Ein Lichtermeer der Hoffnung: Wenn Rock-Balladen die Kirche zum Beben bringen

Gastbeitrag von Thomas Volkmann

Es war ein Wagnis, und es wurde ein Triumph. Wer am vergangenen Sonntagabend, dem 1. Februar, die Peterskirche in Tiefenort betrat, rieb sich verwundert die Augen: Trotz Winterfeeling und einem prall gefüllten Veranstaltungskalender im Dorf war die Kirche richtig gut besucht.

Dass so viele Menschen – darunter auffallend viele junge Gesichter – den Weg in den Lichter-Gottesdienst finden würden, damit hatte selbst die kühnste Erwartung in der Kirchengemeinde nicht gerechnet.

Unter dem Titel „Licht für Alle“ erlebte Tiefenort einen Abend, der so gar nicht in das Schema einer klassischen Liturgie passte.

Statt Orgelklänge empfing die Besucher eine Atmosphäre, die eher an ein intimes Clubkonzert erinnerte, getragen vom warmen Schein hunderter Lichter.

Profi-Sound und ein Pfarrer am Keyboard

Das musikalische Herzstück des Abends war die Band „The Quite Side“. Das Duo Mathias Gunia und Michael „Muggemicha“ Gerlach bewies von der ersten Sekunde an, dass hier Profis am Werk sind.

Mit handgemachter Musik, Gitarre, Cajon und Mundharmonika zogen sie die Besucher in ihren Bann. Pfarrer Thomas Volkmann höchstpersönlich unterstützte die Band am Keyboard und zeigte, dass Rock-Spirit und Talar eine glänzende Symbiose eingehen können.

Die Setlist war so vielfältig wie die Besucher selbst: Vom eindringlichen „Kyrie eleison“ über Beatles-Klassiker wie „Here comes the sun“ bis hin zu ostdeutschen Rockballaden wie „Die Sucher“.

Besonders bei Simon & Garfunkels „Sound of Silence“ hätte man im Kirchenschiff eine Stecknadel fallen hören können – so tief war die Ergriffenheit.

Drei Szenen, eine Botschaft: Vom Dunkel ins Licht

Inhaltlich war der Gottesdienst wie eine Reise aufgebaut. In drei lebendigen Impuls-Szenen führten Mario Gratz, Joachim Krug und Ines Wiegand die Gemeinde aus dem Alltag hinein in die Welt der biblischen Offenbarung des Johannes.

Dabei wurde der Bogen meisterhaft in die Gegenwart gespannt: Von der Einsamkeit auf der Gefängnisinsel Patmos bis hin zur absoluten Finsternis unter Tage im Erlebnisbergwerk Merkers.

„Ohne Licht keine Schicht“ – dieses alte Bergmannswort war eine der zentralen Metapher des Abends. Wie Licht uns verändert, uns Hoffnung bringt, die Angst vertreibt: von dieser Zusage lebte der Abend.

Die Predigt machte deutlich: Die Vision Jesu ist weit mehr als nur ein kleiner Lichtschein unter einer Tür, der uns sagt, dass wir nicht allein sind. Sie ist das Feuer, das in uns brennt und uns den Weg weist, selbst wenn die Welt um uns herum düster wirkt.

Gänsehaut-Momente beim Kerzenritual

Der emotionale Höhepunkt war zweifellos das Kerzenritual. Die Besucher strömten nach vorne, um in einem großen geschmiedeten Fisch ein Licht zu entzünden.

Ob als stilles Gebet für einen lieben Menschen oder als Zeichen für die eigene Hoffnung – das wachsende Lichtermeer im Altarraum sprach Bände.

Viele nutzten zudem die Gelegenheit, sich ganz persönlich segnen zu lassen. Ein Moment der Nähe und des Zuspruchs, der in der heutigen Zeit selten geworden ist.

Gemeinschaft, die bleibt

Doch mit dem Segen war der Abend noch lange nicht vorbei. Das Konzept, die Kirche weit zu öffnen, ging voll auf: Vor der stimmungsvoll illuminierten Kulisse der Peterskirche blieben die Menschen bei Glühwein noch lange zusammen.

Es wurde gelacht, diskutiert und die Gemeinschaft genossen.

Dieser Abend hat bewiesen, dass Kirche modern, nahbar und zutiefst relevant sein kann. Die Kirchenältesten sich mit viel Zeit auch im Hintergrund, in Vorbereitung und der Versorung eingebracht – und es wurde sehr dankbar angenommen.

Die Besucher haben an diesem Sonntag nicht nur Lieder gehört, sondern viel Licht und Hoffnung in ihre Herzen gepflanzt bekommen.