Beitrag von Martin Veltum
Fremd, exotisch, aufregend und von beinahe greifbarer Wärme durchdrungen – Indien fasziniert seit Jahrhunderten mit seinem geheimnisvollen Zauber.
Diese besondere Anziehungskraft war am Donnerstag auch in den ehrwürdigen Räumen der Anneliese-Deschauer-Galerie deutlich zu spüren.
Der Förderverein der Galerie unter Vorsitz von Doris Heim hatte zu einem Reisevortrag eingeladen, der zahlreiche heimische Gäste anzog.
Referentin des Abends war Sabine Etzel aus Wiesenfeld, in der Region vielen als Kräuterexpertin bekannt. Seit Jahren arbeitet sie mit aromatischen Pflanzen, Blüten, Ölen und Düften – eine Leidenschaft, die Indien mit seinen intensiven Farben, Gewürzen und Sinneseindrücken für sie zu einem Sehnsuchtsort gemacht hat.
In ihrem detailreichen, investigativen Vortrag nahm sie das Publikum mit auf eine Reise durch das Land der Kontraste.
Begrüßt wurden die Gäste von Sabine Etzel mit dem traditionellen indischen Gruß „Namaste“ – einer Geste, bei der die Handflächen vor der Brust zusammengeführt werden. „Namaste“ bedeutet sinngemäß „Ich verbeuge mich vor dem Göttlichen in dir“ und steht für Respekt, Achtsamkeit und Verbundenheit.
Passend dazu reichte die Referentin Masala Chai, den typischen indischen Gewürztee aus starkem Schwarztee, Milch, Zucker sowie Ingwer, Kardamom, Zimt und Nelken – ein fester Bestandteil der indischen Alltagskultur, der an Straßenständen von sogenannten Chaiwallahs serviert wird.
Doris Heim und Sylvia Möller zeigten sich sehr erfreut über die große Resonanz. In einem kurzen Statement betonten sie: „Wir freuen uns sehr, dass so viele heimische Gäste vor Ort waren.“
Zugleich kündigten sie Sabine Etzel als aufmerksame Beobachterin an, die auf ihren Reisen stets den Blick für Hintergründe und Zusammenhänge bewahre.
Mit Bildern, Videos, Musik, Düften und sogar der Präsentation eines handgefertigten indischen Tuchs machte Sabine Etzel Indien für die Besucherinnen und Besucher in Geisa mit allen Sinnen erlebbar.
Sie berichtete von leuchtenden Farben, weltberühmten Monumenten wie Palästen aus indischem Marmor – einem begehrten Exportgut auch nach Europa – sowie vom Jain-Tempel, den sie als „den schönsten Ort der Reise“ bezeichnete.
Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der Offenheit der Bevölkerung: Viele Menschen ließen sich gerne mit den Reisenden fotografieren, da Europäer vor Ort als exotisch empfunden würden.
Inhaltlich spannte der Vortrag einen weiten Bogen: Die Referentin informierte über das Kastensystem, die Vielfalt der Religionen – von Hinduismus über Jainismus bis zum Islam –, über heilige Kühe, die auch der Grund für eine Höchstgeschwindigkeit von oft nur 60 km/h auf Autobahnen sind, sowie über den roten Punkt auf der Stirn der Menschen, der je nach Kontext religiöse oder kulturelle Bedeutung hat.
„Andere Länder, andere Sitten“, betonte sie und fügte hinzu, dass sie von jeder Reise mit Demut nach Hause komme.
Auch gesellschaftliche Themen wurden nicht ausgespart: Sabine Etzel sprach über Eunuchen (Hijras), die in Indien traditionell eine eigene soziale Rolle einnehmen, über das Sozialsystem, in dem die Familie eine zentrale Bedeutung hat, sowie über große Krankenhäuser in den Metropolen, in denen die Pflege oft von Angehörigen übernommen wird.
In Jaipur, Bikaner, Junagarh – einer reichen Handelsstadt – und in der Wüste erlebte sie eindrucksvolle Kontraste zwischen Tradition und Moderne.
Cyberstädte und Neu-Delhi zeigten, dass Indien im IT-Bereich weltweit führend ist. Auch die politische Entwicklung des Landes und Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi wurden anschaulich eingeordnet.
Kritische Beobachtungen fehlten ebenfalls nicht: Große Probleme sah Sabine Etzel in den Bereichen Sauberkeit, Hygiene und bei der Situation vieler Tagelöhner, die mit ihren Familien unter freiem Himmel leben.
Mit Humor berichtete sie vom „Zahnarzt am Straßenrand“, den sie „nur mäßig vertrauenswürdig“ fand – was im Publikum für Schmunzeln sorgte. Die Witwenverbrennung sei zwar offiziell verboten, komme jedoch vereinzelt noch vor.
Auch der Klimawandel, besonders spürbar in der Wüste, wurde thematisiert. Ein Kuhsanatorium, Festungen wie Mehrangarh, Jaisalmer – die „Goldene Stadt“ – sowie ein Abendessen in der Wüste mit Kulturprogramm zählten zu den besonderen Reiseerlebnissen.
Praktische Einblicke rundeten den Vortrag ab: Der indische Rupienkurs liegt aktuell bei etwa 1 Euro zu rund 90 Rupien; das durchschnittliche Monatseinkommen vieler Menschen ist im Vergleich zu Europa sehr niedrig, Arbeitskräfte gelten als billig.
Umso wichtiger sei Respekt im Umgang miteinander. „Ich reise mit wenig Gepäck und möglichst wenig Belastung“, sagte Sabine Etzel. „Die Konzentration auf das Wesentliche eröffnet echte Begegnungen.“
Gelobt wurde auch der Reiseleiter, der stets die europäischen Bedürfnisse nach sauberen Toiletten im Blick hatte – „besonders wichtig, wenn es in der Wüste nur sehr wenig Gebüsch gibt“, wie Etzel augenzwinkernd anmerkte.
In der Fragerunde berichtete sie über die Flugroute von Frankfurt über Dubai nach Neu-Delhi und riet Interessierten, sich gut vorzubereiten, sich umfassend zu informieren und vor allem Zeit mitzubringen, um das Land wirklich genießen zu können.
„Machen Sie sich vor Ort selbst ein Bild und begegnen Sie Ländern und Kulturen offen“, lautete ihre Einladung.
Sabine Etzel ist Mutter von zwei Töchtern, arbeitet seit ihrem gesamten Berufsleben im Gesundheitswesen und verfügt dadurch über einen geschärften Blick hinter die Kulissen.
Ehrenamtlich engagiert sie sich unter anderem als Kräuterexpertin, Gästeführerin auf Point Alpha und als Referentin vor Ort. Ihre weltweite Reiseerfahrung und hohe fachliche Expertise machten den Vortrag zu einem besonderen Höhepunkt.
Das ehrwürdige Ambiente der Anneliese-Deschauer-Galerie sowie die hervorragende Vorbereitung, Organisation und Durchführung durch Sabine Etzel, Sylvia Möller und Doris Heim trugen maßgeblich zum Gelingen des Abends bei.
Ein großer Applaus und viele anregende Gespräche im Anschluss rundeten die Veranstaltung stimmungsvoll ab.











































































































