von einer Dampf- oder Diesellok.

Bereits am 28. Mai 1961 wurde der Personenverkehr zwischen Hilders-Tann-Günthers komplett eingestellt. Ab dem 1. Mai 1977 kam es zur Einstellung des gesamten Schienenverkehrs zwischen Hilders-Tann und Günthers. Der Gleisabbau auf der Strecke Günthers-Tann-Hilders erfolgte anschließend im Jahr 1978.

Eingang des ehemaligen Empfangsgebäude des Bhf Günthers von der Zufahrtsstraße aus gesehen

Das Empfangsgebäude von Günthers nutzte man noch bis in die Wendezeit als Bahnhofsgaststätte. Es erfolgte dann später ein Weiterverkauf an Privatpersonen, welche einen Umbau planten.

Einige Zeit stand das Gebäude leer und der Zahn der Zeit nagte sehr an der Bausubstanz. Kürzlich kam es schließlich zum Abriss.

Quellen:

  • Stationsverzeichnis der Eisenbahn Europas, Verlag von Barthol & Co., Berlin Wilmersdorf, 1939
  • „Die Geschichte der Ulstertalbahn“, von Michael Knauf & Markus Schmidt, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2006, 2. Auflage 2018
Abriss Empfangsgebäude von Günthers aus Richtung Tann gesehen (Gleisseite)

am 28.02.2026 sind die Abrissarbeiten am Bhf in Günthers beendet