Gastbeitrag von Wolfgang Weber
Für ihre historische Auseinandersetzung mit dem Thema „Bis hierhin und nicht weiter – Grenzen in der Geschichte“ ist die Geschichtswerkstatt der Wigbertschule Hünfeld mit einem hessischen Landessieg beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten prämiert worden.
In der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahre konnte ihr Filmbeitrag über den authentischen Ort Point Alpha die Jury vollends überzeugen.
Im Rahmen eines Festaktes im Wiesbadener Landtag nahm die Delegation aus der Zuse-Stadt als Belohnung eine Urkunde und ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro von Landtagspräsidentin Astrid Wallmann und Bildungsminister Armin Schwarz entgegen.
Mit dem Wettbewerbstitel „Ein Grenzstreifen erzählt“ haben sich Mia Matussek, Ralf Zeitz, Carl Eddi Petter, Emil Dris und Valerius Handwerk von der Geschichts-Arbeitsgemeinschaft (AG) der Wigbertschule über mehrere Wochen hinweg mit dem unvergleichlichen Zeitzeugnis Point Alpha beschäftigt.
Neben Museumsbesuchen und Filmaufnahmen mit Kameras und einer Drohne im Außengelände standen vor allem Zeitzeugengespräche auf dem Programm. Daraus ist ein 30-minütiger Film entstanden, der historische Orte inszeniert und zu Wort kommen lässt.
Der Fischerhof, das Birkenkreuz, die Grenzzäune, der Wiesenfelder Turm und der Weg der Hoffnung erzählen selbst ihre Geschichte. Einblendungen von Bildern, Dokumenten und Fluchterzählungen bestätigen die historische Realität der kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema.
„Aus dem ganzen Material einen Film zu machen, war wirklich viel Arbeit. Aber es hat sich gelohnt“, freut sich Konstanze Lepel, eine der Tutorinnen der Gruppe.
Dass gerade die mediale Verarbeitung der Drohnen- und Kameraaufnahmen am interessantesten war, darüber waren sich die AG-Mitglieder einig.
Außerdem ist allen der kalte, aber sonnige Januarmontag in der Gedenkstätte Point Alpha in Erinnerung geblieben. Da montags die Gedenkstätte eigentlich geschlossen hat, war die AG die einzige Besuchergruppe.
„Das ermöglichte ein konzentriertes Arbeiten und einen individuellen Dialog mit dem Gelände und den Ausstellungsobjekten des Museums“, fasste Aline Gros, die zweite Tutorin der Gruppe und wissenschaftliche Mitarbeiterin von Point Alpha, zusammen.
Natürlich wurde der Landessieg am Tag der Preisverleihung in der hessischen Landeshauptstadt gebührend gefeiert – mit einem leckeren italienischen Mittagessen vor dem Besuch im Landtag und mit einem Empfang im Foyer des Landtags nach dem Festakt.
Zu dem tollen Erfolg gratuliert auch der Vorstand der Point Alpha Stiftung mit Benedikt Stock und Philipp Metzler: „Mit ihren Objekten und Ausstellungen hat sich die Gedenkstätte Point Alpha zu einem herausragenden außerschulischen Lernort für den Unterricht entwickelt.
Hier wird klar, dass historisches Lernen nicht nur etwas mit der Vergangenheit, sondern ebenso mit der Zukunft zu tun hat, mit Demokratie und Grundwerten.“
Über 500 Jugendliche aus Hessen haben 175 Recherchen und Referate, Filme und Aufsätze bei der Körber-Stiftung eingereicht. Diese befassten sich unter anderem mit der deutsch-deutschen Teilung, der Nachkriegsgeschichte und Entwicklungen verschiedenster Epochen in den Regionen.
Landtagspräsidentin Astrid Wallmann betont: „Der Geschichtswettbewerb regt junge Menschen dazu an, sich eingehender mit einem bestimmten historischen Thema zu beschäftigen.
Dabei lernen sie nicht nur etwas über die Vergangenheit, sondern gewinnen auch Erkenntnisse, die sich auf unsere Zeit übertragen lassen. Indem wir immer wieder andere Fragen an die Geschichte stellen, erhalten wir neue Antworten oder sehen bekannte Ereignisse in einem neuen Licht.“
Die Parlamentspräsidentin rief die Jugendlichen auf, weiterhin offen, neugierig und voller Forschungsdrang zu sein, „denn dies ist die Grundlage sowohl für individuellen als auch gesellschaftlichen Wissensgewinn.“
Neben der Auszeichnung für die Wigbertschule Hünfeld wurden weitere 18 Landes- und 19 Förderpreise in Hessen vergeben.
Landesbeste Schule wurde das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium in Gießen und der Gruppenpreis ging an Margarete-Steiff-Schule in Frankfurt. Bundesweit betrachtet war der diesjährige Durchgang mit 2.289 Beiträgen der erfolgreichste seit 30 Jahren.
Hintergrund:
Der Wettbewerb wurde vor 52 Jahren auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und des Hamburger Stifters Kurt A. Körber ins Leben gerufen und hat das Ziel, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte zu wecken, Selbstständigkeit zu fördern und Verantwortungsbewusstsein zu stärken.
Die bundesweit 250 Landessieger, also nun auch die Wigbertschule Hünfeld, haben die Chance auf einen der 50 Bundespreise. Die ersten fünf dieser Preisträger werden im November von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue in Berlin empfangen.