„Wir Königinnen“ überzeugte die Jury: Literaturpreis Fulda geht an Anja Gmeinwieser

Gastbeitrag von Monika Kowoll-Ferger

Preisträgerin des Literaturpreises Fulda 2026 ist Anja Gmeinwieser. Ausgezeichnet wird die Autorin für ihren Debütroman „Wir Königinnen“, der am 27. Februar 2026 im Berlin Verlag erscheint.

Ihr Erstlingswerk würdigte die fünfköpfige Jury als das literarisch bedeutendste Romandebüt der Buchsaison Herbst 2025/Frühjahr 2026. Mit der Auszeichnung ist ein Preisgeld von 10.000 Euro verbunden.

Die Verleihung findet am Mittwoch, 3. Juni 2026, um 19 Uhr im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses statt. Die Laudatio hält Literaturkritikerin und Jury-Mitglied Julia Schröder.

In der Begründung der Jury heißt es: „Anja Gmeinwieser ist mit ihrem Roman ,Wir Königinnen‘ das Kunststück gelungen, eine coole Roadnovel mit einer ebenso zarten wie wilden Liebesgeschichte zu verbinden, dabei zugleich von Ausbeutung und prekären Arbeitsbedingungen in der brutalen Welt internationalisierter Tiertransporte zu erzählen, ohne je in wohlfeilen Aktivismus zu verfallen: Zwei Frauen – eine Fernfahrerin, die sich und ihr Kind durchbringen muss, und eine junge Lehrerin, die zwar alles hat, aber trotzdem nicht klarkommt in ihrem Leben – versuchen eine Herde Kühe in einem Lkw in die Türkei zu bringen, während die Gluthitze des Sommers das Überleben der Tiere im engen Laderaum zunehmend gefährdet.“

In einer Sprache die lakonisch, punktgenau und immer wieder von groteskem Humor durchzogen sei, nehme die Autorin ihre Leserschaft mit „auf diese spannende, absurde, oft anrührende und manchmal auch todtraurige Reise quer durch Europa. Sie beschönigt nichts und gibt doch am Ende die Hoffnung nicht auf.“

Insgesamt konkurrierten 43 Einreichungen deutschsprachiger Romane um den Debütpreis der Stadt Fulda. Nach der ersten Lektüre der Wettbewerbsbeiträge trafen die Jury-Mitglieder eine erste Auswahl, die dann auf eine Shortlist mit sechs favorisierten Titeln verdichtet wurde.

Alle Bücher, die das Finale erreichten, stammten von Autorinnen. Aus der Shortlist ermittelte die Jury in ihrer finalen Sitzung im Fuldaer Stadtschloss schließlich die aktuelle Preisträgerin.

Die diesjährige Jury setzt sich zusammen aus den Schriftstellerinnen Anna Yeliz Schentke und Zsuzsa Bánk, der Literaturkritikerin Julia Schröder, dem Schriftsteller Christoph Peters und dem Literaturkritiker Christoph Schröder.

Organisiert wurde der Wettbewerb im Auftrag der Stadt Fulda und in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturamt von Silke Hartmann von der Agentur „Kulturperle – Kommunikation und Kulturmanagement“.

In Anja Gmeinwiesers Debütroman wandert eine Frau durch die piemonteser Alpen, ihre kreisenden Gedanken finden keine Ruhe. Da kreuzt die pragmatische Lkw-Fahrerin Anna mit einer Ladung trächtiger Kühe ihren Weg.

Aus einem spontanen „Ich fahre mit“ wird eine gemeinsame Reise Richtung Türkei. Zwischen Staub und Hitze ringen die ungleichen Frauen um Verständigung: Ihre Gespräche, unterstützt von einem zuweilen halluzinierenden Handy-Übersetzer, entdecken die Poesie im Alltäglichen.

Anna jongliert Mutterrolle und Beruf, während ihre schweigsame Begleiterin sich in Zweifeln verliert. Ein Tag am See bringt kurzzeitige Harmonie, doch der Tod eines Rindes wirft Schatten voraus.

An der EU-Außengrenze, wo Kühe und Träume stranden, mündet ihre Odyssee schließlich in einen Akt der Befreiung.

Anja Gmeinwieser, geboren 1989 in Mainburg, hat Soziale Arbeit sowie Politik-, Theater- und Medienwissenschaften in München und Erlangen studiert.

2018/19 war sie auf der Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises, 2022/23 Teilnehmerin der Romanwerkstatt des Literaturhauses München und 2023 Finalistin beim Wettbewerb open mike. Sie lebt in der Nähe von Nürnberg und arbeitet als Sozialarbeiterin in der stationären Jugendhilfe.

Hintergrund – Literaturpreis Fulda

Der mit 10.000 Euro dotierte Literaturpreis Fulda wird seit 2019 jährlich für das beste Romandebüt der Saison vergeben. Erste Preisträgerin war 2019 Johanna Maxl mit ihrem Roman „Unser großes Album elektrischer Tage“.

2020 ging die Auszeichnung der Stadt Fulda zu gleichen Teilen an Nadine Schneider für „Drei Kilometer“ und an Olivia Wenzel für „1000 Serpentinen Angst“.

2021 wurde Timon Karl Kaleyta für „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ mit dem Literaturpreis Fulda gewürdigt. 2022 erhielt den Preis Edgar Selge für sein Buch „Hast du uns endlich gefunden“.

2023 nahm Silke Stamm die Würdigung für ihren Band „Hohe Berge“ entgegen. 2024 ging die Auszeichnung an Konstantin Ferstl für seinen Roman „Die blaue Grenze“. 2025 wurde Ricarda Messner für „Wo der Name wohnt“ mit dem Literaturpreis Fulda gewürdigt.